Jahrgang 
1914
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XII

F. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Sommerhalbjahr begann am 31. März und endigte am 1. Oktober 1913. Das Winter- halbjahr begann am 16. Oktober 1913 und endigt am 4. April 1914.

lI. Personalnachrichten.

Am 17. Mai erlag Oberlehrer Prof. Dr. Karl Hattemer seinen langen Leiden, nachdem er noch bis kurz vor seinem Tode einen Teil seines Dienstes versehen hatte. Er wurde am 20. Mai in Bensheim bestattet. Das Lehrerkollegium und mehrere Abordnungen von Schü- lern erwiesen ihm die letzte Ehre. Der Direktor, ein Schüler seiner Klasse(1b) und ein Vertreter des Schülerstenographenvereins legten mit Worten ehrenden Gedenkens Kränze an seinem Grabe nieder. Mit ihm ist wiederum unserer Anstalt ein wissenschaftlich und päda- gogisch hervorragend tüchtiger Lehrer allzufrüh entrissen worden. Zu seiner Entlastung war ihm von Beginn des Schuljahres an Lehramtsassessor Heinrich Jockel beigegeben worden. Seine Lehrerstelle wird jetzt von dem Lehramtsassessor Ludwig Emrich verwaltet.

Am 1. August trat Pedell Friedrich Brückmann nach mehr als 50 jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Am letzten Schultage vor den Sommerferien versammelte sich das Lehrer- kollegium im Lehrerzimmer zu einer schlichten Abschiedsfeier, bei welcher der Direktor dem Scheidenden unter dankbarer Anerkennung seiner unserer Anstalt geleisteten Dienste herzliches Lebewohl sagte. Doch nicht lange erfreute er sich der wohlverdienten Ruhe; schon am 4. September starb er nach kurzer Krankheit in Karlsruhe, wohin er seinen Wohnsitz verlegt hatte. Sein Nachfolger ist Christian Fenchel, vorher Pedell am Grossh. Gymnasium zu Worms.

Oberlehrer Prof. Hermann Kellner trat zwar mit Beginn des neuen Schuljahres seinen Dienst wieder an, doch bedurfte er noch der Schonung. Er wurde daher durch den Pfarr- assistenten Otto Herpel entlastet. Indessen schon am 29. Mai musste er wieder vollen Kranken- urlaub nehmen. Von da an teilten sich Pfarrassistent Herpel und lic. theol. Heinrich Adolph in seine Vertretung. Anfang Juli ersetzte dann Pfarrassistent Friedrich Müller den erkrank- ten Pfarrassistenten Herpel. Prof. Kellner suchte gegen Ende des Sommersemesters um seine Versetzung in den Ruhestand nach, die ihm mit Wirkung von 16. Oktober unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen bewilligt wurde. Doch schon am 17. Oktober starb er. Da die Beerdigung auf seinen Wunsch in der Stille stattfand, so nahmen nur der Di- rektor und der älteste Oberlehrer, Prof. Dr. Ihne teil. Der Direktor legte einen Kranz an der Bahre nieder mit Worten des Dankes und der Anerkennung für die Dienste, die der charaktervolle, liebenswerte Amtsgenosse leider nur so kurze Zeit unserer Anstalt widmen konnte. An seine Stelle trat der Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms, Prof. Dr. Adam Heussel.

Adam Heussel, geb. am 5. Oktober 1870 zu Raibach bei Gross-Umstadt, erwarb sich am Gymnasium zu Aschaffenburg im Jahre 1889 das Zeugnis der Reife für das Universitätsstudium, studierte in Giessen Theologie und Geschichte und bestand die theologische Fakultätsprüfung im Frühjahr 1893. Nach einjährigem Besuch des Predigerseminars zu Friedberg widmete er sich zunächst noch historischen, philosophischen und germanistischen Studien, wurde von der philosophischen Fakultät der Universität Giessen zum Doctor promoviert und trat im August 1895 in den Dienst der hessischen evangelischen Landeskirche. Nach pfarramtlicher Tätigkeit in Sicken- hofen, Brauerschwend, Holzheim, Giessen und Flonheim wurde er im Herbst 1905 an die Grossherzogliche Ober- realschule zu Worms berufen, von da im Herbst 1913 an das Grossherzogliche Neue Gymnasium in Darmstadt.

Am 1. Oktober wurde Lehramtsreferendar Dr. Friedrich Boller zum Lehramtsassessor ernannt.

Zum 25. November erhielt Oberlehrer Prof. Dr. Wilhelm Büchner das Ritterkreuz erster

Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen.

Prof. Dr. Wilhelm Fischer war vom 4. 12. März 1914 zur Teilnahme an dem mathe- matisch-naturwissenschaftlichen Fortbildungskursus in Giessen beurlaubt.

Mit Wirkung vom 1. April 1914 tritt Oberlehrer Professor Richard Hölscher aus dem hessischen Staatsdienste aus, um sich ganz seiner künstlerischen Tätigkeit zu widmen. Nicht wir allein beklagen das Scheiden dieses vortrefflichen Lehrers, der auf dem Gebiet des Zeichen- unterrichts bahnbrechend gewirkt hat.

Am 1. April verlassen Lehramtsassessor Dr. Otto Schaffner und Dr. Heinrich Kaffen- berger den hessischen Staatsdienst, jener um eine Lehrerstelle in Waren in Mecklenburg, dieser in Greiz anzunehmen.