Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

15

Hartmann Menz, geboren am 17. April 1879 zu Rennertehausen, Kreis Biedenkopf, erhielt Ostern 1899 das Reifezeugnis am Kgl. Gymnasium zu Wetzlar. Er studierte Geschichte, Erdkunde und Fran- zösisch an den Universitäten zu Giessen. Bonn. Paris und Marburg. Hier bestand er am 26. Februar 1910 die Staatsprüfung, nachdem er bereits am 7. März 1908 promoviert hatte. Sein Seminarjahr leistete er an dem Kgl. Gymnasium zu Wiesbaden ab; zur Ableistung des Probejahres war er unserer Anstalt überwiesen und hat jetzt das Zeugnis der Anstellungsfähigkeit erworben.

Am 21. April verschied der zu Wiesbaden im Ruhestande lebende frühere Leiter der Real- schule, Herr Direktor Prof. Held. Er hat von 1870 bis 1907 mit vielem Erfolge an unserer Schule gewirkt und sie seit 1895 mit grosser Umsicht geleitet. Ein Nachruf erschien in der Wiesbadener Zeitung sowie in den hiesigen Blättern, ferner wurde von dem Kollegium ein Krapz auf seinem Grabe niedergelegt.

Herr Pfarrer Bender, den längeres Kranksein von der Schule fernhielt, wurde im letaten Vierteljahr urch Herrn Vikar Schmidt vertreten.

Sonstige Vertretungen von kürzerer Dauer erledigten sich innerbalb des Lehrerkollegiums.

Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen ein günstiger zu nennen. Leider hatten wir aber den Tod zweier Schüler zu beklagen. Der Sekundaner Alfred Werner und der Vor- schüler Wilhelm Kruft, beide von Diez, wurden allzufrüh ihren Eltern und Lehrern und dem Kreise ihrer Kameraden durch tückische Krankheiten entrissen. Die Schule wird sie stets in liebender Er- innerung behalten.

Am 27. Juni unternahmen die einzelnen Klassen Ausflüge in die nähere und weitere Um- gebung. Die Prima ging von Braubach den Rheinhöhenweg nach Bornhofen und fuhr über Camp, Boppard, Oberlahnstein zurück; die Sekunda wanderte über Holzhausen, Nastätten nach St. Goars- hausen; die Tertia von Michelbach nach Hohenstein und von der Eisernen Hand nach Langeuschwal- bach; die Quarta zog von Ems über Arenberg nach Coblenz, die Quinta von Ems nach Braubach; die Sexta besuchte Obernhof und das Jammertal, die Vorschule den Goethepunkt.

Die Pfingstferien dauerten vom 2. bis 13. Juni, die Sommerferien vom 21. Juli bis 22. August, die Herbstferien vom 7. bis 19. Oktober und die Weihnachtsferien vom 21. Dezember bis 4. Januar 1912.

Infolge der grossen sommerlichen Hitze musste der Unterricht an einer ganzen Reihe von Nachmittagen ausgesetzt werden.

Am 2. September versammelte sich die Schule zur Erinnerungsfeier der Schlacht von Sedan. Herr Oberlehrer Dr. Gehler hielt die Ansprache; nachher wurde klassenweise das Manö vergelände be- sucht. Auch am 19. September fiel der Unterricht aus, um den Schülern Gelegenheit zu geben, das in der Nähe stattfindende Korpsmanöver zu sehen.

Am 30. September gedachte man im Unterricht der 100. Wiederkehr des Geburtstages der ersten deutschen Kaiserin. Der 24. Januar 1912 brachte den 200. Geburtstag Friedrichs des Grossen. Die Feier dieses Tages wurde mit der des Geburtstages Seiner Majestät verbunden und am 26. Januar nachm. in unserer Turnhalle begangen. Der Bedeutung des Tages entsprechend, verherrlichten Lieder und Deklamationen vorzugsweise den grossen Preussenkönig; die Festrede des Herrn Oberlehrers Kämpfer entwarf ein Bild dieses Fürsten und seiner Zeit. Nach dem Kaiserhoch übergab der Direktor dem Primaner Meister als Prämie das Werk von Wislicenus:Deutschland zur See; 15 Bändchen, die Friedrich den Grossen behandelten, erhielten würdige Schüler aus allen Klassen.

Vom 29. Februar bis 2. März fertigte die Prima ihre schriftlichen Prüfungsarbeiten an. Am 15. März war die mündliche Schlussprüfung, zum Kgl. Kommissar war der Direktor bestellt. Es be- standen 23 Prüflinge, 11 von ihnen unter Befreiung vom Münadlichen.

Die im letzten Jahresbericht angekündigte Umwandlung der Direktorwohnung in Schulräume