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ſchied daher dieſer wackere Lehrer von unſerer Schule, an welcher derſelbe ſeit einer Reihe von Jahren mit gewiſſenhaftem Fleiße und dem beſten Erfolge gewirkt hatte.
Die bis dahin von ihm ertheilten Lehrſtunden in der Mathematik wurden alsbald an Reallehrer Ahl übertragen, ſo daß wie bisher die geſammte Geometrie in den 4 Ober⸗ klaſſen in der Hand des einen, die Arithmetik, Algebra und Trigonometrie in der Hand des andren Lehrers der Mathematik verblieb.
Dagegen wurde der bis dahin von den Reallehrern Becker und Ahl ertheilte Un⸗ terricht in der Geſchichte und deutſchen Sprache dem Gymnaſial⸗Acceſſiſten Dr. L. Schäffer ſeit dem 26. Oct. 1865 zugewieſen und dieſer durch Decret hoher Behörde vom 11. Ja⸗ nuar 1866 zum proviſoriſchen Lehrer an der Realſchule ernannt.
Leider war es dem Reallehrer Ahl nur wenige Tage vergönnt, ſeinen neuen Ob⸗ liegenheiten nachzukommen. Mit dem Beginne der zweiten Woche nach den Herbſtferien an demſelben hartnäckigen Uebel erkrankt, das ihn ſchon früher der Schule vorübergehend entzogen hatte, ward er diesmal nach mehrwöchentlichem Leiden am 27. Nov. 1865 ein Opfer desſelben. Wir beklagten ſchmerzlich den Verluſt dieſes ſtrebſamen Mannes, der in der Blüthe der Jahre der Schule gerade in dem Augenblicke entriſſen ward, in wel— chem er die Freude genoſſen hatte, in einen erweiterten Wirkungskreis an derſelben ein⸗ zutreten. Lehrer und Schüler, ſowie ſeine Freunde gaben dem Verſtorbenen am 29. Nov. das Geleite zu ſeiner Ruheſtätte, und der mit Blumen und Kränzen bedeckte Sarg wurde, nachdem Reallehrer Hofmann die Leichenrede geſprochen, unter dem von Muſik begleiteten Geſange der Schüler in das Grab hinabgeſenkt.
Dieſelbe Pflicht hatte die Schule am vorhergehenden Tage einem braven Schüler der VI. Klaſſe, Chriſtian Geyer, erfüllt, und wenige Monate ſpäter, am 13. Mai 1866, ſtand die Schule abermals am Grabe eines fleißigen Schülers der VI. Klaſſe, Auguſt Reitz, beide aus Darmſtadt.
Alsbald nach Erkrankung des Reallehrers Ahl wurden deſſen Lehrſtunden am 31. Oct. dem Gymnaſial⸗Acceſſiſten Schopp als Vicar durch hohe Behörde einſtweilen zugewieſen.
Am 18. Nov. wurde der Aſſiſtent der Chemie an der Großherzoglichen techniſchen Schule, Dr. Rößler, gemäß Verfügung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction vom 13. Nov. als Lehrer der Chemie in den Dienſt eingewieſen.
Am 27. Nov. verließ Gymnaſial⸗Acceſſiſt Schön nach Beendigung ſeines Accceſſes unſre Schule.
Der durch Beförderung des Reallehrers Becker erledigte Zeichenunterricht in den Klaſſen V. u. VI. wurde durch Beſchluß Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction vom 8. Januar 1866 dem Hofkupferſtecher Rauch übertragen, unter deſſen Leitung ſich ſomit der geſammte Zeichenunterricht an der Schule befindet.
Durch Beſchluß Großherzoglichen Miniſteriums vom 10. Januar 1866 wurde das Schulgeld für die Schüler aller Klaſſen auf jährlich 24 Gulden erhöht. In Folge der hierdurch zu erwartenden Steigerung der Einnahme, welche mit dem 1. Januar 1866 in Kraft zu treten hatte, ſah ſich der verehrliche Gemeinderath unſerer Stadt veranlaßt, auch die von ihm der Schule garantirte Summe für das in die Stadtkaſſe fließende Schulgeld in entſprechendem Verhältniſſe zu erhöhen. Durch dieſe Maßregel wurde es


