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Am 26. März 1892 wurde der Lehrer an der höheren Mädchenſchule zu Worms, Dr. ApDoLF HELMSDöRFER, zum Lehrer an unſerer Anſtalt ernannt.
Am 4. März wurde unſer Heffenland in große Belorgnis verfetzt durch die ſchwere Erkrankung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ludwig IV., deren tödlicher Ausgang am 13. März das heflilche Volk in tiefe Trauer verſetzte.
Am 17. März erfolgte die Beifetzung, ſowie eine Trauerfeier in allen Schulen des Landes, der in der Victoria-Schule Kollege Kurl, in einer Gedächtnisrede entſprechenden Ausdruck verlieh. Das Andenken des allzufrüh heimgerufenen Landesfürſten wird unvergeßlich ſein.
Am 22. März fand unter dem Vorſitz des Regierungskommillars, Herrn Oberſchulrat SorpAN, die mündliche Schlußprüfung für das höhere Lehrfach ſtatt. Es unterzogen ſich dieſer Prüfung 16 von uns vorgebildete Aſpirantinnen, die ſämtlich beſtanden, und zwar 1 mit dem Prädikat »Sehr gut«, 8 mit dem Prädikat»Gut«, 7 mit dem Prädikat»Im ganzen gut«.
Aus der erſten Schulklaffe traten 25 Schülerinnen aus, von denen 11 in das Lehrerinnen- Seminar übergingen.
Das Schuljahr 1891/92 wurde Mittwoch den 6. April mit Cenfur und Verſetzung geſchloſfen.
1892/93.
(Von Dir. Dr. EisENHUnH.)
Das Schuljahr 1892 begann am 25. April mit der Geſamtzahl von 580 Schülerinnen, ausschließlich der Hoſpitantinnen des Seminars. Davon kamen auf die Victoriaſchule 547, auf das Seminar 33.
Am 27. April wurde der Unterzeichnete durch Herrn Oberſchulrat SorpAN und Herrn Bürgermeiſter MonxEwed in feierlichem Schulakte in sein Amt eingeführt. An demfelben Tage trat Herr Dr. HELMSpDöRFER den Dienſt an.
Nachdem mit Beginn des Schuljahres 1891/92 eine VIII. Klaffe eingegangen war, hörte nunmehr auch die Teilung von VII auf. Da aber die Zahl der Schülerinnen des letzten (zehnten) Schuljahres bis auf 40 angewachſen war, ſo mußte, zum erſten Male ſeit dem Be- ſtehen der Anſtalt, die Einrichtung von Parallelcöten für die oberſte Klaffe vorge- nommen werden. Wir ſehen in dieler erfreulichen Thatlache einen Beweis dafür, daß die Aufgaben und der Zweck unſerer Schule in immer weiteren Kreifen richtig erkannt und ge- würdigt werden. Möge auch in kommenden Jahren eine gleich große Zahl von Schülerinnen beſtrebt ſein, das eigentliche Ziel der Anſtalt durch erfolgreichen Befuch der erſten Klaſſe zu erreichen.
Am 25. Mai wurde dem Herrn Kollegen KErI, der Charakter als»Pfarrer« verliehen.
Im Anfang des Schuljahres erkrankte Fräulein Moorz und erhielt einen Urlaub, der, mehrfach verlängert, bis zum Schluß des Jahres 1892 dauerte. Mit der Vertretung wurde Fräulein MARG. Wönrm beauftragt.
Kurz vor den Sommerferien mußte auch Fräulein RöMEh wegen Krankheit um Urlaub nachfuchen, der ihr bis zum Schluß des laufenden Schuljahres bewilligt wurde. Ihre Ver- tretung übernahm vom 4. August ab Fräulein EMIEIE STRECKRER aus Darmſtadt.
Vom 5. Dezember pis zum 10. Januar mußte Herr RAMGE wegen Unwohlſeins den Unterricht ausfetzen. Die Vertretung wurde uns fehr erleichtert durch die dankenswerte Bereitwilligkeit, mit der zwei frühere Mitglieder des Seminars, Fräulein AuausrE BEok und Fräulein MATHILDE BEck von hier, einen Teil ſeiner Stunden übernahmen. Wir ſprechen den Damen auch an diefer Stelle unferen verbindlichen Dank aus.
Von den erwähnten Fällen abgeſehen war der Gefundheitszuſtand des Kollegiums gut. Auch die Gefundheitsverhältniſle der Schülerinnen waren normal.
Die vaterländifchen Feſte wurden in herkömmlicher Weilſe gefeiert. Am 2. September hielt Herr Pfarrer KEi die Feſtrede, am Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs


