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8. Naturwiſſenſchaften.
Der Unterricht in den Naturwiſſenſchaften ſoll dem Schüler einen gewiſſen Schatz von Kenntniſſen überliefern, ihm Freude an der Natur beibringen und ihn beobachten und das Beobachtete geiſtig ver⸗ werthen lehren.
a. Naturgeſchichte. Lehrziel iſt: Kenntniß der hauptſächlichſten Thier⸗ und Pflanzenformen, namentlich der einheimiſchen und für uns beſonders wichtigen; Vekanntſchaft mit den unterſcheidenden Merkmalen und den hierauf begründeten Syſtemen; Kenntniß der Hauptorgane des menſchlichen, thieriſchen und Pflanzen⸗Körpers, ſowie ihrer Functionen; Ueberblick über die wichtigſten Mineralien und Felsarten, ſowie über deren Lagerungsverhältniſſe.— Aus der großen Fülle von Stoff iſt nur relativ Weniges herauszugreifen, dies aber eingehend zu behandeln und ſtets die Verbindung zu einem Ganzen herzuſtellen. — Ueberall iſt von der Anſchauung auszugehen.— Von Klaſſe IV an iſt ein Lehrbuch einzuführen.
Auf die einzelnen Klaſſen vertheilt ſich der Stoff in folgender Weiſe: In Klaſſe VI wird durch Betrachtung einer verhältnißmäßig kleinen Anzahl von Repräſentanten des Thier⸗ und Pflanzenreichs zu⸗ nächſt das Beobachtungs⸗ und Unterſcheidungsvermögen geübt. In der Zoologie wird dabei mit den Wirbelthieren begonnen. In Klaſſe V werden die früher behandelten und die neu hinzutretenden Reprä⸗ ſentanten der beiden Reiche nach ihrer Verwandtſchaft in Gruppen zuſammengeſtellt. In Klaſſe IV und III. Syſtematiſche Ueberſicht des Thier⸗ und Pflanzenreichs. Das Wichtigſte aus der Anatomie und Phyſiologie. Kurze Betrachtung der hauptſächlichſten Organe des menſchlichen Körpers und ihrer Ver⸗ richtungen. Das Sommerhalbjahr wird vorzugsweiſe für Botanik, das Winterhalbjahr dagegen für Zoo⸗ logie benützt. In den Klaſſen II und I Mineralogie im Anſchluß an die Chemie, die wichtigſten Felsarten und ihre Lagerungsverhältniſſe.
b. Phyſik. Lehrziel: Kenntniß der wichtigſten phyſikaliſchen Erſcheinungen und ihrer Geſetze, mit beſonderer Berückſichtigung der praktiſchen Anwendungen. In den beiden unteren Jahreskurſen beruht der Unterricht faſt ausſchließlich auf der Anſchauung. An den in der Natur beobachteten Vorgängen und zahlreichen Verſuchen werden die Schüler auf die Erſcheinungen aufmerkſam gemacht, daraus die Geſetze abgeleitet und dann auf die Urſachen, die Kräfte, hingewieſen.— In der oberſten Klaſſe tritt die deduktive Behandlung mehr hervor, jedoch muß das Experiment auch hier die Hauptrolle ſpielen. Ein Lehrbuch iſt einzuführen.
Der Unterrichtsſtoff vertheilt ſich in folgender Weiſe auf die einzelnen Klaſſen: In Klaſſe III: Die allgemeinen Eigenſchaften der Körper. Einiges aus der Mechanik, ſoweit es zum Verſtändniß des Späteren nothwendig iſt, mit Begründung durch das Experiment. Einiges aus der Wärmelehre. In Klaſſe II: Wärme, Magnetismus und Elektricität. In Klaſſe I: Das Nothwendigſte aus der Akuſtik. Katoptrik, Dioptrik, das Auge und die optiſchen Inſtrumente. Mechanik. Ueberſichtliche Wiederholung.
c. Chemie. Lehrziel: Die Elemente der anorganiſchen Chemie, ſowie das Weſentlichſte aus der chemiſchen Technologie der wichtigeren anorganiſchen Produkte.— Ein Lehrbuch iſt einzuführen.— Der Stoff iſt in angemeſſener Weiſe auf die Klaſſen II und I zu vertheilen.
9. Zeichnen.
Der Unterricht im Zeichnen beginnt mit Vorzeichnen durch den Lehrer an der Schultafel; daran reiht ſich das Zeichnen nach Vorlagen, Modellen und Gipsabgüſſen in methodiſcher Folge, wobei auch den antiken Formen Aufmerkſamkeit zuzuwenden iſt. An der graphiſchen Nachbildung von großen geometriſchen Körpern ſind die Schüler mit den wichtigſten Geſetzen der Perſpektive bekannt zu machen; hier können Ornamente der Baukunſt mit Erfolg beigezogen werden. Zur Ausbildung des Farbenſinns ſoll thunlichſt Gelegenheit gegeben alerden.— Das geometriſche Zeichnen wird in den beiden oberen Klaſſen gelehrt.


