Jahrgang 
1913
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III. Zur Geſchichte der Eliſabethenſchule.

Das neue Schuljahr wurde am 15. April mit Aufnahmeprüfungen eröffnet. Nachmittags fand die feierliche Aufnahme der in Klaſſe X eintretenden Kinder in der Aula ſtatt. In ſeiner An⸗ ſprache legte der Direktor den Geleitſpruch zugrunde:Mach' andern Freude, und du wirſt ſehen, daß Freude freut. Am Dienstag, dem 16. April erfolgte die feierliche Eröffnung des Unterrichts; es wurden die in die Klaſſen IX I neu eintretenden Schülerinnen aufgenommen und durch Hand⸗ ſchlag auf die Schulſatzungen verpflichtet. In ihr Amt neu eingeführt wurden Fräulein Oberlehrerin Eliſabeth Delius ¹) und die Hilfslehrerin Fräulein Elſe Oppenheimer. Gleichzeitig wurde die zunächſt private Fortbildungsklaſſe(Frauenſchulklaſſe) eröffnet. Der Anſprache des Direktors lag das Goethewort zugrunde:

Treibet nur alles mit Ernſt und Liebe, die beiden Stehen dem Deutſchen ſo ſchön, den, ach, ſo vieles entſtellt.

Am 10. und 11. Mai wohnten Herr Provinzial⸗Schulrat Profeſſor Dr. Borbein und Herr Stadtrat Dr. Ziehen dem Unterrichte in verſchiedenen Klaſſen bei. Am Nachmittage des 10. Mai leitete der Kgl. Kommiſſar eine Konferenz, in der eine Reihe wichtiger Schulfragen erörtert wurde.

Am Mittwoch, dem 15. Mai unternahmen die Klaſſen XO I gemeinſame Schulausflüge, die zu aller Zufriedenheit fröhlich verliefen.

Anfang Juni wohnten Miß Bell aus Kalifornien und die ruſſiſche Lehrerin Fräulein Dreier, am 3. Juni Fräulein Hermine Bruckner aus Hermannſtadt dem Unterricht in verſchie⸗ denen Klaſſen bei.

Herr Profeſſor Dr. Froning mußte vom 1. bis zum 12. Juli auf ärztlichen Rat beurlaubt werden und eine Badekur gebrauchen.

Herr Profeſſor Florin, der von Anfang Juli an auf ärztlichen Rat beurlaubt war, reichte zum 1. Oktober ſeine Entlaſſung aus dem Schuldienſte ein, um bald darauf eine Pfarrſtelle in Hörſtel in Weſtfalen zu übernehmen. Seine Vertretung erfolgte durch Mitglieder des Kollegiums. Vom 13. Auguſt bis Michaelis übernahm in liebenswürdiger Weiſe der früher an der Anſtalt wirkende, jetzt im Ruheſtande lebende Herr Profeſſor Dr. Rehorn 10 Stunden Unterricht für Herrn Profeſſor Florin. Ihm ſei auch an dieſer Stelle für ſeine gütige und erfolgreiche Unterſtützung herzlich gedankt. In Herrn Profeſſor Florin verlor die Eliſabethenſchule einen treuen und gewiſſenhaften Mitarbeiter, der ſich bei ſeinen Schülerinnen und im Kollegium großer Liebe und Wertſchätzung erfreute. Für ſeine der Schule drei Jahre hindurch geleiſteten tüchtigen und das Geſamtwohl fördernden Dienſte bleibt ihm die Eliſabethenſchule zu dauerndem Dank verpflichtet. Wir wünſchen dem lieben früheren Mitarbeiter in ſeinem Berufskreiſe reiches Glück und reichen Segen.

Am 27. Auguſt hoſpitierte Miß Erneſtine Molwitz von der Waſhington Irving High School New York Ciiy in verſchiedenen Unterrichtsſtunden.

Bei der Sedanfeier am 2. September hielt Herr Oberlehrer Reuter eine friſche und feſſelnde Anſprache, in der er die Perſönlichkeit Liſelottes von der Pfalz den Schülerinnen nahe brachte.

Das Winterhalbjahr wurde am 14. Oktober mit einer Feier in der Aula eröffnet.

Die Weihnachtsfeier der Klaſſen XV fand am 18., die der Klaſſen IV I am 19. Dezember ſtatt. Im Mittelpunkte der letzteren Feier ſtand Weihnachten in der deutſchen Malerei(Lichtbilder mit begleitendem Text von Schülerinnen der Frauenſchulklaſſe) und Weihnachten in Lied und Gedicht.

Bei der Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaiſers hielt zum erſten Male in der Eliſa⸗ bethenſchule eine Dame aus dem Kollegium eine Anſprache: Fräulein Oberlehrerin Delius, die warm und eindrucksvoll von der deutſchen Opferfreudigkeit vor hundert Jahren ſprach und die Jugend

¹) Eliſabeth Delius, geboren am 4. Juni 1873 auf Haus Heibke in Lippe⸗Detmold, evangeliſcher Kon⸗ feſſion, erhielt Privatunterricht im elterlichen Hauſe. Sie legte die Prüfungen als Turn⸗ und Handarbeitslehrerin und ſpäter als wiſſenſchaftliche Lehrerin für höhere und mittlere Schulen in Wolfenbüttel ab. Nachdem ſie 5 Jahre an der ſtädtiſchen höheren Mädchenſchule in Einbeck tätig geweſen war, widmete ſie ſich dem Studium der Erdkunde und des Franzöſiſchen an den Univerſitäten Göttingen und Grenoble. Nach beſtandenem Oberlehrerinnenexamen war ſie am Oberlyzeum in Elberfeld und bis zu ihrem Amtseintritt hierſelbſt am ſtädiſchen Lyzeum in Wittenberge tätig.