Jahrgang 
1909
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Aus Anlaß des XI. Allgemeinen Deutschen Turnfestes wurden die Sommerferien auf fünfk Wochen verlängert. Am Nachmittag des 14. Juli beteiligte sich die Anstalt an der Vorführung von Freiübungen, die anläßlich des Turnfestes stattfand.

Dem Gedächtnis der Frau Rat wurde bei der Hundertjahrfeier ihres Todestages in den Klassen von Obertertia aufwärts die letzte deutsche Stunde vor dem 13. September gewidmet.

Bei den innerhalb der Räume der Anstalt gefeierten Schulfesten wirkte auch im verflossenen Schuljabre der Orchesterverein mit, den mit opferwilligem Aufwand an Zeit und Mühe Herr Professor Dr. Wünnenberg leitete. Die einzelnen Instrumente waren in folgender Weise besetzt: Violinen: Kahn, Reinert, Mayer(UTa), Keller(U T b), Ganz. Knecht(O II a), Roediger(OII b), Schrader, v. Königswarter(U IIa), Lemmè, Rau(O IIIa), Weller(O III b), Girgensohn, Stipp(UIIIa). Bratsche: Kloos(OIIa). Violoncell: Fellner(OIa), v. Passavant(UTa), Goeschen(U I b), Mayer(O II b). Kontrabab: Schlier(CIILa). Flöte: Scharff(UIa). Klarinette: Salin(UIb) Trompete: Färber, Walther(O III a). Posaune: Schöll(U III a). Pauken: Wurzmann(UII b). Große Trommel: Stulz(U II b). Kleine Trommel: Ritter(U II a). Klavier: Schmidt-Fellner(OII a). Harmonium: Lepsius(O Ta), Giebel(U II a).

Bei der Feier des fünfzigsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs hielt Herr Professor Presber die Festrede über die Entwicklung der Telegraphie ohne Draht. Der Chor und der Instrumental- verein trugen folgende Musikstücke vor:

1.Gott, gib Fried' in deinem Lande, vierstimmige Motette von Grell. 2. Aus der Sammlung:Musik am preußischen Hofe:

a) Boccherini, Menuett aus der Symphonie in C-moll.

b) Lieblingswalzer der Königin Luise.

c) Coburger Josias-Marsch. 3. Adagio aus dem Kaiserquartett von Haydn.

Da das Sommerhalbjahr nicht nur durch die Verlängerung der Ferien, sondern auch in Folge der starken Hitze durch den Ausfall mancher einzelnen Stunden verkürzt war, so verzichteten wir dieses Jahr auf das Sedan- turnfest; statt dessen unternahmen die Ordinarien der mittleren und unteren Klassen am Sedantage mit ihren Schülern Ausflüge. Die Turnfahrt der oberen Klassen, die Herr Professor Wünnenberg vorbereitet hatte und an der außer ihm und dem Direktor die Herren Kollegen Adami, Schmedes und Thielmann teilnahmen, fand am 1. und 2. September statt. Einer der Teilnehmer berichtet darüber:

Den 1. September, 7 Uhr früh verließen wir Frankfurt; um 10 Uhr trafen wir in Hetzbach im Oden- wald ein. Zwar empfing uns der Himmel mit kräftigem Regengusse, doch hatte er bald ein Einsehen, und so marschierten wir denn frischweg von Hetzbach ab. Eine etwa einstündige Mittagsrast hielten wir teils in Gammelsbach, teils in der über dem hübschen Dorfe liegenden Ruine Freienstein und gelangten über Rothenberg um 5 Uhr nach Eberbach am Neckar. Um 6 Uhr versammelten wir uns zum Abendessen, dann begann der her- kömmliche Kommers, der, durch drei wohlgelungene Aufführungen verschönt, aufs beste verlief.

Am folgenden Tage durften wir ausruhen, und das auf die schönste Weise: in zwei aneinandergekoppelten Boten trieben wir 5 Stunden lang den Neckar hinab, von Eberbach bis Neckarsteinach, wo uns die Bahn auf- nahm. Sie brachte uns nach Schlierbach. Um 3 Uhr kamen wir hier an, und schon wartete das Mittagessen auf uns. Nach zwei Stunden brachen wir auf, gingen 1 ¹¼ Stunden weit zum Heidelberger Schloß und trennten uns hier, um je nach Wahl Schloß oder Stadt zu besehen. Der Eilzug brachte uns nach Frankfurt zurück, wo wir, vergnügt über die wohlgelungene Fahrt, um 10 Uhr ankamen.

Am 27. und 28. November durften wir bei Gelegenheit einer kleinen musikalisch-dramatischen Aufführung zahlreiche Angehörige unserer Schüler und Freunde der Anstalt in unserer Aula begrüßen. Die Herren Prof. Dr. Bölte und Oberlehrer Dr. Pfeffer hatten den dramatischen, Herr Prof. Dr. Wünnenberg den musi- kalischen Teil mit aufopfernder Hingabe vorbereitet; sie durften sich der freundlichsten Aufnahme des von ihren Schülern Geleisteten erfreuen. Ich lasse das Programm folgen:

1. Marsch aus der Suite Nr. 1, op. 113. F. Lachner.

2. Ungarischer Tanz(Czardas) Nr. II in A-moll für kleines Orchester. Brahms.

3. Lieder der VI. und V.:

a) Der Schneider in der Höll'. Gille(1777). b) Derrière chez mon père(franz. Volkslied). c) Le joli tambour(franz. Volkslied).