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G. Zur Geschichte der Anstalt.
l. Personalangelegenheiten.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 30. Juni v. J. wurde der Direktor des Neuen Gym- nasiums in Darmstadt Ludwig Nodnagel zum vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, unter Verleihung des Charakters als Geheimer Oberschul- rat ernannt. Unsere Anstalt hat in ihm ihren Begründer und langjährigen trefflichen Leiter verloren. Möge ihm die Thätigkeit in dem höheren, in schwerer Zeit übernommenen Amt, zu dessen erfolgreicher Bekleidung ihm hervorragende Geistes- und Charaktereigenschaften verliehen sind, dieselbe Befriedigung gewähren, die er nach eigenem Ausspruch in dem Kreise seiner früheren, stets dankbaren Mitarbeiter und Schüler gefunden hat.
Zu seinem Nachfolger wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 31. Juli 1899 der Direktor des Grossh. Gymnasiums zu Bensheim, Dr. Gustav Forbach mit Wirkung vom 6. August v. J. ernannt und am 10. August von Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel in sein Amt eingeführt.
Gustav Forbach, geb. 1. September 1853 zu Giessen, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, wandte sich dann auf der Landesuniversität dem Studium der klassischen Philologie zu und trat im Herbst 1874 an dem Gymnasium zu Worms zuerst in den höheren Schuldienst ein. Nachdem er in Giessen seiner Militärpflicht genügt hatte, wurde er Ostern 1876 an dem Gymnasium zu Darmstadt als provisorischer Lehrer und am 7. Oktober desselben Jahres ebendort definitiv angestellt. Bei Gründung des Neuen Gymnasiums in Darmstadt, Herbst 1890, wurde er an diese Anstalt versetzt, am 12. Februar 1896 zum Direktor der höheren Mädchenschule in Offenbach und am 17. Juli 1897 zum Direktor des Grossh. Gymnasiums in Bensheim ernannt.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 31. Juli 1899 wurde Prof. Dr. Gustav Mohr zum Direktor des Grossh. Gymnasiums in Büdingen und Prof. Dr. Hermann Balser zum Direktor des Grossh. Gymnasiums in Laubach(Gymnasium Fridericianum) ernannt. Mit ihnen sind zwei erfahrene durch Gewissenhaftigkeit, wissenschaftliche und pädagogische Tüchtigkeit aus- gezeichnete Kollegen aus unserem Lehrkörper geschieden. Unser Dank für ihre der Anstalt geleisteten erfolgreichen Dienste begleitet sie in ihre neuen Stellungen mit dem Wunsche, dass ihnen in dem umfangreicheren Wirkungskreise gleicher Erfolg und gleiche Anerkennung wie hier zu teil werden mögen.
An die Stelle des Gymnasialdirektors Dr. Mohr wurde Gymnasiallehrer Dr. August Baur vom Gymnasium zu Giessen durch Allerhöchstes Dekret vom 16. September 1899 an
unsre Anstalt berufen.
Dr. August Baur wurde am 8. Oktober 1861 zu Friedberg in Hessen geboren. Er besuchte zuerst die Elementar-, dann die Realschule seiner Vaterstadt, trat Herbst 1877 in die Unterprima des Ludwigs- Georgs-Gymnasiums zu Darmstadt ein und bestand daselbst Herbst 1879 die Maturitätsprüfung. Nunmehr widmete er sich— nach Ableistung seiner militärischen Dienstzeit Herbst 1879/80— auf den Universitäten Giessen und Berlin dem Studium der klassischen Philologie, des Deutschen und der Geschichte; promovierte in Giessen Dezember 1885 und bestand ebendort Oktober 1886 die Staatsprüfung. Seinen Access absolvierte er am Gymnasium zu Büdingen, fand dort auch seit April 1888 provisorische Verwendung und im April 1891 definitive Anstellung. Herbst 1896 wurde er an das Gymnasium zu Giessen und Herbst 1899 an das Neue Gymnasium in Darmstadt versetzt.
Mit der Verwaltung der durch die Beförderung des Herrn Prof. Dr. Balser erledigte Lehrerstelle wurde durch Verfügung vom 23. August v. J. der damalige Lehramtsaccessist, jetzige Lehramtsassessor(seit 19. Oktober 1899) Dr. Otto Glaser betraut.
Mit Urlaub waren abwesend: Prof. Dr. Lenz vom 10.— 23. April 1899 in Paris; Prof. Dr. Balser während derselben Zeit; Prof. Dr. Ihne vom 18.—23. September 1899 zum Besuch der Naturforscherversammlung in München; Prof. A. Mendelssohn vom 22. Januar bis 14. Februar 1900.
Dem Kollegen Dr. E. Anthes wurde durch Allerhöchste Entschliessung vom 15. Nov. 1899 der Charakter als Professor verliehen.
2. Gesundheitliches.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen gut; nur hielt Ende April und Anfang Mai v. J. eine ungefährliche Hautkrankheit zahlreiche Schüler der Untertertia mehrere Tage vom Schulbesuche ab.
Wenig befriedigend war der Gesundheitszustand in dem Lehrerkollegium.


