Jahrgang 
1911
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Am 1. Juli beging das Gymnaſium die Gedächtnisfeier des 100jährigen Todestages der Königin Luiſe. Profeſſor Noll feierte in einer Rede die Verdienſte der edlen Fürſtin. Mit dieſem Tage begannen die Sommerferien, die bis zum 2. Auguſt dauerten.

Der Sedantag wurde in der Weiſe begangen, daß am Morgen ein Schauturnen und am Nachmittage am Kurhauſe eine geſellige Zuſammenkunft ſtattfand, die einen ſchönen und würdigen Verlauf nahm. Der Direktor gedachte in einer Anſprache der Bedeutung des Tages.

Laut Verfügung S. 10877 vom 12. Juli wurde Oberlehrer Bellgard zum Profeſſor ernannt und laut Verfügung S. 13224 vom 1. September ihm der Rang der Räte 4. Klaſſe verliehen.

Die Herbſtferien dauerten vom 24 September bis 10. Oktober, die Weihnachtsferien vom 20. Dezember 1910 bis 4. Januar 1911. Am 12. Oktober beehrte der an Stelle des nach Berlin berufenen Herrn Provinzial-Schulrats Dr. Waßner ernannte Herr Provinzial⸗Schulrat Kanzow die Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei.

Am 3. Dezember fand ein aus Stadt und Umgegend gut beſuchter muſikaliſcher Abend, den der Muſikverein des Gymnaſiums veranſtaltete, im Kurhauſe ſtatt, der ſehr angenehm verlief. In ſehr dankenswerter Weiſe ſtellte der Muſikverein von dem Reingewinn dem Gymnaſium die Summe von 70 Mark zur Anſchaffung einer Kaiſerbüſte zur Verfügung. Die neue Büſte aus Marmorguß, die eine würdige Zierde unſerer Aula bildet, wurde am Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs feierlich enthüllt und dem Gymnaſium übergeben. Die Feſtrede hielt an dieſem Tage Prof. Bellgard über die Entwickelung der deutſchen Oſtmarken. Das Spießſtipendium wurde an demſelben Tage dem Oberprimaner Fritz Schucht verliehen. Drei von Sr. Majeſtät als Prämien geſchenkte Werke: WislicenusDeutſchlands Seemacht, BohrdtDeutſche Schiffahrt undMarine⸗Album wurden den Oberprimanern Karl Endemann, Ernſt Diehl und Ludwig Neuendorff zugeſprochen.

Dank der Fürſorge des Königl. Provinzial⸗Schulkolligums iſt ſeit September unſer phyſikaliſches Kabinett mit der neu eingerichteten ſtädtiſchen elektriſchen Leitung in Verbindung geſetzt worden; auf Grund dieſer neuen Einrichtung hat das wichtige Gebiet der elektriſchen Verſuche eine erhebliche Förderung erfahren.

Zum Rodeln und Schlittſchuhlaufen fiel an 2 Nachmittagen der Unterricht aus.

Die ſchriftliche Prüfung der 15 Abiturienten fand vom 30. Januar bis 3. Februar ſtatt; die mündliche Reifeprüfung unter Vorſitz des Herrn Provinzial⸗Schulrats Kanzow am 17. März. 14 Abi⸗ turienten beſtanden, 8 unter ihnen wurden von der mündlichen Prüfung befreit.

Die Abiturienten wurden am 20. März von dem Direktor entlaſſen.

Da in den Etat 90 000 Mk. für den Neubau des Gymnaſiums als erſte Rate eingeſtellt ſind, ſo beſteht die Hoffnung, daß dieſer im Laufe des Frühjahres begonnen wird.

Am 1. Oktober vollendete Kandidat N. Krämer ſein Probejahr, verblieb aber als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer an unſerer Anſtalt. Da er vorausſichtlich dieſe am 1. April verlaſſen wird, ſpreche ich ihm, wie auch dem ſcheidenden wiſſenſchaftlichen Hilfslehrer Weis für die geleiſteten Dienſte im Namen des Gymnaſiums herzlichen Dank aus.

Am 20. März unterzog Herr Generalvikar Hilpiſch aus Limburg den katholiſchen Religionsunterricht einer Reviſion.

Am 1. April tritt Herr Profeſſor Kegel auf ſein Anſuchen in den Ruheſtand(Verfügung S. 17753 vom 3. Dezember 1910). Er hat der höheren Schule 43 ½ Jahre ſeine Dienſte gewidmet und an unſerer Anſtalt ein gewiß ſehr ſeltener Fall nicht weniger als 40 Jahre gewirkt. Er iſt mit der Anſtalt wie kaum je ein anderer Lehrer auf das innigſte verwachſen, hat, mit reichen wiſſenſchaftlichen Kenntniſſen ausgeſtattet, lange Jahre die Bibliothek mit Einſicht und Geſchick ver⸗ waltet, hat wiederholt längere Zeit mit gewiſſenhafter Treue die Direktorſtelle verſehen und wurde im Jahre 1908 von Sr. Majeſtät mit dem Roten Adlerorden IV. Klaſſe ausgezeichnet. Ich danke im Namen des Gymnaſiums Herrn Profeſſor Kegel für die in dem langen Zeitraume erwieſenen treuen Dienſte, für ſeine ſelbſtloſe Hingabe an die Pflichten ſeines Amtes, für die unverdroſſene Berufsfreudigkeit, die er in ſtets gleichem Maße bewieſen hat. Wir wünſchen dem verdienten, nun⸗ mehr ſcheidenden Herrn Kollegen, der ſich wegen ſeines lauteren Charakters allgemeiner Hochachtung erfreut, ein frohes und geſundes Alter, ein recht langes und ungetrübtes Otium cum dignitate.