Jahrgang 
1885
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VII. Zur Chronik der Anstalt. (Winterhalbjahr 1884/85.)

1. Nachdem dem Gymnasiallehrer Karl Thglmann durch Ministerialverfügung vom 16. Sept. 1884 unter Wahrung seiner Rechte als definitiv angestellter Gymnasiallehrer die Verwaltung einer Lehrerstelle an der Victoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Okt. 1884 provisorisch übertragen worden war, trat derselbe mit dem Schlusse des Sommerhalbjahrs 1884 aus unserer Anstalt aus. Durch Allerhöchstes Dekret vom 17. Jan. 1885 wurde ihm seine neue Stelle definitiv übertragen. Mit Genehmigung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz wurde unter dem 16. Sept. 1884 dem Lehrer an der Realschule zu Michelstadt Gustav Lenz zunächst unter Wahrung seiner Rechte als definitiv angestellter Lehrer an der Realschule zu Michelstadt die Verwaltung der durch Herrn Thulmanns Versetzung erledigten Stelle provisorisch übertragen. Am 15. Okt. wurde er von dem Direktor in die Anstalt eingeführt. Durch Allerhöchstes Dekret vom 24. Jan. 1885 wurde er definitiv zum Lehrer unserer Anstalt ernannt.

2. Leider müssen hier wiederum Erkrankungen mehrerer Lehrer und andere Störung des Unterrichts verzeichnet werden. Gymnasiallehrer Dr. Walther konnte mit dem Beginn des Winterhalbjahrs einen Teil seines Unterrichts wieder übernehmen. Herr Dr. Kornmesser sah sich genötigt, während des ganzen Winterhalbjahrs seine Kur in Görbersdorf fortzusetzen. Auch Turnlehrer Völsing blieb in dieser Zeit beurlaubt. Direktor Dr. Becker war infolge einer Überreizung seiner Augen vom 26. Oktober bis 15. November beurlaubt, um durch Bewegung in frischer Luft Heilung zu finden. Gymnasiallehrer Dr. Bender war infolge einer Erkrankung von Ende November bis zum Schlusse des Winterhalbjahrs beurlaubt. Auch andere Lehrer waren öfters genötigt, infolge von Erkrankungen ihren Unterricht auszusetzen. Auch veranlaßte die Teilnahme des zum Landtagsabgeordneten gewählten Gymnasiallehrers Friedrich an den Verhandlungen des Landtags in den Monaten Februar und März die Ein- richtung eines Vikariats für denselben.

Diese Veranlassungen ergaben folgende Vikariate. Der Gymnasiallehramtsaccessist Dr. Karl Lindt, der schon früher infolge der Erkrankung des Herrn Gymnasiallehrers Dr. Walther als Vikar bei uns eingetreten, wurde unserer Anstalt in dieser Eigenschaft weiter überlassen. Accessist Albert Henkelmann blieb als Vikar für Herrn Dr. Kornmesser bei unserer Anstalt. Durch Ministerialverfügung vom 15. Oktober 1884 wurde Gymnasiallehramtsaccessist Christian Lenhardt zum Vikar des Turnlehrers Völsing für einen Teil seiner Stunden ernannt. Er trat am 20. Oktober in den Dienst seines Vikariats ein. Dem Gymnasiallehramtsaccessisten Vikxtor Geibner, dem nach Beendigung seines Accesses durch Verfügung vom 1. November 1884 gestattet worden war, an unserer Anstalt freiwillig einige Stunden zu erteilen, wurde nach der Erkrankung des Herrn Dr. Bender durch Ministerialverfügung vom 2. Januar 1885 ein Vikariat in unserer Anstalt übertragen, und er trat am 5. Januar 1885 in seinen Dienst ein.