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gewann, daß zum ersten Male die schon an anderer Stelle erwähnten praktischen Werkstattarbeiten ausgestellt wurden. Eine hiesige Zeitung schreibt über die Ausstellung:
Wenn man erwägt, mit wieviel Schwierigkeiten die Entwicklung der obligatorischen Fortbildungsschulen bisher zu rechnen hatte, wenn man ferner in Betracht zieht, mit welch' verschieden gearteten sich von Jahr zu Jahr zu erneuerndem Material das Lehr- personal stets zu rechnen hat, so muß man sich lebhaft wundern, wie es dennoch möglich war, ein Bild so aus einem Guß und doch durchgearbeitet bis in die kleinsten Details zusammen stellen zu können, wie es die diesjährige Ausstellung bietet.
Nicht allein für alle Handwerksmeister und sonstigen Interessenten, auch für die Eltern und Erzieher, überhaupt für jeden Freund der Jugend ist es Pflicht, sich aus den Arbeiten ein Urteil zu bilden und zugleich das Interesse im allgemeinen auf diesem Gebiete zu beweisen.
Gilt es doch nichts mehr und nichts weniger, als ein Bestreben zu unterstützen und anzuerkennen, das darauf hinausläuft in erster Linie dem Handwerk seinen goldenen Boden zu bewahren, in zweiter Linie, und das ist das ideale Ziel des ganzen Fort- bildungs-Schulwesens, den Gesamt-Bildungsgrad des Arbeiters und des Mittelstandes der ganzen Nation um eine Stufe zu heben. Namentlich denjenigen, welche sich seither aus Kurzsichtigkeit über das Endziel, teils offen, teils versteckt als Gegner dieser Bewegung bekannt haben, ist hier Gelegenheit geboten, sich durch Sehen davon zu überzeugen, welche ungeheuren Vorteile für die Gesamtheit aus diesem Vorwärtsbringen unserer Jugend erwachsen.
Die Ausstellung gibt im ganzen einen sehr guten Ueberblick über die seit Jahresfrist errungenen leicht erkennbaren Fortschritte, und die Einteilung bzw. die fachklassenweise Zusammenfassung bietet jedem Beschauer günstige Gelegenheit sich hiervon zu überzeugen.
Schon beim Betreten der ersten Abteilung für Mechaniker-, Gießerei- und Grob- Schlosserarbeiten sieht man dies vorteilhafte Arrangement der Leistungen getrennt in Unter-, Mittel- und Oberstufe; diese die Uebersicht wesentlich erleichternde Einteilung tritt uns auch in allen anderen Fachklassen entgegen und läßt das Studium derselben ohne Ermüdung zu.
Während die Unterstufen in der Hauptsache das geometrische Zeichnen betreiben, bringt die Mittelstufe das Entwerfen und Zeichnen von Modellen, während die Ober- stufe diese Einzelheiten zusammenfaßt und mit Zeichnungen kompleter Maschinenteile usw. vor den Beschauer tritt; eine Neuerung, das Anfertigen von Modellen und fortigen Stücken unter Zugrundelegung der vorher entworfenen Skizze, tritt uns in der nächsten Abteilung für Kunst- und Bauschlosser sowie Elektrotechniker entgegen.
Dieser Gedanke des rührigen Leiters des Herrn Direktor Neuschaefer, nach welchem die jungen Handwerker in der Werkstatt des Meisters nach den in der Schule erworbenen theoretischen Kenntnissen praktische Arbeit zu leisten, d. h. fertige Stücke herzustellen, angespornt wurden, kann als sehr vorteilhaft für alle Beteiligten und nach den vorliegenden Leistungen als vollständig geglückt bezeichnet werden.
Beim Passieren des dritten Raumes, Arbeiten der Spengler, Installateure, Schreiner, Drechsler, und Bauhandwerker tritt dies dem Laien noch auffälliger vor Augen, weil er hier sofort eine Anzahl Gebrauchsgegenstände vorfindet, welche durch peinliche und saubere Arbeit bestechen; aber auch alle übrigen Stücke zeichnen sich durch Exaktheit und Eleganz aus, und die Herren Preisrichter, welche die zur Verfügung stehenden Prämien zuerkennen sollen, finden keine leichte Arbeit.


