Jahrgang 
1906
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1904 einigte sich das Lebrerkollegium, daß es wünschenswert sei, diese Einrichtung in zeitgemäßer Umgestaltung neu zu beleben, um dadurch die Schüler noch mehr als es bisher möglich gewesen sei, zum selbständigen Arbeiten zu erziehen. Am 15. Januar 1906 teilte uns das Königliche Provinzial-Schulkollegium die Genehmigung zur Anstellung eines solchen Versuches zunächst auf die Dauer von zwei Jahren mit. Es wird den Eltern und

Schülern willkommen sein, wenn ich die von der Konferenz festgestellte vorläufige Ordnung dieser Studientage hier mitteile:

1) Den Schülern der Prima wird gestattet, sich im kommenden Schuljahr an 12 Vormittagen im Klassen- zimmer mit einer Arbeit zu beschäftigen, deren Gegenstand von einem Lehrer der Klasse ihnen vorgeschlagen oder von ihm genehmigt ist.

2) Die Vormittage werden möglichst gleichmäßig auf das ganze Schuljahr und auf die fünf ersten Tage der Woche verteilt.

3) Bei schwierigerer fremdsprachlicher Lektüre wird die Präparation eines bestimmten Abschnitts genügen; sonst ist tunlichst danach zu streben, daß die Arbeit nicht nur rezeptiver, sondern auch produktiver Art und ihr Resultat mindestens eine einfach gegliederte Stoffsammlung sei.

4) Die Bearbeitung eines Themas kann in mehyere Teilaufgaben zerlegt werden, deren jede Stoff für einen Studientag bietet.

5) Zu Wiederholungen für die Reifeprüfung sollen die Studientage nicht benutzt werden.

6) Wie weit der Lehrer, der die Aufgabe stellt oder genehmigt, ihre Bearbeitung kontrollieren will, bleibt ihm überlassen.

7) Sollte sich einer der Schüler dieser Freiheit unwert zeigen, so würden ihm ohne Rücksicht auf seine Wünsche Schulaufgaben au stellen sein, die wie alle sonstigen Schulaufgaben kontrolliert würden.