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V. Zur Geſchichte der Anſfalk. (Oſtern 1907 bis Oſtern 19008.)
Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 9. April und ſchloß Mittwoch den 26. September 1907. Das Winterhalbjahr begann Freitag den 11. Oktober 1907 und wird Samstag den 11. April 1908 ſchließen.
Am 1. April 1907 wurde Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Theodor Ranft) als Oberlehrer angeſtellt; Herr Lehramtsreferendar Wilhelm Jacob, der ihn während einer militäriſchen Uebung vertreten hatte, ſchied am 25. April aus dem Dienſt unſrer Anſtalt Vom 1. Auguſt bis zum 25. September war Herr Oberlehrer Dr. Ausfeld zu einer militäriſchen Uebung einberufen; er wurde vom 15. Auguſt bis zum 25. September durch Herrn Lehramtsaſſeſſor Karl Mangold vertreten.
Am 2. November 1907 ſchied Herr Profeſſor Dr. Müller und am 16. desſelben Monats Herr Profeſſor Kiſſinger von unſrer Anſtalt, erſterer zum Direktor des Gymnaſiums in Laubach, letzterer zum Kreisſchulinſpektor in Darmſtadt ernannt. Herr Müller hatte ſeit Oſtern 1892, Herr Kiſſinger ſeit Oſtern 1899 unſerm Gymnaſium angehört. Unſer Dank für die dem Gymnaſium geleiſteten Dienſte und unſere guten Wünſche für die Zukunft begleiten ſie in ihre neuen Wirkungskreiſe. In die Stelle des Herrn Müller wurde Herr Profeſſor Dr. Auguſt Baur** berufen, bisher Direktor des Gymnaſiums in Laubach und jetzt von dieſem Amt auf ſein Nachſuchen entbunden. Als Erſatz für Herrn Kiſſinger wurde uns Herr Lehramtsreſerendar Ferdinand Dern zugewieſen. Am, 15. Februar mußte Herr Profeſſor Dr. Wamſer wegen Krankheit auf 6 Wochen beurlaubt worden. Seine Stelle verſieht Herr Lehramtsreferendar Karl Kircher. Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Schmidt iſt ſeit 3. März zu einer militäriſchen Uebung eingezogen und wird bis zum Schluß des Winterhalbjahres durch Herrn Lehramtsreferendar Otto Köhler vertreten.
Herr Vorſchullehrer Claß erkrankte im Juli und mußte vom 5. Juli bis zu den Sommerferien ſeinen Unterricht ausſetzen. Er nahm ihn nach den Ferien wieder auf, mußte aber nach wenigen Tagen um Urlaub bitten und iſt ſeitdem noch nicht wieder dienſtfähig geworden. Seine Stelle verſieht ſeit dem 9. September 1907 Herr Lehramtsaſſeſſor Karl Heyl.
Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde uns Herr Lehramtsreferendar Dr. Wilhelm Riedel zur Fortſetzung ſeines Vorbereitungsdienſtes zugewieſen.
Herr Pedell Roßmann ſah ſich durch ſein Alter veranlaßt, um ſeine Verſetzung in den Ruheſtand nachzuſuchen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat dieſem Geſuch am 16. September 1907 ent⸗ ſprochen und ihm das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift„Für langjährige treue Dienſte“ am Bande des Verdienſtordens Phillipps des Großmütigen verliehen. Wir wünſchen dem Manne, der durch 31 jährigen, mühevollen Dienſt mit unſrer Anſtalt verwachſen war, einen geſegneten Lebensabend.
Seine Königliche Hoheit hatte am 25. November 1907 die Gnade, den Herrn Profeſſoren Dr. Lindt, Dr. Stoltz, Kleinen und Mendelsſohn das Ritterkreuz I. Klaſſe des Philipps⸗Ordens zu verleihen. Die gleiche Auszeichnung hatte Herr Profeſſor Fritz im vorigen Jahre erhalten, was wir hiermit nachtragen. Zu Profeſſoren wurden im laufenden Jahre ernannt: die Herren Dr. Neßling, Dr. Schmidt I, Dr. Schnell und Kißner.
Die Reifeprüfung unſerer Herbſt⸗Abiturienten fand am 16. September 1907 unter dem Vorſitz des unterzeichneten Direktors, die der Oſter⸗Abiturienten am 2. März 1908 unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel ſtatt. Es beſtanden 14, bezw. 15(ſ. die Namen unter IV d).
Am 16. Mai 1907 verſammelten ſich Lehrer und Schüler der Anſtalt im Schulhof zu einer ein⸗ fachen, ſtimmungsvollen Feier. Es galt, unſern alten ehrwürdigen Kaſtanienbaum unter Denkmalſchutz
*) Theodor Ranft, geboren 1880 zu Beuern, Kreis Gießen, beſuchte bis Februar 1899 das Realgymnaſium
zu Gießen und ſtudierte dann neuere Philologie und Deutſch. Von erbſt 1903 bis Oſtern 1904 Wehürte er Denn
uguſtinerſchule
(Gymnaſium und Realſchule) zu riedberg und promovierte Juli 1905 mit der Diſſertation:„Der Einfluß der
franzöſiſchen Revolution auf den ortſchatz der franzöſiſchen Sprache“. Nach Ableiſtung ſeiner Militärpflicht erhielt er Herbſt 1906 die Verwaltung einer Lehrerſtelle am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium.
**) Auguſt Baur wurde 1861 zu Friedberg in Heſſen geboren. Er beſuchte zuerſt die Elementar⸗, dann die
6 1877 in die Unterprima des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium ein und beſtand
daſelbſt Herbſt 1879 die Reifeprüfung. Nunmehr widmete er ſich— nach Ableiſtung ſeiner militäriſchen Dienſtzeit
laſſiſchen Philologie, des Deutſchen
und der Geſchichte, promovierte in Gießen Dezember 1885 und beſtand ebendort Oktober 1886 die Staatsprüfung.
Seinen Akzeß abſolvierte er am Gymnaſium zu Büdingen, fand dort auch ſeit April 1888 proviſoriſche Verwendung
und im April 1891 definitive Anſtellung. Herbſt 1896 wurde er an das ymnaſium zu Gießen und Herbſt 189.
an das neue Gymnaſium in Darmſtadt verſetzt. Am 23. März 1901 wurde ihm der harakter alan Präfeſar ver⸗
liehen, und im November 1905 wur 3o. Gymnaſiums Fridericianum zu Laubach ernannt.


