Jahrgang 
1925
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Werken vor, Herr Geheimrat Dr. h. c. Max Walter erzählte von ſeinen Reiſen an der Oſtſee(mit Lichtbildern). Am 15. Februar 1925 feierte der Verein ſein 20 jähriges Jubiläum in einem feſtlichen Zuſammenſein ſeiner Mitglieder. Vereinsmitglieder können werden, alle ehemaligen Schülerinnen der Eliſabethenſchule und des Oberlyzeums und die Mütter unſerer jetzigen Eliſabethenſchülerinnen. Die Schule freut ſich, daß der Verein nach ſchweren Zeiten nun einen neuen Aufſchwung nimmt und würde es außerordentlich begrüßen, wenn recht viele ehemalige Schülerinnen und recht zahlreiche Mütter dem Verein beitreten und an dem Auſbau unſerer Schule mithelfen wollten.

DieJubiläumsſtiftung und dieWitwen⸗ und Waiſenkaſſe der ordentlichen Lehrer an der Muſter⸗ und Eliſabethenſchule haben ſich nur mit ſehr ſtark zuſammengeſchmolzenem Vermögensbe⸗ ſtand aus der Kriegs⸗ und Inflationszeit herübergerettet. DieWitwen⸗ und Waiſenkaſſe muß auf einer ganz neuen Grundlage aufgebaut werden; die Vorarbeiten ſind bereits getan.

G. Verſchiedenes. I. Gebäude, Schulhof, uſw.

In unſerm Schulgebäude ſind ſeit Herbſt 1923 außer den Klaſſen des alten Oberlyzeums, der Seminar⸗ Üübungsſchule und des Kindergartens auch die des ganzen Lyzeums Eliſabethenſchule untergebracht, das früher das Gebäude am Börſenplatz innehatte. Die zahlreichen Klaſſen wurden Oſtern 1924 mit Zuſtimmung des Herrn Miniſters vom Magiſtrat zu einer einzigen Anſtalt unter dem NamenEliſabethenſchule(ſtädt. Oberlyzeum) vereinigt. Im Berichts⸗ jahre beſtanden 17 Oberlyzeumsklaſſen und 8 Uebungsſchulklaſſen. Leider erwies ſich der Schulhof als zu klein. Wir haben im laufenden Schuljahr 1925/26 für unſere älteren Schülerinnen einen Teil des Holzhauſenparks zur Ver⸗ fügung ſtehen, womit dem Mißſtand abgeholfen iſt.

II. Lehrmittel, Hilfsbücherei, Schulgeld.

Unſere Lehrmittelſammlung ließ ſich unter den Kriegs⸗ und den Nachkriegsverhältniſſen nur wenig pflegen und erweitern. Die Vereinigung der Eliſabethenſchule mit dem Oberlyzeum bereicherte die Sammlungen jedoch in erheblicher Weiſe. Immerhin beſtehen weiterhin noch empfindliche Lücken, da eine nicht geringe Anzahl von Gegenſtänden im Laufe der Zeit völlig unbrauchbar geworden ſind und da ferner die Sammlungen auf die jetzige Höhe der wiſſenſchaft⸗ lichen Forſchung gebracht werden müſſen.

Unſere gut ausgeſtattete Hilfsbücherei ſtand den weniger begüterten Schülerinnen zur Verfügung. Ihre Verwaltung lag in den Händen unſerer Oberſchullehrerin Fräulein Studienaſſeſſor Dr. Caſpar, der Schülerinnen unſerer Unterſekunden, namentlich Aenne Pierau mit ihren Freundinnen, helfend zur Seite ſtanden.

Der Schulgeldſatz beträgt für Einheimiſche 10 Mk., für Auswärtige 12,50 Mk. und für Ausländer 20 Mk. monatlich. Es wurden an 45 Schülerinnen ganze, an 3 Schülerinnen halbe Freiſtellen verliehen. Eine unſerer Schülerinnen erhielt die hohe Auszeichnung der Verleihung einer Reichserziehungsbeihilfe.

III. Beſondere Einrichtungen.

Für die Schülerinnen unſerer erſten wiſſenſchaftlichen Klaſſe veranſtalteten wir wieder nach der beſtandenen Reifeprüfung einen Einführungslehrgang in die wichtigſten Fragen der Erziehungslehre. Wir beſuchten dabei das Jugendgericht, die Jugendherberge, die Jugendſichtungsſtelle, das Schulmuſeum, die Taubſtummen⸗ und Blindenanſtalt, die Hallgartenhilfsſchule und die Vorſchulklaſſe der Merianſchule(für nicht ſchulreife, aber ſchulpflichtige Kinder), ſowie das Senckenbergiſche Muſeum. Unſer Fürſorgearzt, Herr Sanitätsrat Dr. Rotſchild, beſprach mit dieſer Klaſſe in dankenswerter Weiſe die wichtigſten Fragen der Schulgeſundheitspflege.

Wie ſchon erwähnt, hielt ſich unſere S⸗Klaſſe gleichzeitig mit unſeren Untertertien und der 1. Übungsſchulklaſſe 4 Wochen lang auf derWegſcheide auf. Jeder einzelnen Seminariſtin wurde dabei an den verſchiedenen dort weilenden Mädchen⸗ und Knabenklaſſen von höheren, Mittel⸗ und Volksſchulen eine beſondere Tätigkeit zugewieſen. Es war dies wieder eine beſonders günſtige Gelegenheit, die heranwachſenden jungen Lehrerinnen mit den Fragen der neuen Erziehung und des neuen Unterrichtsbetriebes vertraut zu machen.

Herr Fraikin erteilte allmonatlich 2 franzöſiſche Unterrichtsſtunden abwechſelnd in den verſchiedenen Klaſſen.

Zum erſten Mal konnte die treffliche Einrichtung unſerer Schulküche, die bisher nur der Volkſchule gedient hatte, auch den Untertertien des Oberlyzeums zur Verfügung geſtellt werden, und zwar bildeten wir zwei ſtark beſuchte Abteilungen, die alle 14 Tage an einem Nachmittag in die Hauswirtſchaft und das Kochen eingeführt wurden. Wir wählten die Untertertien, weil dieſe Klaſſen der 1. Volksſchulklaſſe entſprechen, in der der Hauswirtſchaftsunterricht ver⸗ bindlich eingeführt iſt, und weil eben dieſe Klaſſen auf Wegſcheide zu gehen pflegen, wo ihnen hauswirtſchaftliche Kenntniſſe von großem Wert ſind. Wir halten den Hauswirtſchaftsunterricht, ganz abgeſehen von ſeinem Wert für die Erziehung des weiblichen Geſchlechts, auch deshalb für wichtig, weil er erſt die Vorbedingungen ſchafft, für eine erſprießliche Benutzung des Wanderheims und der Jugendherbergen.