und raſche Tod dieſes ſtrebſamen jungen Mannes, der zu ſchönen Hoffnungen berechtigte, erweckte all⸗ gemein Bedauern und tiefes Mitgefühl mit den betroffenen Angehörigen. Noch kurz zuvor hatte er frohgemut an einer Wanderung teilgenommen, die mehrere Schüler der Primen unter der Leitung des Studienrates Dr. Herweck zu den ſchönſten Punkten des Thüringerwaldes geführt hatte. Von ihrem gaſtlichen Standquartier in Bad⸗Blankenburg aus konnten ſie die hiſtoriſch bedeutſame Wartburg und Eiſenach, die romantiſche Drachenſchlucht, das herrliche Schwarzatal und die Tropfſteinhöhlen von Saalfeld beſuchen. Ebenſo hatten ſie Gelegenheit, die Lehnſtener Schieferbrüche, die Heimarbeit in der Glas⸗ induſtrie, wie auch die„Alteſte Volkſtedter Porzellanfabrik“ und ihren Betrieb kennen zu lernen. Schließlich ſtatteten ſie noch den Städten Jena und Weimar ihren Beſuch ab.
Zu Beginn des Schuljahres war man hier bei einem Neubau in der Minnefelderſeeſtraße auf Reſte römiſcher Bauwerke geſtoßen. Bald hub nun hier ein eifriges Forſchen und Graben an, das zur Entdeckung der Überreſte eines Mithrastempels mit den herrlichſten Bildwerken von teilweiſe hervorragender Kunſt und ſeltener Bedeutung führte. An dieſen Ausgrabungen hat auch unſere Anſtalt nicht geringen Anteil. Waren doch mehrfach Lehrer und Schüler unſerer Oberklaſſen dort in ernſter und aufopferungs⸗ voller Arbeit tätig, um mit Spaten und Spitzhacke manches wertvolle Stück dem neidiſchen Boden zu entreißen. Wer ſah da nicht den Jubel in den leuchtenden Augen, ſo oft ein neues bedeutſames Fundſtück gehoben und geborgen werden konnte! Wie ging es da ans Raten und Deuten! Anſichten wurden aufgeſtellt, wieder verworfen und doch ſchließlich autoritativ feſtgelegt. Allen, die dabei mitgeholfen, im Intereſſe der Wiſſenſchaft ſolche auch für die Stadt Dieburg, für die Schule wie für ſich ſelbſt nutz⸗ bringende Arbeit zu leiſten, ſei unſer Dank ausgeſprochen.
Am 24. Juni feierten wir das Jugendfeſt, indem wir mit der geſamten Schule eine Rheinfahrt mit dem Ziele St. Goarshauſen unternahmen. Für die meiſten unſerer Schüler war es das erſtemal, daß ſie den gewaltigen Strom ſchauten und vom Schiffe aus ſeine herrlichen Ufer begrüßen konnten. Groß und allgemein war deshalb auch die Freude und Begeiſterung, und mit hoher Befriedigung kehrten wir am Abend nach Hauſe zurück.
Nach Schluß der Sommerferien, am 17. Auguſt, begingen wir die Verfaſſungsfeier; Studien⸗ aſſeſſor Dr. Axel hielt dabei die Anſprache.
Am 2. November wurde die Totenfeier für unſre Gefallenen abgehalten, wobei Studienrat Haas die Gedächtnisrede hielt.
Am 17. Februar beging die Schule die Feier des 100 jährigen Todestags Peſtalozzis.
Am 18. und 19. März fand unter dem Vorſitz des Miniſterialrates Glückert die mündliche Reifeprüfung an unſeren Anſtalten ſtatt. 12 Oberrealſchüler und 9 Gymnaſaaſten unterzogen ſich der Prüfung und beſtanden ſämtlich.
Am 21. März begingen wir die Feier der 100. Wiederkehr des Todestages Beethovens. Von Inſtrumental⸗ u. Vokalmuſik umrahmt, war die Gedächtnisrede des Studienaſſeſſors Dr. Schneider, der ein Lebensbild dieſes Gewaltigen im Reiche der Töne entwarf und ihn als Menſchen wie als Muſiker in begeiſterten Worten würdigte.
Mit dieſer Feier verbanden wir zugleich die Entlaſſung unſerer Abiturienten, denen der Unter⸗ zeichnete, anknüpfend an die Stellung der Jugend zum Staate, Worte der Mahnung zu treuer Pflicht⸗ erfüllung auf den weiteren Lebensweg mitgab.
Unangenehm machte ſich vor allem in den beiden letzten Jahren der Mangel an Unterrichts⸗ räumen bemerkbar. In dem im Jahre 1908 fertiggeſtellten Neubau der ehemaligen„Höheren Bürger⸗ ſchule Dieburg“, einer ſiebenklaſſigen Anſtalt, waren Unterrichtsräume für höchſtens 10 Klaſſen vorgeſehen. Zur Zeit ſind 18 Klaſſen in dem Gebäude unterzubringen. Der Zeichenſaal, der Lehrſaal für Phyſik und Chemie, ein kleines Abteil des biologiſchen Sammlungsraums, der Aufenthaltsraum des Amtsgehilfen mußten als Klaſſenzimmer benutzt werden. Zwei Klaſſen konnten durch die Liebenswürdigkeit des Konvikt⸗
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