IX. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Die Aufnahmeprüfungen fanden am 25. April 1927 ſtatt, der Unterricht begann am 26. April nach einer gemeinſamen Feier mit 603 Schülern in 23 Klaſſen. Das Schuljahr wird am 31. März 1928 ſchließen.
Am 1. April 1927 ſchied einer unſerer älteſten Amtsgenoſſen, Herr Oberſtudienrat Dr. Auguſt Todt, der unſerer Anſtalt ſeit ihrer Gründung im Herbſt 1911 angehört hat, aus unſerem Lehrkörper aus. Ein ſchweres Augenleiden zwang ihn, noch in völliger geiſtiger und körperlicher Rüſtigkeit, vorzeitig ſeine ihm lieb gewordene Tätigkeit als Lehrer und Erzieher der Jugend aufzugeben.
Herr Dr. Todt hat von Herbſt 1888 bis Herbſt 1889 als Abheſſiſt ſein pädagogiſches Rüſtzeug im Seminar am Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt Gießen unter Hermann Schiller erhalten. Nachdem er als Ein ſährig rei⸗ williger beim Inf.⸗Reg. 116 in Gießen ſeiner Militärpflicht genügt hatte, fand er ſofort Verwendung an der Real⸗ ſchule und dem Progymnaſium zu Alzey. Von Januar 1892 bis Herbſt 1898 wirkte er an der Realſchule in Butzbach. Im Winterhalbjahr 1898/99 widmete er ſich an der Univerſität Straßburg weiteren Fachſtudien. Während des Schul⸗ jahres 1899/1900 war er an der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule in Groß⸗Umſtadt tätig. Oſtern 1900 wurde er an
iie Darmſtädter Oberrealſchule verſetzt und bei ihrer Teilung im Herbſt 1911 der neu abgezweigten Liebigs⸗Ober⸗
Realſchule überwieſen. Wiederholt hat er ſich während ſeiner 38⸗jährigen Dienſtzeit zu Ltudenfweaen und zur Vervollkommnung ſeiner Sprachkenntniſſe im Ausland aufgehalten: 1894, 1895 und 1900 in Frankreich; 1897 und 1911 in England und Schottland.
Wir verlieren in Herrn Dr. Todt einen hervorragenden geiſtvollen Lehrer von unübertrefflicher Pflichttreue, tiefgründigem Wiſſen und aufopfernder Liebe zu ſeinen Schülern, mit denen er auch nach ihrer Entlaſſung aus der Schule in Verbindung blieb. Dankbar erkennen wir bei ſeinem Ausſcheiden aus dem Amt an, welche erſprießlichen Dienſte er in langjährigem erfolgreichen Wirken unſerer Schule und der ihr anvertrauten Jugend geleiſtet und wie ſehr er im Lehrkörper unſerer Anſtalt ſtets zur Pflege des Geiſtes wahrer Kollegialität und echter Berufskameradſchaft beigetragen hat. Unſere beſten Wünſche begleiten ihn in ſeinen Ruheſtand. Möge er ſein otium cum dignitate noch recht viele Jahre unge⸗ trübt genießen!
Mit Wirkung vom 1. April 1927 wurde Herr Dr. Adam Bernhard Gottron zum Studienrat ernannt.
Zu Beginn dieſes Schuljahres wurden uns neu überwieſen die Herren Studienräte Heinrich Winter von der Oberrealſchule in Michelſtadt, Karl Ludwig Neeb von der Oberrealſchule und dem Gymnaſium in Dieburg ſowie Herr Studienaſſeſſor Dr. Paul Bommersheim von derſelben Schule.
Herr Studienaſſeſſor Dr. Karl Kiſſel, der bereits eine halbe Studienratsſtelle an unſerer Schule verwaltet hatte, wurde mit der Verwaltung einer(ganzen) Studienratsſtelle beauftragt.
Durch Urkunde vom 23. Juni 1927 wurden die Herren Dr. Franz Türk, Dr. Ludwig Lam⸗ pert, Dr. Karl Mathes und Dr. Ernſt Kaffenberger mit Wirkung vom 1. Juni 1927 zu über⸗ planmäßigen Studienräten ernannt.
Durch Urkunde des Kultusminiſters vom 27. Februar 1928 wurde Herr Dr. Türk mit Wirkung vom 1. März 1928 an zum Studienrat an unſerer Schule ernannt.
Dem pädagogiſchen Seminar unſerer Schule gehörte von Oſtern bis Herbſt 1927 Herr Studien⸗ referendar Heinrich Matthes an. Er wurde auch zur Ableiſtung ſeines Probejahres unſerer Schule zugeteilt. Doch übernahm er ſchon am 1. November 1927 eine Aſſiſtentenſtelle an der Univerſität Breslau.
Seit Herbſt 1927 ſind die Herren Studienreferendare Ludwig Breitwieſer, Karl Müller und Werner Schoch Mitglieder unſeres pädagogiſchen Seminars.
Zur Teilnahme an dem internationalen Jugendtag in Daſſel war Herr Dr. Krämer vom 15. bis 25. Juni 1927 beurlaubt.
Herr Dr. Lampert hielt ſich vom 1. Juli 1927 bis zum Ende der Sommerferien ſtudienhalber in Paris auf.
Auf dem Deutſchen Geographentag in Karlsruhe(vom 6.—12. Juni 1927) war die Schule durch Herrn Studienrat Karl Schmidt vertreten.
Am 27. Juni 1927 folgte Herr Oberreallehrer Lambert einer Einladung der Leitung der Aus⸗ ſtellung„Muſik im Leben der Völker“ nach Frankfurt a. M.—
Während der Oſterferien beteiligten ſich an der Tagung des Vereins zur Förderung des mathemat. und naturw. Unterrichts in Frankfurt a. M. der Direktor, Herr Oberſtudienrat Balſer und die Herren Studienräte Pabſt, Neeb, Schmidt I, Schmidt II, Dr. Scheuermann, Luſt. Herr Oberſtudienrat Balſer hielt dort einen beifällig aufgenommenen Vortrag mit Projektionen über„Kartennetze im geo⸗ metriſchen Unterricht“.
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