Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

18

V. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Der Bericht über das Schuljahr 1910/11 war ſchon gedruckt, als wir eine für unſere Schule höchſt bedeutungsvolle Verfügung Hoher Behörde erhielten. Wir führen ſie deshalb am Eingang unſerer diesjährigen Geſchichte nachträglich an:

Indem wir Ihnen von dem abſchriftlich nachſtehenden Schreiben des Reichsamts des Innern Kenntnis geben, ermächtigen wir Sie, in Zukunft dem den erfolgreichen Beſuch der lla beſtätigenden Zeugnis den Vermerk beizufügen, daß damit die Reife für die Unterprima einer Oberrealſchule oder, ſofern mit Erfolg an dem Latein⸗ unterricht teilgenommen war, eines Realgymnaſiums erlangt iſt. Auf Wunſch kann dieſer Vermerk früher ausgeſtellten Zeugniſſen nachträglich beigefügt werden.

Abſchrift. Reichsamt des Innern. III. B. 1585.

In Anerkennung der ſachlichen Gleichwertigkeit der von den ſiebenſtufigen heſſiſchen Realſchulen und der Höheren Bürgerſchule Dieburg ausgeſtellten Entlaſſungszeugniſſe mit den Zeugniſſen der Reife ffür die Prima einer Oberrealſchule beehre ich mich nach Benehmen mit dem Königl. Preuß. Herrn Miniſter der geiſt⸗ lichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten anheimzuſtellen, auf den in Frage ſtehenden Entlaſſungszeug⸗ niſſen zum Ausdruck zu bringen, daß dieſe gleichzeitig als Zeugniſſe der Reife für die Unterprima einer Ober⸗ realſchule gelten. Ich möchte annehmen, daß auf dieſe Weiſe die aus dem Wortlaute der Prüfungsordnung für Apotheker ſich ergebende, dortſeits beklagte Schwierigkeit aufs einfachſte behoben würde.

Dieſer erfreulichen Mitteilung vom 28. März 1911 folgte am 9. Februar 1912 eine weitere Verfügung, nach der die zu Oſtern l. J. die Gymnaſial⸗Oberſekunda unſerer Anſtalt erledigenden Schüler ohne Aufnahmeprüfung in die Unterprima heſſiſcher Gymnaſien aufgenommen werden dürfen. Von den Erfahrungen, die man mit dieſen Schülern demnächſt macht, wird es abhängen, ob der freie Eintritt unſerer Oberſekundaner in die Unterprima heſſiſcher Gymnaſien für immer gewährt wird.

Das neue Schuljahr begann am 1. Mai und endigt am 30. März.

Den evangeliſchen Religionsunterricht erteilte für den aus Geſundheitsrückſichten beurlaubten Herrn Pfarrer Port bis zu den Pfingſtferien Herr Pfarrer Scheid von Altheim.

Am 15. Mai beehrten Herr Geheimrat Süffert und Herr Geh. Oberſchulrat Block unſere Anſtalt mit ihrem Beſuche und wohnten dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei.

Am 16. Mai unternahmen wir den üblichen Tagesausflug. Die Ziele waren für

Ila: Saalburg;

IIb: Wimpfen;

Illa: Otzberg, Breuberg, Obernburg;

Illb: Hahnenkamm;

IV: Waldleiningen, Ernſttal;

V: Auerbach, Felſenmeer, Neunkircher Höhe, Reichelsheim; VI: Oberwaldhaus.

Freitag, den 2. Juni, nachmittags gegen 3 Uhr, ertrank der Unterſekundaner Friedrich Heinz, ein braver und zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigender Schüler, beim Baden in der Gerſprenz am Ausgang des Schloßgartens. Nach dem Berichte eines Mitſchülers, der als Nichtſchwimmer keine Hilfe bringen konnte, muß eine Ohnmacht oder ein Herzſchlag die Urſache des erſchütternden Unglücksfalles geweſen ſein. Zwei Tage ſpäter, am lieblichen Pfingſtfeſte, an dem die Natur einen wunderbaren Frühlingszauber entfaltete, wurde der ſo früh Verblichene beerdigt. Unter den vielen Leidtragenden, die ihm die letzte Ehre erwieſen, befanden ſich auch ſeine Lehrer und Mitſchüler, die mit einigen ſchlichten Worten des Abſchieds einen Kranz an der Bahre niederlegten. Er ruhe in Frieden!

Infolge der außergewöhnlichen Hitze des Sommerhalbjahres mußten wir nicht weniger als 25mal den Unterricht nach der vierten Vormittagsſtunde ſchließen(am 8., 12., 13., 14., 15., 20., 21., 22., 24., 25., 26., 27., 28., 29., 31. Juli und am 1., 2., 3., 4., 5., 7., 8., 9., 10., 11. Auguſt).

Vom 10. bis 15. Juli nahm Herr Oberlehrer Feickert an dem naturwiſſenſchaftlichen Fortbildungs⸗ kurſus in Darmſtadt teil.