Jahrgang 
1900
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Das neue Schuljahr 1890/1900 wurde am 11. April von dem Unterzeichneten er- öffnet, der, vom Kuratorium zum Leiter der Anstalt gewählt, durch Verfügung des König- lichen Provinzial-Schulkollegiums vom 25. März mit der Versehung der Direktoratsgeschäfte betraut war.

Am 1. Mai trat Herr Ottomar Grasshof, bis dahin als wissenschaftlicher Hülfs- lehrer an dem in der Umwandlung in eine Realschule begriffenen Gymnasium zu Seehausen i. Altm. thätig, in das Lehrerkollegium ein.

Nachdem die Wahl des Unterzeichneten zum Direktor der Anstalt unter dem 1. Mai 1890 die Allerhöchste Bestätigung Seiner Majestät des Kaisers und Königs erhalten hatte, wurde er am 30. Mai von dem K9l. Provinzial-Schulrat Herrn Dr. Paehler vor der ganzen Schulgemeinde in Gegenwart des Kuratoriums, der Vertreter des geistlichen Ministeriums und der städtischen Behörden, sowie zahlreicher Freunde der Anstalt feierlich in sein Amteingeführt. In herzlichen Worten, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machten, wies der Herr Provinzial-Schulrat den neuen Direktor auf die Schwere seines Berufes hin, be- zeichnete es als seine Hauptaufgabe, in dem Widerstreit der verschiedenen Ansichten und Methoden des Lehrkörpers vermittelnd und einigend zu wirken, und überreichte ihm die Bestallungsurkunde. Nach den nicht minder herzlichen Beglückwünschungen durch den Königlichen Landrat Herrn v. Keudell im Namen des Kuratoriums, durch den Herrn Superintendenten Wolff im Namen des geistlichen Ministeriums der Stadt Eschwege, durch den Herrn Bürgermeister Vocke im Namen der städtischen Behörden und durch den Herrn Professor Dr. Pontani im Namen des Lehrerkollegiums dankte der Direktor in seiner Antrittsrede allen für das Vertrauen, das man in ihn gesetzt, für die Liebe und Teilnahme, die er gefunden, und versprach, alle seine Kräfte in den Dienst der Friedrich- Wilhelms-Schule zu stellen, dass sie das bleibe, was sie seit ihrem Entstehen gewesen, eine Pflanzstätte der Gottesfurcht, Vaterlandsliebe und Bürgertugend, damit sie Ehre mache in gleicher Weise der Stadt, die schwere Opfer willig für sie darbringt, und dem teuren Namen, den sie führen darf.

Edward Stendell, geb. am 24. Februar 1854 zu Lübben i. d. Niederlausitz, ev. Konf., studierte, auf dem Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Berlin vorgebildet, von Ostern 1872 bis Ostern 1876 in Berlin hauptsächlich Ge- schichte und alte Sprachen. Seitdem in Berlin in Privatstellungen und in seiner Vaterstadt vertretungsweise als Lehrer an der Realschule thätig, bestand er Ende 1878 in Berlin die Staatsprüfung und wurde Ostern 1879 an die hiesige Anstalt zur Ableistung seines Probejahrs und gleichzeitiger Versehung einer ordentlichen Lehrerstelle berufen. Durch Reskript des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 7. Dezember 1881 wurde er als ordentlicher Lehrer bestätigt. Seine Ernennung zum Oberlehrer erfolgte bei Gelegenheit der Jubelfeier der Friedrich-Wilhelms-Schule am 27. Sep- tember 1890. Im Druck erschienen von ihm: 1) UÜber die Ganerbschaften des deutschen Mittelalters(Progr. 1880); 2) Die Familien der ehemaligen Reichsritterschaft, I. Teil(Progr. 1887); 3) Geschichte der Friedrich-Wilhelms- Schule 1840 1800(in der Festschrift zur 5Ojährigen Gedenkfeier des Bestehens der Anstalt); 4) Beiträge zur Ge- schichte der in der Umgegend der Stadt Eschwege ehemals angesessenen niederadligen Geschlechter(Eschwege, 1892).

Am 20. und 21. Juni fand die Turnfahrt statt. Die beiden Sekunden wählten unter Führung des Direktors und des Herrn Oberlehrers Dr. Garthe den dharz (Stolberg, Josephshöhe) und den Kyffhäuser(Denkmal, Barbarossahöhle, Rothenburg) als Ziel. Das Nachtlager wurde in Rossla aufgeschlagen. Das in jeder Beziehung vor- zügliche Gelingen der Fahrt hatten wir dem liebenswürdigen, echt kollegialen Entgegen- kommen des Herrn Direktors Dr. Stremme in Rossla zu danken. Die übrigen Klassen unternahmen ihren Ausflug am 20. Juni, und zwar die Realobertertia unter Leitung des