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ligionsunterricht). Der Hofraum iſt ſchön und wenn auch für die Schülerzahl nicht groß, doch ausreichend. Der Platz vor dem Gebäude iſt durch Anlagen ſehr freundlich gemacht. Leider fehlen an der Fagade des Gebäudes noch die 4 Porträtſtatuen von Liebig, Humboldt, Gauß und Ritter, welche von den 4 Säulen getragen werden ſollen; ohne ſie würden die Säulen ganz bedeutungslos ſein. Desgleichen fehlt noch die allegoriſche Figur oben auf der Baluſtrade des Mittelbaues. Zwar wird immer noch im Hauſe gebaut, namentlich im chemiſchen Laboratorium, allein Lehrer nnd Schüler freuen ſich der ſchönen, behaglichen Räume. Nicht ohne einige Beſorgniß überließen wir der großen Schülermaſſe das künſtleriſch ausge⸗ ſchmückte Gebäude zur täglichen Benutzung, und anfängliche Zurückhaltung in mancher Beziehung hatte ihre guten, wohlerwogenen Gründe. Allein die Schüler haben ſich raſch in die neuen Verhältniſſe ein⸗ gelebt, und, was wir immer vorausgeſagt hatten, die erzieheriſche und bändigende Wirkung des Schönen und Wohlgeordneten hat ſich auch hier wieder bewährt, und man konnte bald freiere Bewegung geſtatten.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog geruhten am 28. April l. J. das Gebäude zu beſichtigen und einer ſehr eingehenden Beurtheilung zu würdigen.
Der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern war in dieſem Schuljahre im Ganzen gut, trotz dem ungeſunden und gefährlichen Winter mit Diphterie und Scharlach. Zwar mußten wir einige Tage lang die Schule ſchließen wegen eines Sterbefalls an Scharlach in der Wohnung des Pedellen, allein nachdem alle Schulräume gehörig desinficirt waren, konnte der Unterricht bald wieder beginnen. Bei Schülern und Lehrern haben wir keinen Todesfall zu beklagen; aber viele Erkältungen, insbeſondere Leiden der Reſpirationsorgane kamen vor. Hoffen wir, daß die Heizung des neuen Gebäudes, welche in dem kalten Frühjahr auch noch nach unſerem Ueberzug in Thätigkeit erhalten werden mußte und ſich gut bewährt hat, dem für die Zukunft vorbeugt.
Wie alljährlich ſo wurden auch in dieſem Schuljahre mit den Schülern mancherlei Spaziergänge und Wanderungen unternommen und zu unterrichtlichen und erziehlichen Zwecken benutzt.
Bei der Enthüllungsfeier des Denkmals für die Heſſiſchen Krieger am 18. Auguſt betheiligte ſich die Realſchule am Feſtzuge.
Freiſtellen waren im Schuljahre 1878— 79 35 vergebeu.
Am 27. Auguſt 1879 trat Herr Roth, ein ehemaliger Schüler unſerer Anſtalt, als Acceſſiſt ein. Er hat das Examen für das höhere Lehrfach vom naturwiſſenſchaftlichen Standpunkte abgelegt.
Am 2. September feierte die Realſchule zum erſtenmale gemeinſam das Sedanfeſt in ihrer Aula, was früher nur klaſſenweiſe in den einzelnen Lehrzimmern geſchehen konnte.
Am 12. September feierte ſie in ähnlicher Weiſe das Geburtsfeſt Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, unſeres geliebten Landesfürſten.
Die aus der Klunk'ſchen Stiftung alljährlich zu vertheilenden beiden Prämien erhielten bei dem Schlußacte des Schuljahres 1877—78: 1) Heinrich Reinhardt aus Darmſtadt, Schüler der Ober⸗Prima der Realſchule I. Ordnung (Schiller's Werke). 2) Wilhelm Fiſcher aus Darmſtadt, Schüler der Klaſſe I. der Realſchule II. Ordnung(Deutſches Balladenbuch mit Illuſtrationen).
Für die auch in dieſem Jahre der Schule gemachten Geſchenke ſagen wir den gütigen Gebern unſeren beſten Dank. Es ſind folgende:
Ein ehemaliger Realſchüler, welcher aber nicht genannt ſein will, ſchenkte vier ſchöne Kupferſtiche, die vier Facultäten nach Raphael; Herr Reallehrer Dr. Hangen ließ ſie geſchmackvoll einrahmen.
Herr Hofkupferſtecher Karl Rauch ſchenkte 3 Gypsmodelle für den Zeichenſaal: 2 romaniſche Säulencapitäle aus Aſchaffenburg und den liegenden Löwen, letztes Werk von Franz Harres.


