21 sie seit Jahrzehnten sich erfreut, möchten erhalten bleiben. So gewits ein von warmem Inter- esse beseelter Freundeskreis ein unschätzbares Gut sei in guten wie in bösen Tagen, so stetig müsse dessen Vertrauen täglich aufs neue errungen werden; auch einen vorübergehenden Schatten ertrage diese Wärme der Beziehung nicht; also gelte es nach wie vor mit Eifer zu schaffen und mit Besonnenheit zu wachen. 3
Um 11 Uhr wurden sodann die neuaufgenommenen Schülerinnen nach Brauch und Her- kommen in der Aula feierlich pegrüßt und in die Schule eingeführt. Nachmittags um 2 Uhr begann der regelmäßige Unterricht.
Auch im Laufe dieses Schuljahrs wurde die Schule wiederholt pesucht.
Am 9. August nahm Herr Andreas Rungger, k. k. Professor am Offizierstöchter- Erziehungsinstitut zu Hernals bei Wien eingehend Kenntniß von dem Lehrplan und der Ein- richtung der Schule und des Seminars.
Noch eingehender inspicirte Herr Pfarrer Werbatus, Vorsteher einer Töchterschule in Riga die verschiedenen Klassen der Schule und des Seminars in den Tagen vom 19.—23. August.
Herr Director Krummacher von Cassel besuchte am 4. Dezember einige Klassen.
Am 22. März, dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, wird Herr Dr. Böcker die Festrede halten.
Das Schuljahr schließtt Samstag den 9. April, nachdem an den letzten beiden Tagen die öffentliche Prüfung in gewohnter Weise abgehalten sein wird.
3. Der Gesundheitszustand und sein Einfluss auf die Regelmässigkeit des Unterrichts. Wechsel in der Zusammensetzung des Lehrercollegiums.
Der Sommer brachte eine grosse Zahl von Störungen, welche meist durch Unwohlsein innerhalb des Lehrercollegiums veranlaßt waren. Insbesondere war Fräulein v. Holbach in der Zeit von Mitte Mai bis zu den Sommerferien durch Krankheit von der Schule gänzlich fern- gehalten. Während der großen Ferien erkrankte unsere jüngste Collegin, Frl. A. Eiselen in heftiger Weise. Als der Unterricht wieder begann, setzte sie noch eine Woche aus, gab dann ihre Stunden teilweise; bald jedoch übernahm sie die ganze Last ihrer Schularbeit wieder, für ihre geschwächten Kräfte noch zu früh. Sie trug dieselbe mit Ueberwindung; doch schon vor Beginn der Herbstferien mußte sie abermals resigniren. Statt daß ihre Lebenskraft in der Ferienruhe sich etwas erholt hätte, stieg der Zustand ihrer Erschöpfung bald in besorgniß- erregender Weise; andere Krankheitserscheinungen kamen dazu, und die Gewißheit trat immer deutlicher zu Tage, daß die Leidende ihrer Auflösung entgegen ging. Am 20. October machte ein rascher Tod ihren Leiden ein Ende, und am 23., in stiller Sonntagmorgenstunde, petteten wir sie in die kühle Erde. Das Kollegium verlor in ihr eine liebe Genossin und petrauert mit der tiefgebeugten Familie das Hinscheiden einer jungfräulichen Natur voll kindlicher Reinheit.
Auch eine treffliche Schülerin der Ia. Klasse, Ella Quentin, wurde uns durch den Tod entrissen. Monate lang war sie durch hoffnungslose Leiden schwer heimgesucht. Am Morgen des 16. Juni wurde sie unter dem Geleite ihrer Lehrer und Mitschülerinnen zu Grabe getragen. Auch ihr folgt die herzlichste Teilnahme als dem vielversprechenden letzten Kinde ihrer verwitweten Mutter.


