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V. Zur Geſchichke der Anſtalt.
(Oſtern 1908 bis Oſtern 1909.)
Das Sommerhalbjahr begann Dienſtag den 28. April und ſchloß Mittwoch den 30. September 1908. Das Winterhalbjahr begann Freitag den 16. Oktober 1908 und wird Samstag den 3. April 1909 ſchließen.
Am 1. April 1908 wurde Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Wilhem Schmidt) als Oberlehrer an⸗ geſtellt; Herr Lehramtsreferendar Köhler, der ihn am Schluß des Winterhalbjahres während einer militäriſchen Uebung vertreten hatte, blieb auch am Anfang des Sommerhalbjahres bei uns, um bis zum 26. 3 1908 den gleichfalls zu einer militäriſchen Uebung eingezogenen Herrn Profeſſor Dr. Neßling zu vertreten.
Mit dem 25. April 1908 ſchied Herr Oberlehrer Profeſſor D. Dr. Preuſchen aus unſerer An⸗ ſtalt, um die evangeliſche Pfarrſtelle in Hirſchhorn zu übernehmen. Unſer Dank für die guten Dienſte, die er dem Ludwig Georgs⸗Gymnaſium ſeit Herbſt 1897 geleiſtet hat, und unſere beſten Wünſche be⸗ gleiten ihn in ſeinen neuen Wirkungskreis. An ſeine Stelle trat mit Beginn des Schuljahrs Herr Pfarrer Friedrich Axt, bisher Pfarrer in Mommenheim.
Gleichfalls mit Beginn des Schuljahrs wurde eine Zeichenlehrerſtelle für unſer Gymnaſium ge⸗ ſchaffen und Herrn Joſef Müller**) übertragen. Infolge davon ſchied Herr Getroſt, Oberlehrer an der hieſigen Oberrealſchule, der ſeit Oſtern 1892 unſern Zeichenunterricht im Nebenamt erteilt hatte, von unſerer Anſtalt. Ebenſo verließ uns Herr Lehramtsaſſeſſor Karl Heyl, da Herr Vorſchullehrer Claß mit Beginn des Schuljahrs ſeinen Dienſt wieder übernehmen konnte.
Den für unſere Anſtalt und das Neue Gymnaſium gemeinſamen israelitiſchen Religionsunterricht erteilt ſeit dem 15. Auguſt 1907 Herr Rabbiner Dr. Italiener.
Mit Beginn des Winterhalbjahrs übernahm Herr Lehramtsreferendar Dr. Georg Werle die Verwaltung der Oberlehrerſtelle, die Herr Lehramtsreferendar Dern bis dahin verſehen hatte. Dieſer blieb noch an unſerer Anſtalt bis Anfang Januar 1909, wo ihm die Verwaltung einer Oberlehrerſtelle am hieſigen Neuen Gymnaſium übertragen wurde. Herr Lehramtsreferendar Dr. Riedel verließ uns mit Schluß des Sommerhalbjahrs, um Vind Militärpflicht zu genügen. Für den Winter wurden uns die Herren Lehramtsreferendare Wilhelm Heyl und Auguſt Kleinſchmidt zur Fortſetzung ihres Vorbereitungsdienſtes zugewieſen.
Seit dem 3. März iſt Herr Dr. Werle zu einer militäriſchen Uebung beurlaubt und wird bis zum Schluß des Winterhalbjahrs durch Herrn Lehramtsreferendar Heinrich Metzner vertreten.
Die Herren Oberlehrer Lauteſchläger und Kemmer wurden am 1. November 1908 zu Profeſſoren ernannt.
Herr Peter Reidel“***), der ſeit dem 3. Oktober 1907 unſere erledigte Schuldienerſtelle verſehen hatte, wurde am 1. April 1908 zum Pedellen an unſerer Anſtalt ernannt.
Der Sedantag wurde, wie üblich, durch Ausflüge gefeiert. Der Geburtstag Seiner König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs wurde am 25. November 1908 mit muſikaliſchen Darbietungen und einer Rede des Herrn Profeſſor Dr. Baur über Heſſens Bedeutung in der Geſchichte Deutſchlands ge⸗ feiert. Unſre Kaiſerfeier am 27. Januar 1909 brachte die von Franz Treller gedichtete und von
*) Wilhelm Schmidt, geboren 1881 zu Frankfurt a. M., beſuchte das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darm⸗ ſtadt und ſeit Eröffnung des Neuen Gymnaſiums dieſe Anſtalt, an der er Öſtern 1899 die Reifeprüfung beſtand. Nunmehr ſtudierte er klaßfiſche Philologie und Deutſch in Heidelberg, Leipzig und Gießen, woſelbſt er Dezember 1903 promovierte mit einem als Diſſertation eingereichten Teil der von ihm bearbeiteten klaſſ.⸗phil. Preisaufgabe, betitelt: De die natali apud veteres celebrato quaestiones selectae. Februar 1904 beſtand er ebendort die Staatsprüfung, genügte April 1904/05 ſeiner Militärpflicht, dehörte bis Oſtern 1906 dem pädagogiſchen Seminar am Neuen Gymaſium zu Darmſtadt an, verwaltete eine Lehrerſtelle am Oſter⸗Gymnaſium zu Mainz bis Herbſt 1906 und kam dann in gleicher Verwendung an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium.
**) Joſef Müller, dobvren 1870 in Lampertheim, Kreis Bensheim, beſuchte zuerſt die Volksſchule ſeiner Heimat und von 1880— 85 das Gymnaſium in Worms. Nach einem ſchweren Augenleiden trat er 1886 in das Seminar in Bensheim ein, das er 1889 verließ. Von 1889—95 als Schulverwalter in Fehlheim, Kreis Bensheim, und Budenheim, Kreis Mainz, verwendet, trat er aus dem Schuldienſt aus, um ſich in den Kunſtſchulen in Berlin und Kaſſel auf die Zeichenlehrerprüfung vorzubereiten. Im Juli 1896 beſtand er dieſe und war von Nov. 1897 bis Oſtern 1908 als Zeichenlehrer an der Mittelſchule in Darmſtadt tätig.
***) Peter Reidel, geboren 1855 zu Darmſtadt, iſt von Beruf Zimmermann. Er genügte ſeiner Militärpflicht von 1877— 1879 und gehörte von 1896—1907 der Großherzoglichen Garde⸗Unteroffiziers⸗Kompagnie an.


