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Herr Claß, am 1. Oktober 1899 Herr Profeſſor Dr. Staudinger*). Herr Hamm**) wurde am 16. September zum Lehrer an der Vorſchule der Gymnaſien und Herr Lauteſchläger***) am 1. No⸗ vember 1899 zum Lehrer am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium ernannt. 6
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatte am 25. November 1899 die Gnade, dem unter⸗ zeichneten Direktor und Herrn Profeſſor Winter das Ritterkreuz 1. Klaſſe des Philippsordens zu verleihen. Kurz vorher war den Herren Dr. Buchhold und Dr. Leidolf der Charakter als Profeſſor erteilt worden, den Herr Fritz bereits im November 1898 erhalten hatte.
Die Stelle des Herrn Löbell verſah vom 7. Auguſt bis 30. September 1899 Herr Lehramts⸗ acceſſiſt Heyder, der dann auch noch bis zum 21. November 1899 bei uns blieb, um den zur Teil⸗ nahme an dem alljährlichen Kurſe des Kaiſerlichen Archäologiſchen Inſtituts nach Italien beurlaubten Herrn Dr. Buchhold zu vertreten. Herr Lauteſchläger war während der erſten 14 Tage des Winterhalbjahrs zu einer militäriſchen Übung einberufen; er wurde von den Kollegen vertreten.
Herr Völſing mußte wegen eines Nervenleidens im ganzen Sommerhalbjahr beurlaubt werden; ſeine Stunden wurden von den Herren Schmuck, Schnell und Lauteſchläger freundlichſt über⸗ nommen; in den letzten Wochen des Winters war er wieder krank. Herr Profeſſor Soldan erkrankte zu Beginn des Jahres 1900 und wurde vom 20. Januar an von Herrn Lehramtsacceſſiſt Wüſten⸗ höfer vertreten.
Am 7. Mai 1899 erlag ein lieber und gewiſſenhafter Schüler, der Quintaner Hans Voigt, einer ſchweren Krankheit. Die ſämtlichen Schüler ſeiner Klaſſe gaben ihm unter Führung des Direk⸗ tors und des Klaſſenführers das letzte Geleit.
Den 150. Geburtstag Goethes feierten wir am 28. Auguſt 1899 durch Geſang, Vortrag Goetheſcher Gedichte und eine Feſtrede des Herrn Profeſſor Soldan über Goethes Beziehungen zu Darmſtadt. Die Ausflüge des Sedantages wurden diesmal durch Regengüſſe abgekürzt. Die Groß⸗ herzogfeier wurde am 25. November 1899, die Kaiſerfeier am 27. Jannar 1900 in gewohnter Weiſe veranſtaltet; bei der erſteren ſprach Herr Profeſſor Dr. Leidolf über die nationalen Güter des Glaubens und der Treue, bei der letzteren Herr Profeſſor Fritz über Moltke. Am letzten Schultage des Jahres 1899 verſammelten ſich die Lehrer und Schüler im Feſtſaale, um die Jahrhundertwende feierlich zu begehen. Der Direktor wies in einer Anſprache auf die gewaltigen Fortſchritte in der Zeitlichkeit hin, betonte aber auch die Bedeutung der Perſönlichkeit inmitten dieſes mächtigen Stromes der Kultur und ſchloß mit einem Gebet.
In der Pflege der Jugendſpiele ſind wir in dieſem Jahre zu unſerer Freude einen guten Schritt vorangekommen. Wir haben eine Waldwieſe, die ſog. Oberförſterswieſe, in unmittelbarer Nähe des Böllenfallthors gepachtet und unſeren Schülern als Spielplatz zur Verfügung geſtellt. Sie haben in den Monaten Auguſt und September teils ſelbſtändig, teils unter Leitung von Lehrern ſchon fleißig dort geſpielt; auch wurde ein Teil der Turnſtunden bei ſchönem Wetter dort abgehalten. Im kom⸗ menden Sommer ſoll die Sache weiter geordnet und gefördert werden.— Die Planierung unſeres Turnhallenhofes iſt im Herbſt begonnen worden und wird hoffentlich demnächſt vollendet ſein.
An Geſchenken erhielt unſere Naturalienſammlung: von Herrn Dr. E. Merck einen Marder und eine Eiderente, von Herrn Profeſſor Pfarr ein Stück Aluminium, von Herrn Dr. Keller zwei Affenſchädel und drei Schlangen aus Braſilien; von Herrn Dr. Röder einen Nußhäher, von dem Vorſchüler Walther Trier ein Mondkalb; unſere Schülerbibliothek erhielt Bücher von den Herren Prof. Kunz, Dr. Becker, Dr. Wamſer und von den Schülern Becker und Gros IIbO, Wolff IIb H, Reitz, Schmitz und v. Schwerin IIIa O, v. Renz IIIb H, Lepſius IVH. Oſtern 1899 überwieſen die
*) Profeſſor Dr. Franz Staudinger, Sohn des Pfarrers Wilhelm Staudinger zu Werſau, geboren 1849 zu Wallerſtädten, beſuchte von Oſtern 1864 bis Herbſt 1867 das Gymnaſium zu Darmſtadt. Zu Gießen ſtudierte er ſodann Theologie und beſtand daſelbſt Oſtern 1871 ſeine Fakultätsprüfung; darauf ſtudierte er neuere Philologie, wurde nach beſtandenem Examen am 20. Januar 1875 als Lehrer am Gymnaſium und der Realſchule zu Worms verwandt und am 4. April 1876 daſelbſt definitiv angeſtellt. In dieſer Stellung blieb er bis zu ſeiner Verſetzung an unſere Anſtalt. 1
**½) Wilhelm Hamm, geboren 1868 zu Dieburg, beſuchte die Realſchule zu Darmſtadt und von 1885—1888 das Seminar zu Alzey. Von 1888—1893 verwaltete er Schulſtellen zu Erbach, Hebſtahl und Groß⸗Gerau, ſeit Oſtern 1893 eine ſolche an unſerer Vorſchule.
***†) Guſtav Lauteſchläger, geboren 1869 zu Darmſtadt, beſuchte 1878— 1887 das Ludwig⸗Georgs⸗Gym⸗ naſium, diente Herbſt 1887—1888 und ſtudierte dann klaſſiſche Philologie in Leipzig, Heidelberg und Gießen. Von Oſtern 1893 bis Oſtern 1894 war er Mitglied des pädagogiſchen Seminars in Darmſtadt und ſeit 1. Juni 1894 proviſoriſcher Lehrer am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium.


