VI. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Die Aufnahmeprüfungen fanden am 28. April 1930 ſtatt, der Unterricht begann am 29. April nach einer gemeinſamen Feier mit 550 Schülern in 24 Klaſſen. Das Schuljahr wird am 28. März 1931 ſchließen.
Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde Herr Studienrat Joſeph Henk vom hieſigen Real⸗ gymnaſium an unſere Anſtalt verſetzt.
Herr Stadtarzt Medizinalrat Dr. Friedrich wurde von dem gleichen Zeitpunkt ab zum Schularzt unſerer Schule beſtellt.
Herrn Muſikoberlehrer Lambert wurden vom Kultusminiſterium 6 Stunden Muſtkunterricht an der hieſigen Aufbauſchule für Mädchen übertragen. Er mußte bei uns entſprechend entlaſtet werden.
Als Volontäre wurden uns die Herren Studienaſſeſſoren Dr. Hans Hellwig und Werner Schoch überwieſen. Herrn Schoch wurde am 1. Mai die Verwaltung einer Studienratsſtelle an der Realſchule in Neu⸗Iſenburg übertragen. Herr Dr. Hellwig übernahm am 19. Mai eine Vertretung in Mainz.
In das Pädagogiſche Seminar traten zu Oſtern 1930 neu ein die Herren Studienreferendare Rudolf Erckmann, Ernſt Hilmar Frommann und Ernſt Weis; im Herbſt 1930 die Herren Studienreferendare Hans Gerhard, Karl Heerd, Herbert Joutz, Heinz Mann, Werner Ratz, Leonhard Rettig und Wilhelm Schneider.
Nach Beendigung ihres Seminarjahres ſchieden aus dem Pädagogiſchen Seminar aus im Herbſt 1930 die Herren Studienreferendare Ludwig Glückert, Richard Pitthan, Hans Georg Neumeiſter, Dr. Wilhelm Quirin und Dr. Walter Seibt, am Schluß des Schuljahres die Herren Referendare Rudolf Erckmann, Ernſt Hilmar Frommann und Ernſt Weis.
Herr Staatsrat Block wohnte am 20. November 1930 einer Seminarſitzung bei.
Am 27. Juni beſuchten der Direktor, die Herren der erdkundlichen Fachgruppe und die Referendare den Unterricht des Herrn Lutz in der Ohlyſchule, der mit ſeiner Klaſſe das Modellieren eines Landſchafts⸗ bildes im Sandkaſten zeigte.
Am 11. September 1930 beſuchten die beiden Abteilungen des Pädagogiſchen Seminars die hieſige Aufbauſchule für Mädchen, am 26. September 1930 die Odenwaldſchule in Oberhambach.
Als Referendar im Probejahr blieb Herr Studienreferendar Jakob Müller an unſerer Schule.
Herr Studienrat Dr. Bommersheim verſieht vom 4. Auguſt 1930 ab noch eine halbe Stelle am hieſigen Realgymnaſium. Im Herbſt 1930 genehmigte der Kleine Senat der hieſigen Techn. Hochſchule, ihm die venia legendi zu erteilen.
Am 15. September 1930 übernahm Herr Oberſtudienrat Dr. Krämer die Leitung der Deutſchen Schule in Helſingfors(Finnland). Seine Stelle mußte eingeſpart werden durch Zuſammenlegung von Klaſſen und Verteilung ſeines Unterrichts an die Amtsgenoſſen.
Herr Religionslehrer Friedrich Roth von der Eleonorenſchule erteilt ſeit 15. Oktober 1930 in einer Klaſſe von Dr. Krämer 2 Stundeu evangel. Religion, Herr Studienreferendar Erckmann über⸗ nahm bereitwilligſt eine Quinta im Deutſchen und eine Oberſekunda im Engliſchen.
Durch Urkunde des Herrn Kultusminiſters vom 8. November 1930 wurde Herr Oberſtudienrat Ludwig Balſer mit Wirkung vom 1. Dezember 1930 auf Grund des§ 1 des Geſetzes über die Alters⸗ grenze der Staatsbeamten vom 2. Juli 1923 in den Ruheſtand verſetzt. Der Herr Staatspräſident hat ihm durch eine beſondere Urkunde ſeine Anerkennung für die langjährigen, treuen Dienſte ausgeſprochen.
Herr Balſer durchlief das Gymnaſium zu Gießen bis zur Reifeprüfung Oſtern 1885, erwarb an der heſſ.
Landesuniverſität im Herbſt 1888 die Lehrbefähigung für das höhere Lehramt in Mathematik, Phyſik und Chemie
und war bis Herbſt 1889 Mitglied des pädagog. Seminars am Gymnaſium zu Gießen unter Hermann Schiller.
Von Herbſt 1888 bis Herbſt 1891 wirkte er als Aſſiſtent am phyſikal. Kabinet der Landesuniverſität unter Prof.
Himſtedt. Nach kurzer Tätigkeit an der Darmſtädter Realſchule fand er am Realgymnaſium und der Realſchule
zu Gießen dauernde Verwendung, bis er Oſtern 1894 an die Realſchule in Darmſtadt verſetzt wurde. Im
Januar 1896 wurde er hier definitiv angeſtellt. Er unterrichtete an der inzwiſchen zur Oberrealſchule aus⸗
gebauten Anſtalt erfolgreich bis zu ihrer Teilung im Herbſt 1911. Auf ſeinen Wunſch wurde er dem Lehrkörper
der neu errichteten Liebigs⸗Oberrealſchule zugeteilt, dem er ſeitdem ununterbrochen angehört hat. Seit 1924 wirkte er als Konrektor und Stellvertreter des Direktors, am 1. Oktober 1927 wurde er zum Oberſtudienrat befördert.
Nach faſt 20 jähriger vertrauensvoller Mitarbeit ſcheidet Herr Balſer aus unſerem Kreiſe. Außerordentlich anregend, fruchtbar und ſegensreich war ſein Wirken für Schüler und Fachgenoſſen Dem reichen Schatz ſeines Wiſſens, ſeinem unermüdlichen Fleiß und ſeiner vorbildlichen Pflichttreue verdankt die Schule eine muſtergültige mathematiſche Modellſammlung, die Einrichtung von mit dem Unterricht verbundenen Schülerübungen in der Phyſik, die Ausgeſtaltung des Lehrplans für Darſtellende Geometrie und die planmäßige Förderung aller Maß⸗ nahmen zur Weckung und Ausbildung der Raumanſchauung im mathematiſchen Unterricht. In zwei Programm⸗ arbeiten, mehreren Aufſätzen in Zeitſchriften und in zwei Bändchen der mathematiſchen Bücherei von Teubner (Kugelgeometrie 1927 und Kartennetze 1928) hat Herr Balſer ſeine reichen Erfahrungen auf dem Gebiete des Tuneoniewſchen Unterrichts niedergelegt. Auch als langjähriger Führer unſerer inathematiſch⸗naturwiſſen⸗ ſchaftlichen Fachgruppe, durch Mitarbeit an den neuen hefſtlchen Lehrplänen für Geometrie, durch Mitwirkung
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