Jahrgang 
1915
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An den Feſtredner ſchloſſen ſich alle jene an, die ihre Glückwünſche darzubringen erſchienen waren. Kräftigen Ausdruck gab denſelben zuerſt Herr Kreisrat Dr. Wagner, der zugleich im Namen der Leitung des heſſiſchen höheren Schulweſens ſprach. Herr Domkapitular Dr. May aber durfte in ſeiner Gratulationsrede auf den berechtigten Anteil hinweiſen, den die biſchöfliche Behörde am Feſte habe. Er tat es an der Hand eines bibliſchen Vergleiches, der allen aufs deutlichſte die Verdienſte der Kirche dartat, an der feiernden Schule, die, aus der alten Konviktsſchule des hochſeligen Biſchofs v. Ketteler hervorgegangen, bis 1908 ihre Her⸗ berge im Biſchöflichen Konvikte hatte und nun nach 25jährigem Beſtehen aus den Händen der Gemeinde Dieburg, die ſie gleichſam aus Kettelers Hand empfing, in die Hände des Staates übergeht. Ein Gefühl aus Stolz, der berechtigt iſt, weil auch hier„Aller Anfang ſchwer“ geweſen, und Wehmut gemiſcht— klang aus den herzlichen Glückwünſchen des an Biſchofs Stelle redenden Hochwürdigen Herrn. Seine Wünſche für die Zukunft waren, daß die Tochter ihrer Mutter und deren Sorgenanteil an ihrer Jugend eingedenk bleibe und vom vorläufigen Ziele zum Endziele— Gymnaſium— hinſtreben möge. Herr Dekan Ebersmann, ſeit⸗ heriger Vorſitzender des nunmehr am Ende ſeiner Arbeit angelangten Kuratoriums der Schule, brachte deutlicher noch als dies ſchon die Vorredner getan, den Gedanken zum Ausdruck, es möchte in der Schule, der er ſeine Glückwünſche darbringe, doch die Pflege der klaſſiſchen Sprachen auch fernerhin eine liebevolle Stätte finden. Seine alle Anweſenden überraſchende herrliche lateiniſche Gratulationanſprache fand großen Anklang. Sie war beſonders am Platze, um zum Ausdruck zu bringen, daß der Wunſch weiter an der Schule intereſſierter Kreiſe eine Entwicklung zur ausſchließlichen Realſchule nicht verſtehen könne, da hierdurch offenbar den katholiſchen Volkskreiſen nicht gedient ſei.

Ihr Wortlaut war etwa folgender:

Consideranti mihi, Domine Professor, iam quinque lustra transiisse, quibus schola nostra permultum ad iuventutis studiosae utilitatem praestiterit, operae pretium esse videtur inquirere, quibus mediis haec omnia assecuta sit.

Ac primum quidem illud perspicuum est nos benignitati Dei tanta debere, ut ei nunquam debite gratias agere valeamus. Nam Deus est, qui pueris vires animi et corporis impertit, studiosos gratia con- comitante confortat, omnia disponit fortiter et suaviter. Quare hodie discipuli nostri corda et manus ad coelum levantes dicant atque orent: Agimus tibi gratias, omnipotens Deus, pro universis beneficiis tuis, qui vivis et regnas in saecula saeculorum.

Accedit quod temporibus elapsis bonos magistros habuimus, qui semper operam dederunt, ut dis- cipulos ad amorem scientiae et patriae ducerent. Quorum in numero etiam tu, Domine Professor, iam 15 annos officio boni pastoris fungeris, qui omnibus omnia factus es, ut omnes ad sublimitatem scientiarum per- duceres. Propterea tibi et omnibus magistris verbis curatorii gratias ago promittens nos meritorum vestrorum nunquam oblituros esse.

Neque vero obliviscendi sunt ii viri, qui adhuc in convictu episcopali degentes de schola nostra optime meruerunt, Professor Engelhardt et Professor Dr. Bruder. Qui incessanter studuerunt, ut animos puerorum, qui eis a parentibus ditioribus erudiendi commissi erant, amore virtutis imbuerent haud ignorantes divitias non posse homines felices reddere, sed solam virtutem. Ut enim, inquit philosophus Graecus, con- vivium sine colloquio, ita divitiae sine virtute nihil iucundi habent. Profecto sola virtus potest homines beatos reddere, ad quam persuasionem isti egregii magistri pueros studiosos duxerunt. Quapropter et iis verbis curatorii ex corde gratias ago Deum deprecans, ut iis in vita aeterna immarcescibilem gloriae coronam porrigat.

Denique illud silentio praetereundum non puto, quod civitas nostra Dieburgensis in emolumentum scholae fecit his aedibus splendide aedificatis, etiam hoc tempore facit pecuniam large praebens.

Sed haec hactenus. Hodie post viginti quinque annos est gaudium in cordibus nostris, quod schola nostra tot bonos discipulos patriae et ecclesiae dedit honorem afferentes magistris et convictui episcopali. Quae cum ita sint, tibi Rectori scholae ex corde gratulor sperans etiam in posterum scholam nostram domum virtutis et scientiae fore. Quod Deus bene vortat!

Herr Oberlehrer Diehl brachte die Wünſche des Lehrerkollegiums der Volksſchule beredt zum Aus⸗ druck und ſprach im Intereſſe der heranwachſenden Jugend den Wunſch eines auch weiterhin gepflegten ver⸗ ſtändnisvollen Zuſammenarbeitens der verſchiedenen Schulgruppen aus.

Herr Beigeordneter Rödler, der im Namen der Gemeinde in recht kernigen und gut gewählten Worten die Glückwünſche brachte, durfte mit Stolz auf die Verdienſte der Gemeinde Dieburg um die Höhere Bürger⸗ ſchule hinweiſen. Die großen Opfer, die die Gemeinde brachte, um der Schule das herrliche Heim zu ſchaffen, ein Heim, das ſo viel Lob heute fand, werden zur Erhöhung des Anſehens von Dieburg kräftig beitragen.

Und dann wurden bei den Worten des Sprechers der ehemaligen Schüler, des Herrn Pfarrers Jakobi, tauſend Erinnerungen bei allen älteren Feſtteilnehmern, beſonders den Schülern und Lehrern wach, bei dieſen ſprühenden und oft ſo launigen Worten, die wirklich— man merkte es an der immer lebhafter werdenden Zuſtimmung— längſtverklungene Lieder, ich meine Erlebniſſe und Erinnerungen, wachriefen. Der Appell an die Schüler, den Lehrern dankbar zu ſein, wie er Herrn Direktor Dr. Seidenberger, Herrn Lehrer Keller