Jahrgang 
1915
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Im Dachgeschoß befinden sich: ein großer Freihandzeichensaal mit Modellraum, ein Linearzeichensaal, ein Singsaal und die Räume für Chemie, bestehend aus Hörsaal, Vorbereitungs- zimmer, Sammlungsraum und Schülerarbeitszimmer.

Das Untergeschoß enthlt die Raume für die Heizungsanlage mit Koksräumen, einen Raum für Milchausgabe, Fahrradraume und die Bedürfnisanstalten für die Schüler. Fahrrad- raume und Bedürfnisanstalten haben sowohl Zugänge von dem Treppenhause aus, wie auch direkt vom Hofe.

Die Hörsäle für Naturkunde, Physik und Chemie haben ansteigende Podien und Ver- dunklungsvorrichtungen. Der Hörsaal für Naturkunde erhalt Epidiaskop, die anderen beiden Einrichtungen für Aufstellung von Projektionsapparaten. Die Klassen haben als Bodenbelag Linoleum auf Gipsestrich erhalten, der untere Teil der Waͤnde ist mit Wandlinoleum zwischen Holzleisten versehen. Die Wandtafeln sind aufklappbar und in der Höhe verschiebbar, um sie auch für Schüler verschiedener Größe leicht erreichbar zu machen. Die Schulbänke der Kombinations- und der Religionsklasse sind in der Höhe verstellbar, die der anderen Klassen- raume feststehend. Die Hörsäle haben Klappsitze nach Art der neueren Hochschulbänke. Der Fußboden der Physikräume ist aus Eichenholz, der Chemieräume aus säurefestem Estrich.

Die Korridore und Kleiderablagen sind mit schwarzen und grauen Fußbodenplatten belegt, die Wnde im Erd- und ersten Obergeschoß haben im unteren Teil farbige Wand- platten erhalten, darüber hellen Naturputz. Im zweiten Obergeschoß sind die Wandplatten durch farbigen Preßputz ersetzt. Die Deckenflächen der Kleiderablagen und Unterzüge sind einfach bemalt.

Die Amtsräume sind mit Fußbodenlinoleum belegt und in einfacher, würdiger Weise ausgestattet. Die Möbel sind fest eingebaut und gebeizt.

Für Beobachtungszwecke ist auf dem Dach des Hauptflügels ein Dachreiter aufgebaut, der leicht zugänglich gemacht ist und dessen Plattform zur Unterweisung der Schüler mit Orientierungstafel versehen ist.

Die Beleuchtung des Gebàudes geschieht mittels lelektrischem Licht, die Beheizung durch Niederdruck-Dampfheizung. Die Uhren und Pausensignalanlagen sind elektrisch betrieben.

Das dem Aulaflügel vorgelagerte, kleine Schuldienerhauschen enthält im Erdgeschoß ein Wohnzimmer, Küche mit Speisekammer und Klosett, im Obergeschoß zwei Schlafzimmer und Bad und darüber noch eine bewohnbare Kammer.

Der àußere Aufbau des gesamten Bauwerkes ist in einfachsten, sachlichen Formen gehalten, unter Verwendung von Basalt für den Sockel und die beiden Portale an der Rühl- straße, und rotem Sandstein für die übrigen Architekturgliederungen. Die Fassadenflächen sind mit gelb getöntem Naturputz versehen. Bei der Ausgestaltung des Außeren wurde veniger auf die Ausführung von reicheren Einzelheiten, als auf eine gute Gruppierung der Baumassen und die Anwendung guter Verhaltnisse Gewicht gelegt. Der einzige Schmuckpunkt ist die reicher in Schmiedeeisen ausgeführte, farbig gemalte Uhr am Giebel des Aulaflügels nach dem Schulhofe.

Mit dem Bau wurde im Mai 1913 begonnen und es war, trotz Ausbruch des Krieges, der naturgemäß eine Verlangsamung der Bauausführung zur Folge hatte, möglich, diesen bis Ab- lauf der Herbstferien soweit zu vollenden, daß die UÜbergabe am 10. Oktober 1914 erfolgen konnte.

Als Gesamtbaukosten waren von den oberen städtischen Behörden, einschließlich Mobiliar, aber ohne Grunderwerb. 477 500 M. bewilligt, welche Summe bei der Abrechnung keinesfalls überschritten wird.