IV. Geſchichte der Anſtalt.
Der Unterricht im Schuljahre 1895/96 begann am 23. April.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 30. März, bezw. 16. September 1895 wurde Herr Prof. Dr. Schäffer bis zum 20. Oktober beurlaubt. Derſelbe wurde durch Allerhöchſtes Dekret vom 2. Oktober„auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung ſeiner langjährigen, treuen und erſprießlichen Dienſte mit Wirkung vom 21. Oktober in den Ruheſtand verſetzt.
Am 22. April trat Herr Ludwig Haſſelbaum, ſeither an der hieſigen Realſchule verwendet, als Vertreter des Herrn Prof. Dr. Schäffer an unſerer Schule ein.
Herr Dr. Borhauer erhielt Urlaub vom 1. April bis zum Beginn der Sommerferien, um behufs weiterer Ausbildung in der franz. Sprache einen längeren Aufenthalt in Paris zu nehmen.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 11. Mai 1895 wurde Herr Ludwig Falkenhagen, ſeither Lehrer an der Realſchule zu Michelſtadt, der ſeit 1. April proviſoriſch an unſerer Anſtalt verwendet war, zum Lehrer an derſelben ernannt.
Wegen Erkrankung wurde Herr Völſing bis zum Schluß des Sommerſemeſters beurlaubt. Mit ſeiner Vertretung wurde Herr Zulauf beauftragt.
Mit Wirkung vom 21. April wurde dem Maler H. Dietz der Zeichenunterricht in den oberen Klaſſen unſerer Anſtalt mit 4 Stunden übertragen.
Im Laufe des Schuljahres traten als Volontäre folgende Herren ein: die Lehramtsaſſeſſoren Hoff⸗ mann, Kreiſel, Matthes und die Lehramtsacceſſiſten Brod, Glenz, Dr. Noack, Sohn, Werner und Zulauf.
Der große Tagesausflug wurde am 10. Mai bei ſchönem Wetter ausgeführt. Die einzelnen Klaſſen wählten ſich als Ziele die ſchönſten Punkte des Taunus, des Odenwaldes und der Bergſtraße, ſowie die benachbarten Städte.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern wurde Herr Dr. Wiederhold vom 14. Juni bis Ende des Schuljahres zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit beurlaubt. Zu ſeiner Vertretung wurde der Lehramtsaſſeſſor Friedrich Kalbfleiſch mit Wirkung vom 1. Auguſt der Anſtalt überwieſen.
Am 12. Juli verſchied nach ſchwerem Leiden Herr Prof. Theophil Becker, der ſeit Herbſt 1876 an unſerer Anſtalt thätig war, in Wildungen, wohin er ſich zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit begeben hatte. An der Beerdigung konnten ſich der Sommerferien wegen nur wenige Kollegen und Schüler be⸗ teiligen. Der Unterzeichnete widmete dem pflichtgetreuen, lieben Kollegen unter Niederlegung zweier Kränze namens des Lehrerkollegiums und der Schüler einen ehrenden Nachruf.
Durch Allerhöchſtes Dekret vom 7. Auguſt wurde Herr Hans Waitz, ſeither evang. Pfarrer in Vilbel, zum Lehrer an unſerer Anſtalt ernannt.
Wegen großer Hitze mußte im Sommerſemeſter der Unterricht an 8 Nachmittagen(20., 22., 23. Auguſt, 3., 5., 6., 9. und 10. September) ausfallen.
Am Sedanstage fand eine Schulfeier ſtatt, beſtehend in einer Anſprache des Unterzeichneten und dem Vortrag einiger patriotiſcher Lieder.
Mit Beginn des Winterſemeſters fand eine proviſoriſche Teilung des Unterprima ſtatt, nachdem durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 6. Oktober 1895 unter Zuſtimmung der Stadtverordneten⸗ verſammlung die Errichtung einer weiteren proviſoriſchen Lehrerſtelle genehmigt worden war. Die Verwaltung dieſer Stelle wurde mit Wirkung vom 10. Oktober dem Lehramtsaſſeſſor Adam Klaſſert übertragen.
Durch Allerhöchſte Dekrete vom 2. November 1895 wurde den Herrn Dr. Borhauer, Hainebach und Ensgraber der Charakter als Profeſſor verliehen.
Zur Feier des Geburtsfeſtes Ihrer Königl. Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin fand am 25. November in der Turnhalle ein Feſtaktus ſtatt, wobei der Unterzeichnete die Feſtrede hielt.


