Jahrgang 
1880
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Den Herrn Reichskanzler habe ich gleichzeitig ersucht, die Anstalt in das Verzeichnis der zur Ausstellung von Zeugnissen über die wissenschaftliche Be- fähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigten höheren Schulen unter B, b aufzunehmen. I. A. An das Königl. Prov.-Schul- gez. Greif. kollegium zu Kassel. Kassel, 19. Mai 1979. S. 2345. Abschrift zur Kenntnisnahme auf den Bericht vom 4. v. M. A. 18. An den Direktor der Realschule Königl. Provinzial-Schul-Kollegium zu Bockenheim. v. Ende.

Gleichzeitig konnte zweien Unterprimanern, welche nicht die Absicht hatten, den ganzen Kursus der Schule zu vollenden, das einfache Reifezeugnis für den einjährig- frei- willigen Dienst erteilt werden.

Wegen der Pfnngstfeiertage fiel der Unterricht vom 1. bis 4. Juni aus.

Der 11. Juni, der Tag der goldenen Hochzeit unseres erhabenen Kaiserpaares, wurde durch einen Ausflug der Realklassen nach Kronberg und auf den Feldberg ausgezeichnet, nachdem am Tage vorher sämtliche Schüler von ihren Ordinarien in den Klassen auf die Bedeutung des Tages aufmerksam gemacht worden waren. Gegen 7 Uhr morgens er- folgte der gemeinsame Abmarsch vom Schulgebäude aus nach Rödelheim, von wo Kron- berg per Bahn um 8 Uhr erreicht wurde. Der Himmel war bis dahin wenig versprechend bezüglich des Wetters gewesen; aber gegen 10 Uhr stellte sich die Gewissheit eines prächtigen Tages ein. Die Nebel zerstreuten sich; ein Gipfel des Gebirges nach dem andern wurde frei, und bald lag der ganze Taunus in voller Klarheit da. Von Kron- berg wanderte die muntere Schülerschaar unter lustigen Weisen über Königstein dem Feldberg zu, auf dessen Gipfel angekommen sie reichlich durch prächtige Fernsicht für die Mühe des Aufsteigens entschädigt wurde. Um 4 Uhr nachmittags vereinigten sich Lehrer und Schüler zu einem einfachen Mahle in der Germania zu Kronberg, und bei dieser Gelegenheit wurde in kurzer Rede des erhabenen Kaiserpaares gedacht, dem dieser Jubeltag galt, des fürstlichen lorbeerumwundenen Hauptes, das sich an demselben auch noch mit dem goldenen Myrtenkranz schmücken durfte der hohen Fürstin, welche bis jetzt und 50 Jahre lang so treulich in guten und schlimmen Tagen ihrem kaiserlichen Gemahl zur Seite gestanden hat. Als abends 9 Uhr die Realschüler ohne jeglichen unangenehmen Zwischenfall ihre Vaterstadt wieder erreicht hatten, durften sie sich sagen, dass sie in schönerer und würdigerer Weise diesen Tag kaum hätten feiern können.

Die Sommerferien fielen in die Zeit vom 7. Juli bis 2. August.

Unter dem 1. August wurde dem ord. Lehrer der Realschule, Herrn Sonntag, auf Grund seiner Inaugural-Dissertation:Ueber die Bewegung eines materiellen Punktes auf der Fläche eines Rotationsparaboloids von der philosophischen Fakultät zu Marburg die Doktorwürde verliehen.

Mit dem 1. August verlieſs sodann der Lehrer der Vorschule, Herr H. Schmidt, nach siebenjähriger, ersprieſslicher Wirksamkeit die Anstalt, um eine Stelle im Frankfurter Schulorganismus zu übernehmen. Für ihn trat Herr Rudolf Bautz, zuletzt Lehrer in Kronberg, ein. Demselben wurde zugleich der Gesangunterricht in den Realklassen, welcher bisher von Herrn J. Heintz, Lehrer der hiesigen Volksschule, erteilt worden war, übertragen.

Im Monate August veranstalteten die Schüler der Realklassen unter sich eine Kollekte zum Besten des National-Denkmals auf dem Niederwald, welche ein Ergebnis von M. 36.20 hatte. Diese Summe wurde von dem Direktor dem geschäftsführenden Ausschuss des Comités für dieses Denkmal übermittelt.