Jahrgang 
1899
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liebgewordenen Religionsunterricht, den er im Winter 1895 und definitiv ſeit Oſtern 1896 mit vieler Hingebung an hieſiger Schule erteilte, aufgeben, um eine Kaplanei in Bingen zu übernehmen.

Den evangeliſchen Religionsunterricht übernahm Herr Pfarraſſiſtent Guſtav Mahr, den katholiſchen Herr Pfarrer Dr. Bruder.

Durch Allerhöchſte Dekrete Sr. Königlichen Hoheit vom 31. Auguſt und vom 12. September wurden die Herren Kollegen Dr. Franz Fauſt und Karl Henſing zu definitiven Lehrern an unſerer Schule ernannt.

Vom 6. Februar bis 5. März mußte Herr Kollege Weißgerber infolge einer Erkrankung an Influenza ſeine Lehrthätigkeit unterbrechen; ſeine Stunden wurden, ſo gut es ging, durch die Kollegen mitverſehen.

Unſeren diesjährigen Sommerausflug unternahmen wir, wegen Ungunſt der Witterung, gegen ſonſt etwas ver⸗ ſpätet, am 5. Juli. Die Ausflugsziele waren:

Klaſſe VII und VI: Heiligenberg und Melibokus. Klaſſe V: Breuberg, Neuſtadt.

Klaſſe IV: König, Hainhaus.

Klaſſe III: Michelſtadt, Erbach, Eulbach.

Klaſſe II: Breuberg, Obernburg, Aſchaffenburg. Klaſſe I: Rückersbacher Schlucht, Johannisberg.

Die vaterländiſchen Gedenktage wurden entſprechend gefeiert. Am Geburtstage unſeres Landesherrn legte Herr Aſſeſſor Weißgerber die Entwicklung des neuzeitlichen Schulweſens anſchaulich dar, und Herr Aſſeſſor Kinkel gab an Kaiſers Geburtstag einen anſprechenden Überblick über die deutſchen Kolonieen.

Leider hatten wir auch den Tod eines braven Schülers der III. Klaſſe, Guſtav Strack, zu beklagen. Er verſchied nach langem, ſchmerzvollem Leiden, Gehirnhautentzündung, am 20. Dezember im Konvikt. Mittwoch, den 21. des Morgens gaben wir ſeiner Leiche das Geleite zum Bahnhof.

Auch ein früherer Schüler der III. Klaſſe, der vor Jahresfriſt krankheitshalber das Studium hatte aufgeben müſſen, Joh. Bapt. Knußmann, verſtarb am 20. Februar in ſeiner Heimat, in Bodenheim.

Am Begräbnis des Herrn Beigeordneten Ott, der ſeit Gründung der Schule dem Kuratorium angehörte, beteiligte ſich das Lehrerkollegium und ehrte den am 28. Juni Verblichenen durch eine Kranzſpende. R. I. P..

Die ſchriftlichen Prüfungsarbeiten wurden vom 22. bis 27. Februar angefertigt. Die mündliche Prüfung fand am 20. März ſtatt.

Von den Neuanſchaffungen ſeien erwähnt: Bach, Studien und Leſefrüchte aus dem Buche der Natur, 8. Auf⸗ lage; Dettweiler, Didaktik und Methodik des lateiniſchen Unterrichts, 1895; Münch u. Glanning, Didaktik und Me⸗ thodik des franzöſiſchen und engliſchen Unterrichts, 1895; Pierers Konverſationslexikon, 7. Auflage, beſorgt von Joſeph Kürſchner, 12 Bände, 1888 1893. Die drei erſteren Bücher ſind Geſchenke des Herrn Rektor Engelhardt, wofür wir auch hier ihm herzlichſt danken.

Ein Modell des menſchlichen Ohres; ein Hühnerhabicht und ein Eisvogel wurden ausgeſtopft; eine große Stimmgabel mit Spitze zum Aufſchreiben der Schwingungen; eine Lippenpfeife mit Schieber zum Nachweiſe des Unterſchiedes der Tonhöhe gedeckter und offener Pfeifen; eine Lippenpfeife mit geteiltem Stempel zur Erzeugung der Tonleiter; eine Frankliniſche Tafel; zwei große Leydener Flaſchen; ein Auslader; ein Fernrohr zur Beobachtung der Linien Frauenhofers; ein Centrifugalregulator; ein Galvanoſkop mit ſenkrechtem Zeiger; ein Unterbrechungsrad.

Rektor Dr. Seidenberger wurde mit Wirkung vom 1. April zum Lehrer an der Auguſtinerſchule(Gymnaſium und Realſchule) zu Friedberg durch Allerhöchſtes Dekret vom 15. März ernannt.

Ordnung der öffentlichen Lehr- und Prüfungsproben.

Donnerstag, den 23. März vormittags:

9 91 ½ Uhr Klaſſe VII: Deutſch Herr Schulverwalter Sadek. 9 ½ 10 VI: Rechnen Lehrer Keller. 10 10 ½ VI: Franzöſiſch Lehramts⸗Aſſeſſor Kinkel.

10 ½ 11 V. Geometrie. 11 11 ł½ Vi: Latein Krauß. 11 ½ 12 IV: Latein Weißgerber.

Die Direktion der höheren Bürgerſchule Dieburg Dr. Seidenberger.

Buchdruckerei von A. Schumann in Dieburg.