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IV. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Der übergang vom alten zum neuen Schuljahre war von doppelter Bedeutung in der Geſchichte unſerer Anſtalt. Ließ doch ein glücklicher Zufall das Feſt des 25jährigen Beſtehens der ſeitherigen Höheren Bürger⸗ ſchule mit ihrer Umwandlung in eine Großherzogliche Realſchule(mit Progymnaſium) zuſammen⸗ fallen! Durch Allerhöchſte Entſchließung wurden mit Wirkung vom 1. April 1914 der Oberlehrer an der Höheren Bürgerſchule zu Dieburg, Rektor Profeſſor Joſef Diehl zum Direktor, die Oberlehrer Adalbert Fecher, Max Halm, Jakob Malſy, Dr. Johann Schwarz, Friedrich Feickert, Jakob Rodrian und Karl Naumann ebendaſelbſt zu Oberlehrern an der Großherzoglichen Realſchule(mit Progymnaſium) zu Dieburg ernannt. Ferner erhielten die Lehrer Chriſtian Keller und Karl Germann den Anmtstitel „Reallehrer“. Es dauerte nicht lange, ſo prangte über dem mit Biene und Fruchtkorb ſinnbildlich ge⸗ ſchmückten Haupttore unſeres Neubaues in goldenen Lettern die neue Aufſchrift. Dieſen Fortſchritt verdanken wir vor allem der oberſten Schulbehörde, die wir noch einmal auch an dieſer Stelle unſeren ehrfurchts⸗ vollen Dank entgegenzunehmen bitten für das Vertrauen und das Wohlwollen, mit dem ſie unſer Streben nach völliger Gleichberechtigung mit den anderen ſiebenklaſſigen Höheren Lehranſtalten Heſſens von Stufe zu Stufe begleitet, gefördert und zum Siege geführt hat. Dank gebührt aber auch den Landſtänden, die nach monatelanger Beratung über die Koſten der Höheren Schulen dem Antrag Großh. Staatsregierung, acht höhere Bürgerſchulen zu ſtaatlichen Realſchulen zu erheben, am 17. März 1914 zugeſtimmt haben, der Stadtver⸗ waltung für die verſtändnisvolle, die Intereſſen der Schule ſtets freudig fördernde Fürſorge, dem Kuratorium für die übernahme der ihm bis dahin zugefallenen Ehrenpflichten der äußeren Verwaltung der Schule, dem Lehrerkollegium für ſeine anerkennenswerte Hingebung und unentwegte Pflichttreue und den Eltern aus nah und fern für ihr feſtes Vertrauen. Den Verlauf des 31. März 1914 aber und die Stimmung der Feſt⸗ teilnehmer ſchilderte die„Starkenburger Provinzial⸗Zeitung“ etwa ſo:
„Dem dunklen Schoß der hl. Erde— vertraut der Sämann ſeine Saat Und hofft, daß ſie entkeimen werde,— Zum Segen nach des Himmels Rat.“
„Es ſind die erſten wunderherrlichen Lenzestage in die Lande gezogen, Lenzestage, Tage freudigſter Hoffnung, freudigſten Ausſchauens in die Zukunft; für die Höhere Bürgerſchule in Dieburg aber waren ſie Tage mehr im Sinne einer frohen Ernte, mehr im Sinne einer freudigen Rückſchau. Herbſtesſegen in Lenzestagen:
Längſtverklungene alte Lieder werden wach in meiner Seele. Hätt' ich nur ſie auszuſingen, wilde Amſel, deine Kehle!
Mag mit dem ernſten Dichterwort, dem Hohen Sämannslied, mehr allen denen aus der Seele ge⸗ ſprochen worden ſein, die geſtern einen Rückblick auf ihre Tätigkeit in der vom Feſtesglanz umſtrahlten Schule mit hoher Befriedigung werfen durften, die dies durften im Gedanken, daß ihre Tätigkeit, die Wahrheit und Wiſſen in das damals noch zukunftsdunkle geiſtige Erdreich junger Menſchen ausſtreute, nicht umſonſt war, ſondern in vielen mit Gottes Huld zum Segen für das Leben aufgegangen iſt— die längſtverklungenen alten Lieder ſind geſtern wach geworden in all den ehemaligen Schülern, die entweder perſönlich an der Feier teil⸗ nahmen und aus ſo beredtem Munde ihres Herzens Sinn gegen ehemalige Erzieher offenbarten oder durch ein Wort des Grußes Kunde gaben, daß ſie— ob auch ferne— doch im Geiſte die Feſtesfreude miterlebten.
Die Anteilnahme der Gemeinde Dieburg aber, das muß zu ihrer Ehre geſagt werden, war eine außer⸗ ordentlich erfreuliche. Reicher Flaggenſchmuck in den Hauptſtraßen erhöhte die feſtliche, licht⸗ und feſtesfrohe Stimmung, die das Feſt auszeichnete.
Nur in kurzen Strichen eine Skizze des Feſtbildes. Allem gerecht zu werden iſt eine Unmöglichkeit.
Zuerſt die akademiſche Feſtfeier am Vormittag. Der Turnſaal, mit Tannengrün geſchmückt, wies auf der Tribüne in gleichem Schmuck die feſtlichen Daten 1889— 1914 auf. Er beherbergte neben den Feſtgäſten Lehrer und Schüler von ehemals und heute. Chor und Kunſt eröffneten mit feſtlichen und feinſinnig gewählten Gaben den Feſttag. Eine weihevolle Einführung und Überleitung zur erntefrohen Feſtrede des Rektors der Schule, des Herrn Profeſſors Diehl, der als geſchickter Führer ſeine Hörer im Geiſte nochmals den arbeits⸗ reichen und oft auch dornenvollen, aber nun am erſten Ziel froh geſchauten Weg durch die 25 Jahre der Ge⸗ ſchichte der Schule führte. Gar mancher Gedenktag wurde genannt, gar manche Stunde, die in die noch junge Geſchichte der Schulpflanzung bedeutſam eingeſchrieben iſt. Es waren Worte, getragen von Dankbarkeit gegen Gott, der Segen und Gedeihen gegeben, und alle, die zum Gedeihen in all den Jahren ihren redlichen Teil veinetvegen In hoher Befriedigung ob der erreichten Arbeitsfrüchte einer 25jährigen Schultätigkeit klang die
eſtrede aus.


