Jahrgang 
1891
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ſpielten und turnten, ruhten und ſangen, ein fröhliches Bild. In der Mitte der Gymnaſialſpiel⸗ plätze war für die Gymnaſiaſten und die Vorſchüler eine geräumige, mit Fahnen geſchmückte Bretter⸗ bude errichtet, wo die Kollegen und die Primaner alle Schüler der Anſtalt in den Pauſen zwiſchen den Spielen und den vaterländiſchen Geſängen mit Kaffee, Brötchen und Bier verpflegten. Raſch und muſterhaft wurden die Abteilungen von je 16 Schülern von den Primanern, welche ſie auch ſchon im Feſtzug als Führer geführt und auf dem Feſtplatz bei den Spielen angeleitet, hier auch beſtens ver⸗ pflegt. Jedermann hatte ſeine Freude daran, zu ſehen, wie geſchickt und liebenswürdig die älteren und jüngeren Kameraden ſelbſt das Beſte zum Gelingen dieſes Jugendfeſtes beitrugen. Daß dieſes vaterländiſche Feſt ſo ſchön verlaufen konnte, verdankte die Anſtalt vielfacher gütiger Unterſtützung, die ihr dargeboten wurde. Die Verwaltung der Main⸗Neckar⸗Bahn lieh uns Bänke für den Feſtplatz des Jugendfeſtes, Herr Fabrikant L. Röder dahier lieh uns mit höchſt dankenswerter Freigebigkeit zwei große Keſſel mit den Feuerungsapparaten zum Kochen des Kaffees für unſere neunhundert Schüler. Herr Bierbrauereibeſitzer Diſchinger bot uns für dieſen Tag freundlichſt eine große Anzahl von Tiſchen aus ſeiner Gartenwirtſchaft dar. Herr Buchdruckereibeſitzer F. Wittich ſpendete zu den Feſtkoſten eine freundliche Gabe im Betrage von 10 Mark. Die Glashandlungen der Herren Anton, Krätzinger und Wirthwein liehen die Gläſer. Das Feſtkomité bezahlte die Fuhren. Allen, die freundlichſt halfen, aufrichtigen Dank!

Den Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. feierten wir am 12. September 1890 mit einem Feſtakte, bei dem Herr Kollege Dr. Löbell die Feſtrede über den Großherzog Ludwig I. von Heſſen hielt.

Am 27. September 1890 vormittags 8 Uhr fand ſich unſere Anſtalt zu einer ernſten Abſchieds⸗ feier in der Aula zuſammen. Die lang vorausgeſehene ſchwere Stunde war gekommen, in der ſieben Kollegen und gegen 240 Schüler von dem Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium Abſchied nahmen. Der Direktor gedachte in ſeiner Anſprache der vielen Umgeſtaltungen, welche das Ludwig⸗Georgs⸗Gym⸗ naſium in den beiden zurückgelegten Jahrzehnten erfahren und die auch jetzt wieder desſelben warteten, wenn es nach der Abzweigung des Neuen Gymnaſiums wieder eine vollſtändige und regel⸗ mäßige Organiſation anſtreben werde. Den ſcheidenden verehrten Kollegen ſprach der Direktor im Namen der Anſtalt Dank aus, den Schülern ein Lebewohl, nicht zu wirklichem Abſchied und zur Tren⸗ nung, ſondern auf Wiederſehen und zur Fortſetzung der ſeitherigen perſönlichen und freundſchaftlichen Beziehungen.

Am 16. Oktober 1890 fand in der Aula die Eröffnungsfeier für das Winterhalbjahr ſtatt, zu⸗ gleich der Beginn einer neuen Entwickelung unſerer Anſtalt. Es war erfreulich, daß in dieſer Stunde unſer Oſtergymnaſium wieder durch die Klaſſen Sexta bis Obertertia vertreten war.

Das Großh. Miniſterium veranlaßte die öffentlichen Schulen durch Verf. v. 18. Oktober 1890, aus Anlaß der 90. Geburtstagsfeier des General⸗Feldmarſchalls Grafen von Moltke durch eine angemeſſene Schulfeier die Verdienſte des großen Mannes zu ehren. Unſere Anſtalt hielt zu dieſem Zweck am Tage vor dem Geburtstage, am 25. Oktober, in der Aula einen Feſtaktus ab, bei dem der Direktor die Feſtrede hielt.

Am 27. Januar 1891 feierte unſere Anſtalt den Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers Wil⸗ helm II. mit einem Feſtaktus. Der Direktor hielt die Feſtrede.

Es folgt hier das Feſtprogramm.