Jahrgang 
1877
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Mit einer kurzen Ansprache des Realschuldirectors an die Anwesenden und einer Erwiderung des Bürgermeisters schloss die einfache Handlung. Hoffen wir, dass aus dem, was in trüber Zeit mit ernster Stille geschah, für die Zukunft recht Gedeihliches entspriessen möge.

Kurzer Bericht über die Enstehungs-Geschichte des neuen Realschulgebäudes in der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt.

(Verfasst von dem dermaligen Grossh. Realschuldirector Lorey und bei der Grundsteinlegung am 6. Juni 1877 in den Grundstein eingelegt.)

Die Realschule zu Darmstadt als Staatsanstalt entstand eigentlich erst im Jahre 1835, nachdem die Grossherzogliche Staatsregierung im Jahre 1834 einen Plan für Errichtung dreier Provinzial- realschulen, nämlich zu Darmstadt, Mainz und Giessen je eine, entworfen und mit den Ständen ver- einbart hatte. Der Staat wollte zu jeder dieser Realschulen einen Beitrag von 3000 Gulden geben, und die Städte sollten sich zu einem gleichen Beitrag verstehen. So konnte im Jahre 1835 die neue Realschule in Darmstadt mit 4 Klassen ins Leben treten. Zwar hat früher schon in Darmstadt eine sogenannte Realschule bestanden und reicht mit ihren Anfängen bis in das Jahr 1822*) zurück; es war aber wie in Mainz nur eine städtische Schule mit 2, später 3 Klassen. Mit der zu Darmstadt stand schon seit 1822 eine Nebenschule für Bauhandwerker in Verbindung, zu welcher der Staat 500 Gulden Zuschuss jährlich gab. Die Absicht, eine allgemeine technische Centralschule im Gross- herzogthum zu errichten, fand dadurch in Darmstadt schon einen einigermassen vorbereiteten Boden für ihre Verwirklichung, und als der Gemeinderath der Stadt Darmstadt in Verhandlungen mit der Staatsregierung sich noch zu weiteren Beiträgen bereit erklärte, trat mit dieser Realschule alsbald die höhere Gewerbschule ins Leben. Diese gemeinsame„Real- und höhere Gewerbschule“ wuchs schnell, und das an sich schon sehr ungeeignete Schulhaus(dasselbe Haus, welches jetzt für das Hauptzollamt benutzt wird, Nr. 1 Eck der Pädagoggasse ſjetzt Soderstrasse] und Kirchstrasse) wurde bald unge- nügend. Die Stadt entschloss sich zur Erbauung eines neuen, stattlichen Hauses für diese Anstalt, und mit Beginn des Jahres 1845 wurde das neue Gebäude als vollendet und für die Zwecke des Unterrichts vollständig hergerichtet bei feierlichem Ueberzuge von dem damaligen Bürgermeister Brust der Schulbehörde und der Schule zur Benutzung übergeben. Das fortschreitende Bedürfniss realistischer und technischer Bildung, die Entstehung von Polytechniken in Deutschland äusserten natürlich auch ihre Wirkung auf diese Anstalt in Darmstadt; die Realschule nahm an Schülerzahl zu und musste ihren Unterrichtskreis erweitern, so dass sie im Jahre 1849 eine 6 klassige Schule wurde. Die höhere Gewerbschule strebte darnach und wurde durch die Verhältnisse dazu gedrängt, polytechnische Schule zu werden. So entstand dann aus der höheren Gewerbschule erst eine technische Schule, dann ein vollständiges Polytechnikum. Als nach dem Tode des Professors Dr. Külp, welcher der letzte ge- meinsame Director der beiden Anstalten gewesen war, die technische Schule eingerichtet wurde, er- hielt jede der Anstalten ihren besonderen Director, sie blieben aber in demselben Gebäude zusammen und benutzten chemisches Laboratorium, physikalisches Kabinet und die Sammlungen gemeinschaftlich. Zum ersten Director der gesonderten Realschule wurde am 19. Januar 1864 der bisherige Reallehrer Dr. Friedrich August Schäffer definitiv ernannt, nachdem er schon seit 1863 das Directorium dieser Schule provisorisch geführt hatte. Er starb am 19. März 1867. Ihm folgte Theodor Hofmann,

*) Bestimmt als Realschule ist sie am 1. November 1826 ins Leben getreten; ihr erstes Programm wurde am 23. Oktober 1827 von dem Director Erdmann ausgegeben.