Jahrgang 
1930
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Bericht über den Jahresplan und die daraus hervorgegangenen Arbeits-

formen und Arbeitsleistungen der Klasse Ulb. (Kl.-Leiter S.-A. Halin)

Der Leitgedanke für die Jahresarbeit der Klasse war in der Formel ausgedrückt: Die Lösung des Menschen von den mittelalterlichen Bindungen und die Entstehung der modernen Persönlichkeit. Eine Reihe sich daraus ergebender Einzelaufgaben (Betrachtung der Renaissance, Reformation, Gegenreformation, des Zeitalters Lud. XIV., des Barock, des Zeitalters der Aufklärung, der französischen Revolution) wurden von den kulturkundlichen Fächern gemeinsam oder gruppenweise arbeitsteilig gelöst. Die fremdsprachliche Lektüre diente z. T. dazu, den von den eigentlichen kulturkundlichen Fächern erarbeiteten Querschnitt durch eine Epoche zu verbreitern; so besonders die Behandlung Shakespears im Englischen für die Renaissance, die Behandlung der fran- zösischen klassischen Literatur und Kunst, Rousseaus, Montesquieus und der französischen Revolution im Französischen für die Kultur der betr. Epochen. Bei der Problem- stellung in den einzelnen Fächern wurden die Ergebnisse anderer Fächer, die zu Vergleichen und zur Vertiefung der Betrachtung dienen konnten, herangezogen. So wurde z. B. die Wertung der französischen Klassik durch Taine und das französische Drama eines Corneille und Racine dem Drama Shakespeare's und seiner gegensätzlichen Wertung durch Lessing gegenübergestellt. Der für manche Epochen, vor allem Renaissance und Barock, so bedeutsamen Kunstbetrachtung wurde besonderes Augen- merk geschenkt. Deutsch, Geschichte und Kunstunterricht arbeiteten hier besonders eng zusammen. Eine 5 tätige Studienfahrt der Klasse nach Heidelberg und Würz- burg, die zugleich geographische und geschichtliche Einzel- und Gesamtaufgaben stellte, diente im wesentlichen der Betrachtung der dortigen Kunstdenkmäler der Renaissance bzw. des Barock im Zusammenhang mit der Betrachtung der entsprechen- den kulturgeschichtlichen Epochen im Klassenunterricht. Die Ergebnisse dieser Studienfahrt wurden in Deutsch und Geschichte von den beiden Fachlehrern gemein- sam in Form von Schülervorträgen, Vorführungen am Epidiaskop, Aufsätzen usw. ausgewertet. Ein von den Schülern der Klasse gemeinsam auszustattendes Fahrten- buch soll Eindrücke und Erlebnisse dieser Studienfahrt festhalten. Staatsbürgerkundliche Belehrung und Erziehung wurden von allen Fächern erstrebt; besonders der Geschichts- unterricht war darauf angelegt, überall dem Verständnisse für den Staat der Gegenwart vorzuarbeiten. Bei der Behandlung der Aufklärung und der französischen Revolution vor allem wurde im Geschichtsunterricht und im Französischen, daß hier gewissermaßen die Quellenlektüre übernahm, die Macht der Idee auf politischem Gebiete und die Ablösung des Absolutismus und des mittelalterlichen Feudalstaates durch das Zeitalter der Republik und der modernen Demokratie aufgezeigt..