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Zu militäriſchen UÜbungen wurden im Laufe des Schuljahres eingezogen und während ihrer Dienſtzeit von ihren Kollegen bereitwilligſt vertreten:
1. Reallehrer HEiss vom 20.— 30. April 1891; 2. Reallehrer DR. WEINSHEIMER vom 3. Auguſt bis 21. September 1891; 3. der prov. Reallehrer GErkosr vom 27. Auguſt bis 5. November 1891; 4. Reallehrer DR. LElpoL vom 15.— 25. März 1892. Wegen Krankheit mußte nur Kollege DR. ScHMEHI. länger als 1 Woche vertreten werden.
Von beſonderen Schulfeſten während des verfloſſenen Schuljahres möge hier das glän- zend verlaufene Jugendfeſt am 2. September 1891 Erwähnung finden, bei dem Kollege HALLER die Feſtrede hielt und unſere Schule zum erſtenmal mit ihrer aus Trommlern und Pfeifern be- ſtehenden eignen Kapelle auftrat. Dieſelbe hatte unſer Kollege HEiss mit lobenswerter und ſelbſtloſer Hingebung ins Leben gerufen.
Der Geburtstag des geliebten Landesfürſten, Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, wurde, wie es die ſchöne Sitte verlangt, durch einen Schulaktus geſeiert, bei dem Kollege DR. UxVERZAGT die Feſtrede hielt.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers wurde durch zweckentſprechende Anſprachen der Klaſſenlehrer in den einzelnen Schulklaſſen feſtlich begangen.
An dem am 22. Dezember 1891 erfolgten Leichenbegängnis des Herrn Oberbürger- meiſters Ohly beteiligte ſich das ganze Kollegium. Unſere Schule verlor in dem Verſtorbenen einen verſtändnisvollen, treuen Freund, einen ſtets bereiten Helfer und Förderer ihrer Intereſſen. Wir werden ihm ein treues, dankbares Andenken bewahren.
Die vorſchriftsmäßigen monatlichen Schülerausflüge fanden regelmäßig ſtatt. Außerdem wurden 2 Nachmittage des Monats Januar zum Schlittſchuhlaufen freigegeben. An 10 Tagen fiel der Nachmittagsunterricht wegen zu großer Hitze aus.
Neben verſchiedenen Gebern ſind wir beſonders unſerem Kollegen Höxto, unter anderem für ein Exemplar der offiziellen Zeitung der elektriſchen Ausſtellung in Frankfurt a. M. i. J. 1891, zu Dank verpflichtet.
Auch der ſtädtiſchen Verwaltung ſagen wir an dieſer Stelle geziemenden Dank, einmal für die bauliche Einrichtung einer neuen Klaſſe, dann aber ganz befonders dafür, daß ſie wenigſtens einen großen Teil unſerer Schulzimmer mit zweckentſprechenden, modernen Anforderungen genügenden Schulöfen verſehen und hierdurch für ſehr empfindliche Mißſtände Abhilfe geſchafft hat.
Mit dem Beginn der Arbeiten für den Neubau der techniſchen Hochſchule iſt endlich die Löſung der dringenden Frage eines anderen Schulhaufes in überſehbare Ferne gerückt.
Die Redaktion vorliegender Schulnachrichten war gerade vollendet, als wie ein Blitzſtrahl aus faſt heiteren Höhen die Nachricht von der ſchweren Erkrankung unſeres geliebten Landes- fürſten, Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs Ludwig IV., die heſſfiſchen Lande durcheilte. Noch bangte und hoffte das treue heſſiſche Volk eine lange Woche hindurch um das teure Leben. Wie wollte man dem Gedanken Raum geben, daß dieſer foldatiſche, friſche und rüſtige Fürſt ſo bald und ſo jäh aus der Zahl der Lebenden herausgeriſſen würde. Doch in Gottes uner- forſchlichem Ratſchluß war es anders beſchloſſen. In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1892 erlag der hohe Herr ſeinem Leiden.


