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V. Chronik der Anſtalt.
Mit Schluß des Schuljahres 1888/89 verließen unſere Anſtalt die Kollegen Poth und Alten⸗ dorf. Erſterer übernahm eine Lehrerſtelle an der Realſchule zu Wimpfen, letzterer wurde an das Gym⸗ naſium zu Laubach verſetzt.
Dafür trat an unſerer Schule der ſeitherige Lehrer an der Realſchule zu Wimpfen Leopold Ensgraber ein.
Mit Beginn dieſes Schuljahrs konnte die im vorjährigen Programm angedeutete Trennung des Realgymnaſiums und der Realſchule ins Leben treten. Der räumlichen Verhältniſſe wegen blieb die Vor⸗ ſchule bei dem Realgymnaſium, doch iſt die Beſtimmung getroffen, daß die Schüler derſelben, welche die 1. Klaſſe abſolviert haben, ohne beſondere Prüfung in die 7. Klaſſe der Realſchule eintreten können. Durch Verfügung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ſind die in vorſtehendem Verzeichnis angeführten Lehrer dem Realgymnaſium überwieſen worden. Dr. Zimmermann, Lehrer an der Realſchule, ſoll in 6 Geſchichtsſtunden in den Oberklaſſen des Realgymnaſiums verwendet werden. Der baulichen Verände⸗ rungen wegen konnte das Schuljahr erſt am 13. Mai beginnen.
Wenige Tage nach dem Anfang der Schule erkrankte Kollege Th. Becker und iſt bis heute noch nicht ſo weit hergeſtellt, daß er ſeine volle Thätigkeit wieder aufnehmen konnte. Zunächſt hatten die Herren Kreisſchulinſpektor Müller und die Kollegen Dr. Zimmermann und Kayſer die Güte, die Religionsſtunden des Erkrankten zu übernehmen, die übrigen 8 Stunden wurden unter die anderen Lehrer verteilt. Vom 25. Auguſt an übernahm dieſe der Gymnaſiallehramtsacceſſiſt Dr. Becker, für den mit Beginn des Winterſemeſters nach ſeiner Verſetzung an das hieſige Gymnaſium Herr Acceſſiſt Dr. Büchner eintrat, der bis heute noch an unſerer Schule thätig iſt. Am 26. October mußte leider Herr Kreisſchul⸗ inſpektor Müller wegen anderweitiger Berufsgeſchäfte ſeine Thätigkeit an unſerer Schule einſtellen und ſagen wir ihm auch noch an dieſer Stelle Dank für die Bereitwilligkeit, mit der er uns unterſtützte. Die Herren Dr. Zimmermann und Dr. Lucius übernahmen dieſe Religionsſtunden und wurden dafür durch Abgabe anderer Stunden entlaſtet. Erſt mit Beginn der Schule nach den Weihnachtsferien war Herr Becker wieder ſoweit hergeſtellt, daß er 6 Religionsſtunden wieder übernehmen konnte. Die übrigen erteilen noch Dr. Zimmermann und Dr. Lucius.
Am 7. Juni erkrankte der israelitiſche Religionslehrer Herr Rabbiner Dr. Landsberger. Da ſein Zuſtand ſich nicht beſſerte, ſo kam er bei hoher Behörde um ſeine Entlaſſung als Religionslehrer ein und wurden die Religionsſtunden ſeinem Vertreter im Rabbinate Herrn Dr. Selver mit Beginn des Jahres 1890 übertragen. Inzwiſchen iſt Herr Dr. Landsberger ſeinem Leiden erlegen. Das Lehrerkollegium wird dem langjährigen Mitarbeiter ein liebevolles Andenken bewahren.
Am 17. Juni wohnte der Herr Biſchof von Mainz dem römiſch⸗katholiſchen Religionsunterricht in ſämtlichen Klaſſen bei.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat durch Dekret vom 1. Oktober das Geſuch des Real⸗ gymnaſiallehrers Pabſt um durch geſchwächte Geſundheit nötig gewordene Verſetzung in den Ruheſtand genehmigt. Für denſelben trat zunächſt proviſoriſch der Gymnaſial⸗ und Reallehramts⸗Acceſſiſt Karl Müller aus Mainz ein. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 26. Oktober wurde darauf ſowohl dieſer, als auch der ſeitherige proviſoriſche Lehrer Dr. Lucius definitiv angeſtellt.
Während der Weihnachtsferien erkrankte Herr Profeſſor Dr. Külp. Da nach der Anſicht des Arztes ſeine Wiederherſtellung vorausſichtlich längere Zeit in Anſpruch nehmen würde und die Lehrſtunden deſſelben durch die Kollegen nicht vertreten werden konnten, ſo wurde durch Großherzogliches Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, der Realgymnaſiallehrer Dr. Schneider von Mainz für die Dauer der Erkrankung unſerer Schule überwieſen.
Der Unterricht erlitt im abgelaufenen Schuljahre mannigfache Störungen. Zunächſt mußten, wie
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