Bericht
über
das Schuljahr von Ostern 1881 bis Ostern 1882.
I. Lehrverfassung. A. Ubersicht der Unterrichtsgegenstände.
Prima.
Ordinarius: Gymnasialdirektor Professor Spieß.
Religion(wöchentlich 2 St.) a. evangelische. Lektüre und Erklärung des Römerbriefs. Cursorische Lektüre des 1. Corintherbriefs, des Hebräerbriefs und ausgewählter Stücke aus dem Evangelium und der Offenb. Johannis. Schreiner, Pfarrer.
b. katholische. Allgemeine und besondere Sittenlehre; Erklärung und Lektüre des Römerbriefes; Kirchengeschichte der Völker germanischer Bildung bis zum fünfzehnten Jahr- hundert(wöchentlich 2 St. mit II kombiniert). Bölke, Pfarrer.
Deutsch.(3 St.) Lektüre: Lessings Dramaturgie mit Auswahl; Göthes Iphigenie. Freie Vorträge und Aufsätze*).(1 St.)
Literaturgeschichte: Übersicht der neuen Literaturgeschichte; die ältere bis zur Reformation.(1 St).
Philosophische Propädeutik: Psychologie nach Rumpel.— Kurzgefasste Poetik. (1 St). Spieß.
*) Die Themata der Aufsätze waren: 1) Gedankengang von Schillers Rede: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? 2) Mit welchem Rechte nennt man Lessings„Minna von Barnhelm“ ein nationales Lustspiel? 3) Ringe, Deutscher, nach römischer Kraft und griechischer Schönheit. Beides gelang dir, doch nie glückte der gallische Sprung. 4) Verbunden werden auch die Schwachen mächtig, der Starke ist am mächtigsten allein(Klassenarbeit). 5) Uber die Einheit der Handlung in Schillers„Wallenstein.“ 6) Worauf beruhte die schlagartige Wirkung von Göthes„Götz“ bei seinem Erscheinen? 7) Drum soll der Sänger mit dem König gehen, sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen. 8) Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Christen Schmuck. (Klassenarbeit). 9) Wo zeigt sich das Christlich-Germanische in Göthes Iphigenie? 10) Die Schlosslinde zu Dillen-
burg, metrische Übung in Distichen. 1


