Jahrgang 
1892
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VII

Am Tage der Beisetzung, Donnerstag, den 17. März, fand in dem würdig geschmückten Turnsaale eine Trauerfeier mit Choralgesang statt, bei der Kollege Dr. Balser die Gedächt- nisrede hielt und Kollege Trümpert ein Gebet sprach.

An der Bahre des unvergesslichen Fürsten liessen wir im Namen des Neuen Gym- nasiums als letzte Huldigung einen Kranz niederlegen; an der Beisetzungsfeier beteiligte sich das Lehrerkollegium in corpore.

Möge unsrer Anstalt, wie sie unter den Auspizien Ludwigs IV. fröhlich und hoff- nungsvoll ins Leben getreten ist, unter dem Scepter seines Nachfolgers, Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs Ernst Ludwig, eine gedeihliche Fortentwicklung beschieden sein.

2. Das am 6. April 1891 eröffnete Schuljahr 1891/92 brachte unserer Schule eine Reihe von Personalveränderungen.

Es verliessen uns die Kollegen Dr. Josephe Hahn, der mit Wirkung vom 1. April 1891 zum Direktor der Grossh. Realschule zu Heppenheim ernannt wurde, und Karl Eger, der in den Dienst der evangelischen Kirche eintrat. Der Dank der Anstalt für gewissenhafte und erfolgreiche Thätigkeit begleitete beide Amtsgenossen in ihre neuen Stellungen.

Für sie wurden der Stadtpfarrer und ausserordentliche Lehrer am Neuen Gymnasium Raudolf Trümpert und der Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz Dr. Ludicig Baur durch Dekrete mit Wirkung vom 1. April 1891 berufen.

Den Gesangunterricht übernahm am 1. Juni 1891, und zwar zunächst provisorisch, vom 17. Oktober v. J. an als definitiv angestellter Lehrer an dem Neuen Gymnasium Arnold Mendelssohn, dem durch Verfügung vom 30. Juli v. J. zugleich die Erteilung des Gesang- unterrichts am Ludwig-Georgs-Gymnasium übertragen wurde. Als provisorischer Lehrer trat am 6. April 1891 der Gymnasiallehramts-Accessist Theodor Ritsert aus Darmstadt ein.

Ueber den Lebensgang der neu eingetretenen definitiv angestellten Lehrer haben wir folgendes mitzuteilen:

Rudolf Trümpert, geboren zu Assenheim am 15. Mai 1849, besuchte das Gymnasium zu Giessen 1861 1867, studierte 1867 70 in Giessen evangel. Theologie, gehörte dem Predigerseminar zu Friedberg 1870 71 an, wurde nach abgelegter Staatsprüfung 1872 Vikar zu Langen, 1873 Pfarrer zu Rödelheim, 1882 Religionslehrer am Ludwig-Georgs- Gymnasium zu Darmstadt, 1890 Stadtpfarrer zu Darmstadt und am 1. April 1891 Lehrer am Neuen Gymnasium.

Dr. Laccig Baur, geboren zu Griesheim am 27. Oktober 1857, studierte 1875 1880 Mathematik u. Physik, wirkte von Ostern 1882 bis zum November 1883 als provisorischer, sodann bis Ostern 1886 als definitiv angestellter Lehrer an der Realschule und dem Pro- gymnasium zu Alzey, von Ostern bis Herbst 1886 als Lehrer am Realgymnasium in Mainz, sodann bis Ostern 1891 als Gymnasiallehrer dortselbst und wurde mit Wirkung vom 1. April 1891 zum Lehrer an dem Neuen Gymnasium ernannt..

Arnold Mendelssohn, geboren zu Ratibor in Oberschlesien am 26. Dezember 1855, war nach Vollendung seiner musikalischen Studien von 18801883 Universitätsmusiklehrer in Bonn, von 1883 86 städtischer Musikdirektor in Bielefeld, von 188691 Lehrer für Orgel- spiel und Komposition am Conservatorium zu Köln und wurde 1891 als Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt und Kirchenmusikmeister definitiv angestellt.

3. Mit Ablauf des Schuljahres 1891/92 werden die Kollegen Heinrich Frite und Dr. Hugo Müller von unserer Anstalt scheiden, um in das Lehrer-Kollegium des Ludwig- Georgs-Gymnasiums überzutreten. Auch ihnen wird das Neue Gymnasium für treue und erspriesslichen Wirksamkeit dankbar verbunden bleiben. Zu ihren Nachfolgern sind Prof. Münch aus Wimpfen und Dr. Maurer aus Giessen bestimmt worden, deren Personalien der nächste Jahresbericht enthalten wird.

4. Das mit dem Neuen Gymnasium verbundene pädagogische Seminar zählte 13 Mitglieder(s. o.); zwei weitere Accessisten nahmen mit höherer Genehmigung als Hospi- tanten an den Uebungen und Konferenzen teil. Aus dem Seminar wurde Dr. Schneider