A. Schulbericht der Victoria-Schule über das Schuljahr 1891 und 1892.
(Der Bericht über das Schuljahr 1891/92 iſt nach den Aufzeichnungen des Herrn Direktors Dr. Wulckow, ſowie nach eigenen Notizen zulammengeſtellt von Pfarrer Keil.)
1891/92.
Das Schuljahr 1891 begann Montag den 6. April mit der Geſamtzahl von 587 Schülerinnen, ausſchließlich der Hoſpitantinnen des Seminars. Davon kamen auf die Victoriaſchule 552, auf das Seminar 35. Hiernach hat der Befuch der Schule trotz der räumlichen Mißſtände der Anſtalt nicht, wie zu fürchten war, abgenommen, ſondern hat ſich auf der vorjährigen Höhe gehalten. Dagegen hat die Frequenz des Seminars nicht unbedeutend nachgelaſfen, da den 35 Schülerinnen diefes Jahres 56 des Jahres 1890 gegenüberſtehen.
Die Leitung der Schule hat aus zwei Gründen dieſe Abnahme nicht zu beklagen. Erſtens ſcheint der allzugroße Zudrang zur Laufbahn einer Lehrerin mißlich; die Erfahrung hat gelehrt, daß bei weitem nicht alle, die das Examen beſtehen, nach jeder Richtung die Bürgſchaft bieten, daß ſie den ſchweren und opfervollen Beruf aus wirklicher Neigung wählen, und daß ſie denfelben mit vollen Ehren ausfüllen werden. In vielen Fällen wird vielmehr der Beruf aus äußeren Gründen ohne innere Nötigung und reines Intereſſe gewählt, und es iſt nur zu wünſchen, daß die jungen Mädchen ſich ernſtlich prüfen, ehe ſie in das Seminar eintreten.
Zweitens aber war die Arbeit der Lehrer des Seminars in den letzten Jahren bei der großen Schülerzahl eine fehr ſchwer zu bewältigende, und diefe Arbeit mußte um ſo drückender empfunden werden, als das ganze Seminarpenfum bei uns noch immer in zwei Jahren bewältigt werden muß, während andere deutſche Lehrerinnen-Seminare ſchon längſt die dreijährige Studienzeit eingeführt haben.—
Die Krankheit des Fräulein SrockHAUsEN und ihr Urlaub dauerten fort, ebenſo ihre Stellvertretung durch Fräulein Wünnl.
Frl. v. PröxxiEs erkrankte vor Pfingſten an Influenza, und mußte bis zu ihrem Wieder- eintritt eine Vertretung gefucht werden. Wie ſchon öfters trat Frl. v. HERFy für einige Wochen ein, ſpäter übernahm Frl. WiIXMANN mit kurzer Unterbrechung die Vertretung bis zum 15. Auguſt ¹).
Am 9. Mai ſtarb ANNA RüpreEh aus Cl. IX an Diphtheritis, ein liebes und begabtes Kind, von Lehrern und Mitschülerinnen herzlich betrauert.
Der Direktor hatte zur Wiederherſtellung ſeiner Gefundheit einen Urlaub vom 23. Juni bis 15. Auguſt. Da in dieſer Zeit vier Wochen auf die großen Ferien entfallen, ſo konnte eine wenigſtens teilweiſe Vertretung der Stunden desſelben durch die Herren Kollegen Dr. HEIM
1) Frl. PAUIINE SchHMITTHENxER hatte nach den Sommerferien 14 Tage lang den Unterricht für Frl. v. Pr6XXIEs erteilt.
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