Jahrgang 
1890
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Schulnachrichten.

Der Rückblick auf das seinem Ende sich zuneigende Schuljahr ist auch dieses Mal wieder ein im ganzen erfreulicher. Mit Dank müssen wir es anerkennen, daß die Schule von Erschütterungen, wie sie wohl von außen hereinbrechen oder von innen sich entwickeln können, verschont geblieben ist; mit Freuden dürfen wir unserer Jugend es bezeugen, daß sie es sich hat angelegen sein lassen, an guter Zucht und tüchtigem Lerneifer zu wachsen; ebenso sind die Bemühungen des Lehrerkollegiums, den Lehrplan und das Lehrverfahren immer einheitlicher zu gestalten, von wachsendem Erfolge begleitet gewesen.

Das Schuljahr nahm Montag, den 29. April, seinen Anfang mit den vorschriftsmäßigen Prüfungen und der Einführung der neu eintretenden Schülerinnen. Die einfache Schulfeier, in welcher die neuen Schülerinnen meist von ihren Eltern begleitet erscheinen, giebt jedesmal die erwünschte Ver- anlassung nicht nur die Hauptpunkte der Schulordnung zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, sondern insbesondere auch auf die gegeuseitigen Verständigungen hinzuweisen, welche bei dem Auf- treten austeckender Krankheiten von höchster Wichtigkeit sind, damit durch geeignete Vor- kehrungen innerhalb der Schule der Möglichkeit einer Verbreitung thunlichst vorgebeugt werde. Der Schärfe unserer unausgesetzten Aufmerksamkeit glauben wir es zum Teil mit zuschreiben zu dürfen, daß wir von einem Umsichgreifen solcher Epidemien verschont geblieben sind; die Unerbittlichkeit unserer Maßuahmen mag im einzelnen Falle vielleicht als eine Härte em- pfunden werden, ist jedoch für die Sicherung der gesunden Kinder eine unausweichliche Pflicht; unser Gewissen würde mit dem schwersten Vorwurfe belastet werden, wenn durch eine mangel- hafte Vorsicht unsererseits eine Ansteckungsgefahr nicht verhütet worden wäre.

Die Sommerferien dauerten vom 6. Juli bis zum 4. August; die nicht seltenen Über- schreitungen dieser Ferienzeit waren auch diesmal wieder zum Teil nicht gerechtfertigt; sehen wir auch davon ab, im einzeluen Falle hiergegen einzuschreiten, so müssen wir doch die unausbleib- lichen Folgen einer lange andauernden Schulversäumnis unmittelbar erkennen und beklagen; die Zahl der im Herbste nicht versetzbaren Schülerinnen ist regelmäßig größer, als die der im Frühjahr zurückbleibenden.

Als Termin für die diesjährigen Lehrerinnenprüfungen war der 9. September und die folgenden Tage durch Verfügung der Staatsbehörde bestimmt worden. Nachdem die vorschrifts- mäßigen schriftlichen Arbeiten im voraus angefertigt worden waren und zufriedenstellende Resultate ergeben hatten, wurde am 9. September mit den mündlichen Prüfungen unter dem Vorsitze des Königlichen Kommissarius, Herrn Provinzial-Schulrat Kannegießer, begonnen.