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ist, daß der wahrhaft Gebildete also auch wahrhaft religiös sein müsse. Auf diesen Wegen dürfen wir hoffen, sie von dem Haschen nach Beifall uns abhängig zu machen, bei aller Bescheiden- heit das Bewußtsein des eigenen Wertes die persönliche Mhrenhaftigbeit, als letztentscheidende Instanz anzuerkennen. So erziehen wir sie zum Pflichtgefühl, das auch im Kleinen treu sich zu erweisen strebt, und zur Wahrhaftigkeit, die mit sich selbst schärfer ins Gericht geht wie mit Anderen. Sagen wir es mit einem Wort: wir erziehen in ihnen den Charakter, das Unteilbare und Unwandelbare, das heute ist, wie es gestern war und morgen sein wird, die Zuverlässigkeit der Gesinnung und die Konsequenz des Willens, die einzige Grundlage einer wahren Freund- schaft, die nie versiegende Quelle der Kraft, welche Liebe weckt und Liebe spendet. Ist das nur Mannestugend? beruht nicht gerade der Adel und die Würde der weiblichen Natur in der Tugend, fest und milde zugleich zu sein? Woher empfängt sie die Fähigkeit, Maß zu halten in den Tagen des Sonnenscheins und nicht erdrückt zu werden in den Zeiten der Sorge? Wer spendet ihr die bewundernswerte Ausdauer in der Selbstlosigkeit, welche wächst mit den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, wenn nicht die Charaktertüchtigkeit des religiösen Pflichtbewußtseins?
Sie werden mit uns der Ueberzeugung sein, daß wir hier an dem Punkte angekommen sind, welcher alle Strahlen des Unterrichts in sich vereinigen soll, also den einzigen Brennpunkt unserer ganzen Arbeit bilden muß. Diese ja nur flüchtig gezogenen Grenzlinien werden das Gebiet doch hinreichend genau bestimmen, um uns Ihrer Beipflichtung zu versichern, wenn Sie auch unseren vorausgegangenen Hrörterungen in einzelnen Punkten nicht ohne nähere Ver- ständigung beizutreten vermöchten.
Der Verbesserungsfähigkeit unseres Wirkens sind wir uns wohl bewußt; schenken Sie uns darum auch fernerhin das Vertrauen, daß wir unausgesetzt darauf bedacht sein werden, das erkannte Mangelhafte durch das bewährte Bessere zu ersetzen, und daß wir zu jeder Zeit für guten Rat und Beihülfe uns zugünglich und dankbar finden lassen wollen.
Wird es uns gelingen, auch fortan in dem Freundeskreise unserer Schule das lebendige Interesse an dem Gedeihen unserer Arbeit rege zu erhalten, so werden wir darin nicht nur die erwünschteste Bestätigung erblicken, daß unsere Bestrebungen auf dem rechten Wege sich befinden, sondern wir gewinnen auch die Zuversicht, daß es uns gelingen wird, die schon vorhandenen Spannungen oder noch entstehenden Differenzen in einer für Sie wie uns gleich befriedigenden Weise auszugleichen.
Lassen Sie darum unser Werk aufs neue Ihrer warmen Teilnahme anempfohlen sein.
Elisabethenschule 1882. 3


