Jahrgang 
1906
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§ 6. Inwiefern auf außergewöhnliche Verhältniſſe, die ſich hemmend bei der Entwicklung eines Schülers geltend machen, z. B. längere Krankheit und Anſtaltswechſel innerhalb des Schuljahres, bei der Verſetzung Rückſicht zu nehmen iſt, bleibt dem pflichtmäßigen Ermeſſen des Direktors und der Lehrer überlaſſen.

§ 7. Zu den Beratungen über die Verſetzungen der Schüler treten die Lehrer klaſſen weiſe unter dem Vorſitz des Direktors zuſammen. Der Ordinarius ſchlägt vor, welche Schüler zu verſetzen, welche zurückzuhalten ſind; die übrigen Lehrer der Klaſſe geben ihr Urteil ab, für welches jedoch immer die Geſamtheit der Unterlagen maßgebend ſein muß. Ergibt ſich über die Frage der Verſetzung oder Nichtverſetzung eine Meinungsverſchiedenheit unter den an der Konferenz teilnehmenden Lehrern, ſo bleibt es dem Direktor überlaſſen, nach der Lage des Falles entweder ſelbſt zu entſcheiden, oder die Sache dem Königlichen Provinzial⸗Schulkollegium zur Entſcheidung vorzutragen.

§ S8. Solche Schüler, denen auch nach zweijährigem Aufenthalt in derſelben Klaſſe die Verſetzung nicht hat zugeſtanden werden können, haben die Anſtalt zu verlaſſen, wenn nach dem einmütigen Urteil ihrer Lehrer und des Direktors ein längeres Verweilen auf ihr nutzlos ſein würde. Doch iſt es für eine derartige, nicht als Strafe anzuſehende Maßnahme erforderlich, daß den Eltern oder deren Stellvertretern mindeſtens ein Vierteljahr zuvor eine darauf bezüg liche Nachricht gegeben worden iſt.

§ 9. Solche Schüler, welche, ohne in die nächſthöhere Klaſſe verſetzt zu ſein, die Schule verlaſſen haben, dürfen vor Ablauf eines Semeſters in eine höhere Klaſſe nicht aufgenommen werden, als das beizubringende Abgangszeugnis ausſpricht. Bei der Aufnahmeprüfung iſt als⸗ dann nicht nur der anfängliche Standpunkt der neuen Klaſſe, ſondern auch das zur Zeit der Prüfung bereits erledigte Penſum derſelben maßgebend. Erfolgt die erneute Anmeldung bei der⸗ ſelben Anſtalt, welche der Schüler verlaſſen hat, ſo iſt vor der Aufnahmeprüfung unter Darlegung der beſonderen Verhältniſſe die Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums einzuholen.

§ 10. Dieſe Beſtimmungen treten mit dem 1. Januar 1902 in Kraft. Mit demſelben Tage verlieren alle Anordnungen, nach welchen bis dahin bei der Verſetzung in den verſchiedenen Provinzen zu verfahren war, ihre Geltung.

5. Mit Genehmigung des Herrn Unterrichtsminiſters iſt von Oſtern 1903 ab an der Anſtalt neben dem Griechiſchen ein Erſatz-Unterricht eingerichtet worden. Dieſe Einrichtung beſteht darin, daß für die Schüler der Klaſſen IIIB, IIIA und IIB, die entſchloſſen ſind, nach Erlangung der wiſſenſchaft lichen Befähigung für den einjährigen Militärdienſt die Anſtalt zu verlaſſen, um ſich einem praktiſchen Berufe zu widmen, oder die Abſicht haben, auf ein Realgymnaſium oder eine Oberrealſchule über⸗ zugehen, an die Stelle des Griechiſchen: Unterricht in Engliſch, Franzöſiſch, Mathematik bezw. Natur⸗ wiſſenſchaft tritt. Von den verfügbaren 6 Wochenſtunden fallen in allen drei Klaſſen je 3 dem Engliſchen zu; von den übrigen Stunden kommen in IIIB und IIIA je 2 auf Franzöſiſch und je 1 auf Rechnen und Mathematik, dagegen in IIB nur 1 auf Franzöſiſch und 2 auf Mathematik und Natur⸗ wiſſenſchaften. Ich nehme Veranlaſſung, von neuem nachdrücklichſt hinzuweiſen auf die große Wichtigkeit dieſer Einrichtung für die Schüler, die ſich nach Abſolvierung der IIB einem praktiſchen Berufe zuzuwenden beabſichtigen, da ſie von den Eltern leider zu wenig erkannt wird. Die Furcht vor der für die Verſetzung nach Ila angeordneten Schlußprüfung iſt tatſächlich in keiner Weiſe berechtigt, da die Anforderungen an die Leiſtungen dieſer Schüler durchaus nicht die überſteigen, denen auch die übrigen Schüler der Klaſſe, um nach IIA verſetzt zu werden, gerecht werden müſſen. Im Intereſſe der betr. Schüler ſelbſt iſt dringend zu empfehlen, daß ſich im neuen Schuljahre von den jetzt zur Verſetzung nach IIIB gelangenden Schülern eine größere Anzahl als bisher für dieſen Erſatzunterricht entſcheide.

6. Das neue Schuljahr beginnt Montag, den 23. April, vormittags 8 Uhr, mit der Auf⸗ nahmeprüfung, zu welcher der Direktor ſchriftliche oder mündliche Anmeldungen bis zum Samstag, den 21. April entgegennimmt. Der Meldung ſind beizufügen 1. ein Geburtsſchein, 2. ein Impf⸗ ſchein(evtl. bezügl. der Wiederimpfung), 3. ein Abgangszeugnis von der zuletzt beſuchten Lehranſtalt.