Jahrgang 
1917
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Wenn lhr diesen Brief erbrechen und lesen werdet, dann bin ich nicht mehr auf dieser Welt, dann habe ich mein Blut für mein geliebtes, teures Vaterland fließen lassen müssen. Es war ja eben mein eigner Wille; ich nabe mich zu Anfang des Krieges mit Lust und Liebe als Freiwilliger gemeldet, war stets mit Leib und Seele bei dieser großen Sache, wo es sich um Sein oder Nichtsein, um die ganze Existenz der geliebten Heimaterde, um all Euer Wohl und Glück handelt, und darf nun auch stol⸗ darauf sein, mit meinem Blut, mit meinem Leben, mit meiner heißen L.iebe für mein teures Vaterland nach Goftes ewigem Ratschluß mich geopfert 2u haben.

Auch in diesem lahre machten sich viele Schüler der Allgemeinheit nützlich und bewiesen ihre werkfätige Liebe zum Vaterland. Sie machten Botengänge für das Rote Kreuz und für die Abteilung für Vermißtenermittelung und Kriegsgefangenen- fürsorge, sie stellten sich zur Verfügung am 1. September bei der Bestandsaufnahme, am 8. September bei der Ausstellung neuer Ausweise zum Bezug von Lebensmitteln, am 1. Oktober bei der Haussammſung für die Marine und am 25. Februar bei der Haussammlung für die Ernst Ludwigs-Jubiläumsstiftung. Bei der vaterländischen Feier am 18. Dezember, deren Reinertrag für Kriegswohlfahrtszwecke bestimmt war, wirkten 30 Schüler unsrer Anstalt mit. Die unteren und mittleren Klassen förderten die Bestrebungen der Frauenhilfe durch Sammlung von Marken, Staniol u. a. D., die Schüler aller klassen spendeten dem Roten Kreuz den Erlös für gelesene Bucheln im Betrage von 109 Mk., sie gaben von ihrem Ersparten für hiesige Bedürftige, deren Ernährer eingezogen und zum Teil bereits gefallen sind, sie steuerten Gold- und Silbergegenstände für denVaterlandsdank bei, brachten noch in diesem lahr 2250 M. in Gold zum Einwechseln und zeichneten für die 5. Kriegsanleihe 2030 M.

Am 18. Oktober wurde dem Direktor das Allgemeine Ehrenzeichen für Kriegs verdienste verliehen und am 27. lanuar Herrn Lehramtsassesor Dr. Streuber, der seit Kriegsbeginn im Sanitätsdienst fätig ist, das Hessische Kriegsehrenzeichen.

Rerr Geheimer Oberschulrat Dr. Nodnagel, dessen Obhut die Anstalt seit ihrer Gründung unterstellt war, wurde am 1. lanuar auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. Auch an dieser Stelle danken wir ihm für seine tatkräftige Förderung unserer Interessen und für die fruchtbringenden Anregungen, die er uns gegeben hat.

Am 1. Mai verließ uns infolge seiner Versetzung an das hiesige Realgymna sium Herr Oberlehrer professor Hof. Sein Nachfolger wurde Herr Professor Dietrich, bis dahin Oberlehrer am Neuen Gymnasium zu Darmstadt. Ierr professor Hof, ein pflichttreuer und eifriger Lehrer, starb am 17. luni an den Folgen einer Operation. Wir werden ihm für seine wertvollen Dienste ein dankbares Andenken bewahren.

Herrn Lehramtsassessor Kuhn wurde am 1. Mai die Verwaltung einer Lehrer stelle an der Realschule zu Grünberg übertragen. Nach der Entlassung aus dem Heere frat mit Beginn des Sommerhalbjahrs Herr Professor Hauff wieder in den Schuldienst ein. Ebenso übernahm am 1. luni Herr Professor Axt, dessen NMobil machung aufgehoben wurde, wieder seinen Unterricht. Herr Lehramtsassessor Dr. Widmann wurde an die Eleonorenschule versetat.

Am 24. luni wurde Herr Professor Schäfer beurlaubt und vom 16. lanuar ab auftragsweise an dem Realgymnasium zu Gießen verwandt. Am 28. Februar wurde er auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1917 an in den Ruhestand versetat. Seine Stunden übernahm Herr Lehramtsassessor Dr. Streuber, mit dessen Vertre tung vom 26. juni bis 10. lanuar Herr Lehramtsassessor Dr. Edelmann beauftragt war. Nach seiner Einberufung zum Militär erteilte den deutschen und französischen Unterricht in den beiden Quarten vom 16. lanuar bis 3. Februar Herr Lehramts- referendar Berg, von da ab Herr Lehramtsassessor Dr. Kreikkemeier.

Am 12. Dezember wurde kurz vor Beginn des Unterrichts Herr Professor Dr. Wamser von einem Schlaganſall dahingerafft. Seinen Schülern war er ein tüchtiger, gewissenhafter Lehrer, der allezeit auf ihr Wohl bedacht war, den Amtsgenossen ein treuer Mitarbeiter. Seine gefällige und entgegenkommende Art, jene Lebensauffas sung, die auch nach trüben Erfahrungen dem Leben wieder eine heitere Seite abzu gewinnen weiß, seine oiffene, wahre Natur und seine vornehme Gesinnung haben ihm aller Achtung und Vertrauen verschafft. Vom 1. lanuar ab wurde uns bis auf