Jahrgang 
1890
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7.

4. Chronik.

Am 29. April fand die Aufnahme der eintretenden Schüler ſtatt, am 30. begann der Unterricht.

Nach der Entſcheidung Großherzoglichen Miniſteriums darf die Anſtalt ſeit Beginn des Schuljahrs nicht mehr von Mädchen beſucht werden, ſie unterſcheidet ſich auch hierin nicht mehr von anderen Realſchulen. Für den Unterricht der austretenden Mädchen wurde durch Gründung einer erweiterten Mädchenſchule geſorgt, die ſich jetzt eines Beſuches von etwa 40 Schülerinnen erfreut.

Im Sommerhalbjahre wurde Kollege Otto als Lieutenant der Reſerve zu einer acht⸗ wöchentlichen militäriſchen Dienſtleiſtung einberufen. Zur Anshülfe wurde uns von Großherzogl. Miniſterium der Lehramtsacceſſiſt Georg Schilling aus Grünberg überwieſen, der ſich vom 20. Juni bis 17. Auguſt mit großem Eifer dieſer Aufgabe unterzog, und der bei dem ganzen Lehrerkollegium in freundſchaftlichem Andenken ſteht.

Am 29. Juli ſchenkte Herr Schulrat Schmidt aus Friedberg der Anſtalt die Ehre eines Beſuches.

Am 18. Dezember erließ das Reichsamt des Innern in Nr. 52 des Centralblattes für das Deutſche Reich die Bekanntmachung, daß unſere Anſtalt in das Verzeichnis derjenigen höheren Lehranſtalten aufgenommen iſt, deren Entlaſſungsprüfung die wiſſenſchaftliche Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt darthut, ſowie daß dieſer Berechtigung rückwirkende Kraft bis zum Oſtertermin 1889 beigelegt wurde. Infolge deſſen konnten endlich den beiden vor⸗ jährigen Abiturienten Guſtav Köpper aus Rotthauſen, Reg.⸗Bez. Düſſeldorf, und Karl Küchel von Butzbach die Zeugniſſe ausgefertigt werden. Erſterer widmet ſich dem Kaufmannsſtand, letzterer iſt in die Gerberei ſeines Vaters eingetreten. Auch die diesjährige Schlußprüfung wurde von allen 6 Ab turienten wohl beſtanden. Behufs Abhaltung der mündlichen Prüfung beehrten am 27. Februar d. J der Regierungskommiſſär Herr Oberſchulrat Soldan und Herr Schulrat Schmidt die Anſtalt mit ihrem Beſuche. Die Namen der Abiturienten ſind: Hermann Lang aus Rockenberg(16 ½ Jahre alt), Rudolf Mengel aus Butzbach(15 ½ Jahre alt), Adolf Schaum aus Hirzenhain(17 Jahre alt), Bernhard Speier aus Heldenbergen(15 Jahre alt), Max Strauß aus Butzbach(15 ½ Jahre alt) und Konrad Wörner aus Hochweiſel(16 Jahre alt); der Erſtgenannte ergreift das Finanzfach, der Letztgenannte widmet ſich der Feldmeßkunſt, die anderen werden Kaufmann.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war in dieſem Jahr nicht ungünſtig, nur mußte auch unſere Anſtalt wegen der Influenza am 8. Januar auf 10 Tage geſchloſſen werden. Einen liebenswürdigen und hoffnungsvollen Schüler, Adam Joutz von Butzbach, raffte vor Beginn des Schuljahrs eine Knochenhautentzündung hinweg.

Am 4. 6. Inli machten die beiden erſten Klaſſen in Begleitung des Rectors einen Ausflug in das obere Lahnthal: nach Marburg, Biedenkopf, auf die Sackpfeife, nach Laasphe, Feudingen, Erndtebrück und zurück über Siegen. Die Reiſe war vom Wetter recht begünſtigt; das von Touriſten wenig beſuchteHinterland erwies ſich als eine von landſchaftlichen Schön⸗ heiten ſehr reiche Gegend, die eines häufigeren Beſuches wohl würdig iſt. Am 5. Juli reiſten die vier unteren Klaſſen in Begleitung der übrigen Kollegen nach Frankfurt und beſichtigten die dortigen Sehenswürdigkeiten. Kleinere Ausflüge der einzelnen Klaſſen wurden öfter unternommen.

Das Inventar der Anſtalt wurde auch in dieſem Jahre ſtark vermehrt. Von neuan⸗ geſchafften phyſikaliſchen Apparaten ſei eine Influenzmaſchine, eine Fallröhre, ein Polariſations⸗ apparat hervorgehobeu; die chemiſchen Apparate und Reagenzien wurden vermehrt und die Naturalienſammlungen erweitert. Auch in dieſem Jahre erhielt die Anſtalt viele Geſchenke, deren Gebern wir hiermit herzlichſten Dank ſagen, von denen wir aber nur einige größere hier auf⸗ führen können: Von Herrn W. Weickhardt dahier: ein Stück gediegen Gold aus Kalifornien; Friſchauf, Dr. J., Abſolute Geometrie; Martin, Ph. L.,Taxidermie; Voigt, Th.,Aus der Schule. Von Herrn Lehrer Weide dahier: eine große Sammlung von Samen botaniſch merk⸗ würdiger Pflanzen. Verſchiedene Verſteinerungen und foſſile Knochen von den Schülern H. Lang und P. Landvogt, von Herrn Lehrer Weide dahier und von Herrn Bürgermeiſter Wiſſig zu Bodenrod. Von Herrn C. Wenzel dahier: ein grüner Papagei(ausgeſtopft). Von Herrn Forſtinſpector Reuß dahier: eine Fiſchotter. Von Herrn Kaufmann Quelle zu Alexandria: ein Antilopenkopf und ein Haifiſchgebiß. Von Herrn Dr. W. Wießler von hier: ein Seeigel, ein Seeſtern, ein Donnerkeil, zwei Menſchenſchädel und andere Teile des menſchlichen Skeletts. Von Herrn L. Wießler dahier: ein Vogelhaus. Vom Rector: ein Sixt'ſches Thermometer, ein Him⸗ melsglobus, ein Volta'ſcher Becherapparat. Verſchiedene Gegenſtände zur Ausſchmückung des Konferenzzimmers wurden geſtiftet von den Kollegen Rumpf, Otto und dem Rector.