Jahrgang 
1929
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Zur Geſchichte der Anſtalt.

Am 23. April, dem Beginn des Schuljahrs, wurde Studienaſſeſſor Dr. Paul Culmann an die Realſchule zu Nidda verſetzt; an ſeine Stelle trat Studienaſſeſſor Karl Lüll aus Gießen. Mit der Vertretung des von Oſtern bis zu den Herbſtferien wegen Nervenerſchöpfung beurlaubten Prof. Müller war Studienreferendar Dr. Wilhelm Vogt aus Gießen beauftragt. Nach den Herbſtferien wurde uns Studienreferendar Dr. Wilhelm Kämmerer aus Büdingen zur Ab⸗ leiſtung ſeines Probejahres überwieſen; er war uns eine erwünſchte Stütze, da beſonders ſeit Weihnachten im Lehrkörper zahlreiche Erkrankungen auftraten, ſo daß die Fortführung eines geordneten Unterrichts oft erſchwert war. Im Gegenſatz hierzu war der Geſundheitszuſtand der Schüler erfreu⸗ licherweiſe auch in den Tagen der ſchlimmſten Kälte zufriedenſtellend. Am 15. Dezember wurde Prof. Dr. Wittekind mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 ab zum Oberſtudienrat befördert, am 1. Januar Aſſeſſor Dr. Friedrich Kämmerer zum überplanmäßigen Studienrat ernannt.

Bei unſerer Dürerfeier am 29. Juni hielt Aſſeſſor Dr. Lade einen Lichtbildervortrag. Zum Verfaſſungstage ſprach am 17. Auguſt Aſſeſſor Lüll, beim Totenfeſte am 24. November Aſſeſſor Freidank. Das Jugendfeſt, das wir in dieſem Jahre wieder gemeinſam mit der Volksſchule auf den Hammerwieſen feierten, fand mit Rückſicht auf die Bodenverhältniſſe erſt am 4. September ſtatt; es nahm mit Wettkämpfen und Spielen einen ſchönen Verlauf, wozu nicht wenig der von der Stadt geſpendete Imbiß und die Ehrenpreiſe beitrugen; die Anſprache hielt der Unterzeichnete. Der Leſſing⸗ jubelfeier gedachten die Deutſchlehrer in den Klaſſen; die Sekunden und Primen wohnten außerdem der vortrefflichenNathanvorſtellung bei, die das Gießener Theater zum Gedächtnis des Dichters veranſtaltete. Am 24. November trug Herr Kammerſänger Götz aus Köln der Schülerſchaft eine Auswahl Löweſcher Balladen vor.

Am 19. und 20. Februar beſuchte der Superintendent von Oberheſſen, Herr Oberkirchenrat Wagner, die Schule und wohnte dem evangeliſchen Religionsunterricht in ſämtlichen Klaſſen bei. Da Herr Miniſterialrat Glückert am 28. Februar am Erſcheinen verhindert war, leitete der Direktor die Reifeprüfung, die für 20 Oberprimaner den erwünſchten Ausgang nahm.

Der Jahresausflug fand am 26. Juni ſtatt; die Oberprima hatte bereits in der Woche vorher eine zweitägige Fahrt nach Würzburg und Rothenburg unternommen. Weiter wurden 6 Monats⸗ ſpaziergänge gemacht. An der V. D. A.⸗Fahrt nach Gmunden beteiligten ſich 21 Schüler und Schüle⸗ rinnen und brachten reiche Eindrücke aus dem heimſtrebenden Bruderland Oeſterreich mit nach Hauſe. Aſſeſſor Dr. Lade führte am 13. Juni eine Schar Primaner inshiſtoriſche Friedberg, am 19. Juni nach Marburg zum Beſuche der Ausſtellung mittelalterlicher Kunſt. Daß unſere Bemühungen, der notleidenden heſſiſchen Künſtlerſchaft durch Verkauf von Loſen derKünſtlerhilfe mit beſcheidenen Kräften beizuſtehen, diesmal weniger erfolgreich waren als ſonſt, dürfte mit der wenig glücklichen Auswahl der von der Leitung beſtimmten Preiſe zuſammenhängen, die uns im kommenden Jahre von einer Beteiligung abſehen läßt. Am Schlagballwettſpiel um den heſſiſchen Wanderpreis nahm unſere Schule nicht teil, weil für die Mehrzahl der Schüler, die auf die Eiſenbahn angewieſen iſt, eine Gelegenheit zum Einſpielen fehlt; daß aber trotzdem unſere Jugend auf dem Gebiete der Leibes⸗ übungen hinter andern nicht zurückſteht, zeigte der Ausgang der Reichsjugendwettkämpfe, der unſern Schülern 56, unſern Schülerinnen 15 Ehrenurkunden brachte. Diejenigen des Herrn Reichspräſidenten errangen: Karl Kranz la, Fritz Weidmann lb, Fritz Bechtler und Heinrich Hemming IIb, Willi Beier IIla, Otto Dönges IIIb und Giſela Lenz IIb.

Die Direktion des Wolfgang Ernſt⸗Gymnaſiums: Dr. Keller.