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Auch im vergangenen Schuljahr hat die Schülerzahl in gewohntem Verhältnis zugenommen, ſo daß die Geſamtzahl der Schüler auf 461 geſtiegen iſt. Immer notdürftiger behelfen wir uns daher in den verfügbaren, teilweiſe nur allzu kleinen und unzulänglichen Schulzimmern und ſehen mit Ungeduld der Zeit entgegen, wo uns die freundlichen und geſunden Räume der techniſchen Hochſchule wieder in Beſitz gegeben werden. Das immer baufälliger werdende Kyritz'ſche Haus wird nach der vorgenommenen grõßeren Ausbeſſerung hoffentlich für den Reſt unſerer Wartezeit den Dienſt nicht verſagen.
Erfreulicherweiſe hat in der Zuſammenſetzung des Lehrkörpers im Schuljahre 1892/93 nur geringer Wechſel ſtattgefunden. Anſtelle des zum Leiter der Realſchule in Alsfeld ernannten Reallehrers Haller wurde durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums vom 19. März 1893 der proviſoriſche Reallehrer Dr. Philipp Brückel der Schule zugewieſen. Derſelbe iſt geboren den 2. Juni 1864 zu Nieder-Ramſtadt, hat in Gießen Mathematik, Phyſik und Mineralogie ſludiert und nach Erlangung der facultas docendi im Januar 1887 und nach Ableiſtung ſeines Acceſſes zuerſt vertetungsweiſe an der Realſchule zu Oppenheim und dem Ludwig-Georgs Gymnaſium dahier gewirkt, zuletzt aber proviſoriſch eine Stelle an dieſer Schule verwaltet.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 22. September 1892 wurde der proviſoriſche Reallehrer Dr. Georg Greim mit Wirkung vom 16. October d. J. 1892 an das Realgymnaſium dahier versetzt.
An ſeine Stelle trat intolge Verfügung Großh. Miniſteriums vom 22. September 1892 der proviſoriſche Reallehrer Dr. Jacob Kraus, geboren den 5. März 1863 in Hohen-Sülzen, Kreis Worms. Derſelbe hat in Gießen im November 1886 die facultas docendi für Mathematik, Phyſik und Zoologie erlangt, wirkte von Oktober 1889 bis Oſtern 1890 an der höheren Bürgerſchule zu Pfungſtadt, von da bis Oſtern 1891 am Realgymnaſium zu Gießen, darauf am Gymnaſium zu Mainz bis Oſtern 1892 und zuletzt an der Realſchule zu Bingen. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 10. Dezember 1892 wurde er zum definitiven Lehrer an unſerer Schule ernannt.
Der proviſoriſche Reallehrer Heinrich Getrost mußte mit Beginn des verfloſſenen Schul- jahres ſtark entlaſtet werden, weil ihm 12 Zeichenſtunden an dem Ludwig-Georgs-Gymnaſium übertragen wurden.
Am 18. und 19. Oktober 1892 wohnte der Herr Geheime Oberſchulrat Soldan dem Unter- richt in verſchiedenen Schulklaſſen bei.
Am 30. November 1892 wurde Reallehrer Heinrich Kusslick zum Stadtverordneten der Stadt Darmſtadt erwählt.
Einziehungen einzelner Lehrer zu militäriſchen Uebungen und Beurlaubungen zu anderen Zwecken fanden keine ſtatt.
Die regelmäßig wiederkehrenden Schulfeſte wurden in üblicher Weise gefeiert.
Dem mit der Sedanfeier am 2. September 1892 verbundenen Jugendfeſt fehlte es infolge der vorhandenen Choleragefahr im allgemeinen etwas an ungezwungener Friſche und Freudig- keit. Die dabei zur Verhütung von Erkrankungen und zum Schutze der Schüler getroffenen Maßregeln bewährten ſich vollſtändig. Wir dürfen wohl an dieſer Stelle den in unſerer Kapelle von Pfeifern und Trommlern mitwirkenden Schülern unſern Dank ausſprechen für die lobens- werte Ausdauer und Hingebung, mit der ſie zum Gelingen des Feſtes ſo weſentlich beige- tragen haben.


