Jahrgang 
1881
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VI. Cbronik der Anſtalt. a. Amtliche Mittheilungen.

Durch Allerhöchſtes Decret vom 12. März 1881 wurde der proviſoriſche Lehrer Friedrich Hainebach definitiv an der Realſchule angeſtellt.

Durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, wurde am 21. April 1881 dem Schulverwalter Julius Reuß zu Friedberg die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Vorſchule, und am 20. Mai 1881 dem ſeitherigen Hülfslehrer an der Realſchule, Wilhelm Heiß die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule übertragen, ſodann am 13. Juni 1881 dem Gymnaſial⸗ und Realſchul⸗Lehramts⸗Acceſſiſten Auguſt Fuldner aus Raboldshauſen die Zulaſſung zum Acceß an der Realſchule geſtattet.

b. Jahresbericht.

1. Das Schuljahr 1880 81 nahm Montag den 18. October 1880 ſeinen Anfang mit 899 Schü⸗ lern, wovon 446 der Realſchule I. Ordnung, 237 der Realſchule II. Ordnung und 216 der Vorſchule zugehörten. Die Geſammtzahl der Schüler betrug 987, hiervon entfallen auf die Realſchule 721 und auf die Vorſchule 266.

2. Die Vorſchule iſt durch die Anſtellung eines weiteren Lehrers weſentlich gefördert worden. Bei den zahlreich beſuchten Klaſſen erwies ſich die Trennung der Schüler in den Hauptfächern als eine Nothwendigkeit, und mit dem Eintritte des Herrn Reuß(28. April) erfolgte daher die Bildung von Ab⸗ theilungen. Die genaue Befolgung des vorgeſchriebenen Lehrplans iſt hierdurch geſichert. Ein weiterer bis dahin nicht verwendeter Schulſaal im alten Pädagoggebäude wurde zur Durchführung der Maßregel in Gebrauch genommen.

5. Im abgelaufenen Schuljahre wurden der Anſtalt zwei Schüler durch den Tod entriſſen. Am 25. Februar 1881 erkrankte Johann Keller aus Griesheim, Schüler der dritten Klaſſe der Realſchule II. Ordnung, und ſchon am 27. Februar erlag derſelbe im elterlichen Hauſe einem Gehirnſchlage. Der Director und der Ordinarius der 3. Klaſſe, ſowie Schüler der letzteren begleiteten den Verſtorbenen am 2. März zur letzten Ruheſtätte. Philipp Boos, Schüler der Klaſſe IIIb. der Vorſchule ſtarb am 27. Juni. Die vorausgegangene Krankheit(Scharlach) erlaubte nicht die übliche Begleitung durch die Mitſchüler. Im Uebrigen kamen bei den Schülern Erkrankungen nur in geringer Zahl vor, dagegen traten namhafte Störungen in dem Geſundheitszuſtand des Lehrerperſonals ein. Herr Dr. Schmehl war ge⸗ nöthigt, ſeinen Unterricht fünf Wochen lang(19. Jan. 22. Febr.) auszuſetzen, Herr Völſing II. mußte wiederholt je 14 Tage das Zimmer hüten. Im Ganzen fehlten 20 Lehrer an 136 Schultagen, in den meiſten Fällen war Erkrankung der Athmungsorgane die Veranlaſſung. Leider beſchränkte ſich die Cala⸗ mität nicht auf dieſe Fälle und Tage, denn am 31. März wurde Herr Profeſſor Dr. Weis von einem äußerſt heftigen Bronchialkatarrh befallen, der ſich in ſeinen Folgen ſo ſchwer erwies, daß der verehrte Kollege nach eingetretener Reconvalescenz eine Badekur in Ems antreten mußte. Dieſe hat den beſten Erfolg gehabt, indeſſen ſah ſich Herr Weis auf Anrathen ſeines Arztes veranlaßt, um Verlängerung des ertheilten Urlaubs bis zum Beginn des Winterſemeſters nachzuſuchen. Wir dürfen uns der ſicheren Hoff⸗ nung hingeben, daß dann der verdiente Lehrer in altgewohnter Friſche und Rüſtigkeit ſeine Thätigkeit in der Schule wieder beginnen werde. Die nothwendigen Vertretungen wurden von den Mitgliedern des Lehrercollegiums bereitwillig übernommen.