Jahrgang 
1892
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Der Perſonalbeſtand des Kollegiums hat wiederum große Veränderungen erfahren.

Da der Geſundheitszuſtand des erkrankten Kollegen TöRck ſich immer noch nicht ge- beſſert hatte, ſo wurde ſeine Vertretung dauernd in die Hände des Schulverwalters Johannes BuMANN aus Biſchofsheim gelegt. Doch ſchon am 24. Mai 1891 erlag unſer lieber Kollege TöRnck ſeinem ſchweren, mit Standhaftigkeit und Geduld ertragenen Leiden. Eine großartige Leichenfeier zeugte von der allgemeinen Liebe und Verehrung, die ſich der ſelig Entſchlafene zu erringen gewußst hatte. Außer vielen anderen von Freunden und Verehrern des Verſtor- benen gehaltenen Grabreden wurde auch von dem Direktor dem zur ewigen Heimat ein- gegangenen Kollegen ungefähr nachfolgende Worte dankbarer Erinnerung über das Grab hinaus nachgerufen:

v..... Wir ſtehen hier am Schluſſe eines Lehrerlebens, von dem in ganz beſonderem

»Maße die Worte des Pſalmiſten gelten, daß es köſtlich geweſen iſt, weil es voll Mühe

»und Arbeit geweſen iſt, eines Lebens aber, das zugleich vergeiſtigt und verklärt war

»durch ein hohes Pflichtgefühl und eine ſelbſtloſe unermüdliche Hingabe an dem erwähl-

yten Beruf. In ſolcher Treue und Stetigkeit wirkte und ſchaffte der von uns geſchiedene

»Kollege, beſcheiden und in ſich ſelbſt zufrieden, ſo lang es Tag war und hielt wie ein

»treuer Soldat auf dem ihm anvertrauten Poſten aus, bis er todeswund zuſammenbrach.

»Einem ſolchen Leben voll Entſagung, Fleiß, Aufopferung und Hingebung folgt die treue

»Dankbarkeit und Liebe nicht nur bis zum Grabe, ſondern wohl dürfen wir in chriſtlichem

»Vertrauen die Hoffnung hegen, daß ſeine Werke ihm nachfolgen.«

Kollege BuMANN blieb weiter mit der Verwaltung der Türck'ſchen Lehrerſtelle betraut. Derſelbe iſt geboren am 12. Juli 1868 zu Schlierbach, Kr. Bensheim, beſtand das Schluß- examen am Seminar zu Bensheim im März 1887 und die Staatsprüfung im Mai 1889. Seit Mai 1887 war er Schulverwalter in der Gemeinde Biſchofsheim, Kr. Groß-Gerau.

Da Kollege DR. Orro DrrrMAR durch Allerhöchſtes Dekret und miniſterielle Verfügung vom 1. April 1891 an die Realſchule zu Wimpfen a. B. verſetzt worden war, und weiter zur Teilung der erſten Klaſſe und Abſtellung ſtörender Kombinationen zwei weitere Lehrkräfte bewilligt worden waren, ſo wurde durch Großh. Miniſterium mit Beginn des Schuljahres nach- folgend aufgeführte Kollegen mit der proviſoriſchen Verwaltung von Lehrerſtellen an unſerer Schule betraut.

1. LupwIG HöNIG, geboren den 28. März 1860 zu Darmſtadt, erlangte im Sommer 1888 die venia docendi für Mathematik, Phyſik& Chemie und war ſeit dieſer Zeit als Accefſiſt und Volontär, ſowie vertretungsweiſe an dem Realgymnaſium dahier beſchäftigt.

2. LupwWIG DIETRICH, geboren den 16. Mai 1864 zu König i. O., ſeit März 1891 im Beſitz der venia docendi für Deutſch und moderne Sprachen, wirkte vorher 4 Jahre als Lehrer an den Volksſchulen zu Ober-Ramſtadt und Pfungſtadt.

3. LupwIG HaAssELBAUM, geboren den 31. Januar 1863 zu Eberſtadt, Kr. Gießen, hat ſeit Auguſt 1888 die venia docendi für Deutſch, Geſchichte und moderne Sprachen und war bisher vertretungsweiſe an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Darmſtadt beſchäſtigt.

Durch Dekret Sr. Königlichen Hobeit des Großherzogs und miniſterielle Verfügung vom 9. Juni 1891 wurde der proviſoriſche Reallehrer DR. Orro DiEFFENBACH zum definitiven Lehrer an unſerer Schule ernannt. Doch bereits am 30. Juli wurde demſelben vom Großh.