Das Sedanfest wurde wie im vorhergehenden Jahre durch einen Auszug des ganzen Gymnasiums in den Stadtwald gefeiert. Unter Vorantritt eines Musikkorps ging früh morgens der mit vielen Fahnen geschmückte Zug nach dem Oberforsthaus. Dort hielt Herr Dr. Schwemer eine patriotische Ansprache. Nach einigen Gesängen des Gymnasialchors begannen die Wett- spiele und das Preisturnen. Die Sexten und Quinten schossen mit der Armbrust nach Adlern; die Quarten und Tertien kümpften im Bogenschiessen um den Preis; die übrigen Klassen be- teiligten sich an dem Wettturnen, das von den Turnlehrern vorbereitet nach einem festen Plane an verschiedenen Plätzen des Waldes abgehalten wurde. Eine besondere Aufmerksamkeit und Spannung erregte der zum ersten Male durch Herrn Weidenbusch eingeübte und geleitete Fünf- kampf(Pentathlon), an dem die besten Turner des Gymnasiums Teil nahmen. Die Reihenfolge der Kämpfe war: Weitspringen, Gerwerfen, Laufen, Diskuswerfen, Ringen. Den Sieg trug der Abiturient Ohlenschlager davon; der zweitbeste war der Osteroberprimaner Bauer. Die Preise, die aus Eichenlaub und Eichenkranz bestanden, wurden vom Direktor mit einer Ansprache ver- teilt, in der er mit Genugthuung hervorheben durfte, daß unsere Jugend sich mit Wärme diesen Spielen und Kämpfen zuwendet, und daß sie in erfreulicher Weise sich bemüht, ihre körperliche Gewandtheit und Kraft auszubilden.
Die Entlassungsprüfung der Michaelis-Oberprima fand am 23. und 24. August unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrats Dr. Lahmeyer statt. Von den 24 Schülern, welche die Prüfung bestanden, konnten 14 von der mündlichen Prüfung befreit werden; einem wurde das Zeugnis der Reife nicht zugesprochen, zwei waren nach dem ungenügenden Ausfall der schriftlichen Arbeiten von der weiteren Prüfung zurückgetreten.
Die Progressionsfeier der Michaelis-Klassen wurde am 24. September in dem großen Saale des Saalbaues begangen. Deutsche Reden hielten der Abiturient Ellinger und der Primaner Weber, die lateinischen Abschiedsworte sprach der Abiturient von Both.
Schon während des Sommersemesters hatten die Schüler der oberen Klassen die Bitte an das Lehrerkollegium gerichtet, eine musikalisch-theatralische Aufführung wie im vorange- gangenen Jahre zu gestatten. Wegen des Geldaufwandes, den diese Aufführungen erfordern, schien es dem Lehrerkollegium geraten, zunächst noch mit der Erlaubnis zurückzuhalten und genauere Erkundigungen bei den Eltern einzuziehen. Dieselben ergaben eine entschiedene Ab- neigung gegen eine zu häufige Wiederholung der kostspieligen theatralischen Aufführungen. Dagegen wurde von zahlreichen Eltern(113) während des Wintersemesters der Wunsch ausge- sprochen, daß die Erlaubnis zu einer einfachen musikalischen Aufführung und geselligen Zu- sammenkunft erteilt werde. Das Lehrerkollegium ging gerne auf diesen Wunsch ein, und so wurde denn am 11. Februar in den Räumen des Palmengartens ein sehr erfreuliches Fest gefeiert, das alle Teilnehmenden befriedigte. Ein aus Schülern des Gymnasiums gebildetes kleines Orchester trug unter der bewährten und auch diesmal mit Dank in Anspruch genommene Leitung des Herrn Diez mehrere Tonstücke in vortrefflicher Weise vor; der Gymnasialchor unter Leitung des Herrn Schmidt trat zum ersten Male vor einem solchen weiteren Kreise auf und errang sich begründeten Beifall. Die Teilnahme an dem Feste mußte schon wegen des Raumes auf die nächsten Angehörigen der Schüler und auf die früheren Schüler des Gymnasiums beschränkt werden. Gerade in solcher Beschränkung aber werden diese Feste einen ihrer Hauptzwecke erfüllen, zwischen der Schule und den Eltern eine freundschaftliche Annäherung zu ermöglichen, deren Förderung uns allen angelegen sein soll.


