Jahrgang 
1878
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VI. Chronik der Anſtalt.

Das Schuljahr 1877 78 nahm am 15. Oktober 1877 ſeinen Anfang, und es wurden bei der Aufnahmeprüfung 163 Schüler neu aufgenommen. Dieſe Zahl der neu Aufgenommenen ſtieg im Laufe des Jahres auf 230.

Wie vorſtehende Tabelle zeigt, war auch in dieſem Jahre die Realſchule I. Ordnung ſelbſt nach Abzug der Schülerzahl von Ober⸗ und Unter⸗Prima ſtärker beſucht als die Realſchule II. Ordnung.

Wir hatten bei einem Geſammtbeſtand von 802 Schülern während des ganzen Schuljahrs eine Ueberfüllung der unteren Klaſſen, namentlich der Quarta, Quinta und Sexta der Realſchule I. Ordnung und der Klaſſe IV. der Realſchule II. Ordnung. Durch Trennung der Klaſſen muß dieſer Ueberfüllung abgeholfen werden, es fehlt uns aber dazu an den nöthigen Lehrräumen, und die Fertigſtellung des neuen Realſchulbaues zieht ſich wieder Vermuthen immer noch hinaus. Hoffen wir, daß vielleicht durch ein Proviſorium einſtweilen geholfen werden kann!! Weſentliche Veränderungen ſind im Laufe des Jahres an unſerer Schule nicht vorgegangen. Leider hatten wir, zum Theil veranlaßt durch den proviſoriſchen Stand der im Herbſt 1876 errichteten 3 Parallelklaſſen, wieder manchen Lehrerwechſel. Herr Dr. Philipp Hangen war mit Ende des Schuljahres 187677 ganz von unſerer Anſtalt geſchieden, an welcher er mit ſehr dankenswerther Bereitwilligkeit im Sommerhalbjahr noch den engliſchen Unterricht in der Prima behalten hatte, obgleich er ſchon am 1. April 1877 ſeine Entlaſſung erbeten und erhalten hatte. An ſeine Stelle trat mit Beginn des neuen Schuljahrs Herr Dr. Hermann Behne. An die Stelle des Herrn Ludwig Münch, welcher als definitiver Lehrer an das hieſige Gymnaſium verſetzt wurde, trat Herr Dr. Wilhelm Henſell. Zu Oſtern 1878 wurde dieſer wieder an das Gymnaſium zu Worms als definitiver Lehrer verſetzt, und im Sommerhalbjahr übernahm nun ſeinen Unterricht Herr Dr. Leopold Kornmeſſer.

Herr Hofkupferſtecher Karl Rauch, welcher lange Zeit Zeichenlehrer an der Realſchule geweſen war und gar manchen Schüler in dieſer edlen Kunſt gefördert hat, trat mit 1. Januar 1878 in den wohlverdienten Ruheſtand. Sein Unterricht ging von da an über in die Hände des Herrn Malers Auguſt Fritz und des Herrn Architecten Wilhelm Heiß.

Dr. Hermann Behne, Sohn eines evangeliſch⸗lutheriſchen Predigers in der Provinz Hannover, wurde am 19. Februar 1828 zu Moisburg bei Stade geboren. Er beſuchte das Gymnaſium zu Lüneburg, ging jedoch von der Secunda über in die Prima der dortigen Realſchule und widmete ſich nach Abſolvirung der Schule dem Buchhandel. Von Liebe zum Lehrerberuf erfüllt, trat er aber nach einiger Zeit in ein ſchweizeriſches Lehrerſeminar über und bekleidete ſpäterhin eine Hauslehrerſtelle in Mailand. Dann unter⸗ richtete er 3 ½ Jahr lang an 2 größeren Knabeninſtituten in Frankfurt a. M. Darauf ging er auf die Univerſität Göttingen und widmete ſich dem Studium der neueren Sprachen. Er erhielt ſodann die Stelle eines erſten Lehrers an der ſtädtiſchen höheren Töchterſchule, machte im Januar 1872 ſein Staats⸗ examen zu Göttingen und promovirte ein halbes Jahr darauf. Zu Michaelis desſelben Jahres folgte er, vom Provinzial⸗Schulkollegium in Hannover vorgeſchlagen, dem vom Schulvorſtande zu Otterndorf an ihn ergangenen Ruf an die höhere Bürgerſchule genannten Ortes, wo er als Conrector bis Herbſt 1877 verblieb. Darnach wurde er durch Allerhöchſtes Decret an der Großherzoglichen Realſchule zu Darmſtadt angeſtellt.

Dr. Leopold Kornmeſſer wurde am 29. Auguſt 1854 zu Höchſt im Odenwald geboren. Er beſtand im Herbſt 1872 die Maturitätsprüfung am Großherzoglichen Gymnaſium zu Darmſtadt, und nachdem er 8 Semeſter in Gießen klaſſiſche Philologie ſtudirt hatte, am 2. März 1877 daſelbſt die Fach⸗ prüfung für das höhere Lehramt vom Standpunkt der klaſſiſchen Philologie. Nachdem er hierauf promovirt hatte, genügte er vom 1. April 1877 bis 1. April 1878 ſeiner Militärpflicht und wurde durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 27. Februar 1878 zum proviſoriſchen Lehrer an der hieſigen Realſchule ernannt.