Jahrgang 
1891
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4. Chronik.

Ji 14. April fand die Aufnahme der eintretenden Schüler ſtatt, am 15. begann der Unterricht.

In dem verfloſſenen Schuljahr fand die Entwicklung unſerer Anſtalt einen höchſt befrie⸗ digenden Abſchluß. Am 1. Mai ſchloß Herr Oberſchulrat Soldan als Vertreter hoher Regierung mit den Lokal⸗Vorſtänden von Butzbach einen Vertrag, demzufolge die ſeitherigeHöhere Bürger⸗ ſchule vorbehaltlich der Zuſtimmung der Landſtände vom 1. April 1891 an vom Staate als Realſchule übernommen werden ſolle, wogegen ſich die Stadt zur jährlichen Zahlung einer be⸗ ſtimmten Geldſumme und zur Stellung und Erhaltung der Schuriumüchteſten erpflichtete. Die Genehmigung der zweiten Kammer iſt inzwiſchen am 18. Februar 1891 erfolgt, diejenige der erſten Kammer wird zweifellos ebenfalls gegeben werden, die Anſtalt wird alſo das kommende Schuljahr als ſtaatliche Realſchule antreten. 1

Am 19. Dezember ſchenkte Herr Oberſchulrat Soldan uns die Ehre ſeines Beſuchs.

Das Curatorium der Anſtalt hat leider im verfloſſenen Jahre zwei Mitglieder durch den Tod verloren: Herrn Bürgermeiſter Küchel, einen wohlwollenden Förderer des Schulweſens, der ſich beſonders auch der Schulhygiene annahm und Herrn Rentner Jakob Wießler. Letzterer ver⸗ körperte gewiſſermaßen in ſeiner Perſon den Gedanken der hieſigen Realſchule. Schon vor vielen Jahrzehnten hatte er deren Gründung erſtrebt und ſich durch keine Schwierigkeit, keinen Fehl⸗ ſchlag abſchrecken laſſen, dafür hatte er an ſeinem Lebensabend die Genugthuung, ſein Lieblings⸗ werk ſelbſt vollenden zu helfen und alle ſeine Wünſche erfüllt zu ſehen. Beider Andenken wird ſtets mit der Geſchichte der Anſtalt verknüpft ſein und von der Bürgerſchaft und dem Lehrer⸗ kollegium in Ehren gehalten werden.,

Auch in dichen Jahre wurde Kollege Otto zu einer achtwöchentlichen Dienſtleiſtung als Lieutenant der Reſerve einberufen. Da der größte Teil hiervon in die Herbſtferien fiel, ſo über⸗ nahmen die Kollegen, ſo gut es ging, während der übrigen Zeit die Vertretung. Zu Beginn des Winterſemeſters wurde Kollege Otto an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt verſetzt. Die Anſtalt verlor in ihm einen treuen, eifrigen und erfolgreichen Lehrer, der bei dem Kollegium und den Schülern ſtets in freundlichem Andenken bleiben wird.

Zum Erſatze erhielten wir Herrn Wilhelm Schleußner aus Darmſtadt, der bisher an Großh. Realſchule daſelbſt unterrichtet hatte.

Während der Herbſtferien verlor die Schule in Theodor Buſchinsky aus Bad⸗Nauheim einen lieben und begabten Schüler, der zu den beſten Hoffnungen berechtigte. Das Lehrer⸗ kollegium und viele Schüler gaben ihm das letzte Geleite. Sonſt kann über den Geſundheits⸗ zuſtand der Schüler nicht geklagt werden.

Abgeſehen von den regelmäßigen kleineren Spaziergängen der einzelnen Klaſſen machte die ganze Schule am 13. Juni einen Ausflug von Bad⸗Nauheim ühber den Winterſtein zur Saalburg und zurück über Homburg. Am 3. Oktober beſuchte ebenfalls die ganze Schule eine Vorſtellung vonBuffalo Bill in Frankfurt. Die bei beiden Ausflügen gebotenen Anregungen waren zwar ſehr verſchiedenartig, aber höchſt wertvoll.

Die Namen der diesjährigen Abiturienten können erſt in dem nächſten Programm ver⸗ öffentlicht werden, da die mündliche Prüfung nicht vor Drucklegung dieſes Berichts erfolgt.

Neben kleineren Anſchaffungen für Phyſik und Chemie wurde in dieſem Jahre das Inventar beſonders durch Ergänzung der naturgeſchichtlichen Sammlungen vermehrt. on den Geſchenken, für die wir den Gebern herzlichen Dank ſagen, führen wir nur die Größeren an: Von Herrn Pr.⸗Lieutenant Boldt: ein Modell einer Lokomotive. Von Herrn Fabrikant Ph. Bie⸗ ling: Verſchiedene Mineralien und Verſteinerungen. Von Herrn Ober⸗Poſtaſſiſtenten Lauckhardt. Verſteinerungen aus der Gegend von Alzey. Von Herrn Geometer Schopbach: ein Papſtfink. Von Herrn Lehrer Winter: ein ausgeſtopfter Kukuk. Von Herrn Rentner Jakob Wießler: 6 Bilder ausländiſcher Kulturgewächſe. Außerdem wurden viele kleinere Gegenſtände von Schülern

geſchenkt.