Jahrgang 
1927
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Vorbemerkungen.

Nach zehnjähriger Pauſe der erſte Bericht des Wolfgang⸗Ernſt⸗Gymnaſiums! Nach zehn Jahren voll von Kriegs⸗ und Nachkriegsleid, von ſtaatlichen, wirtſchaftlichen und erzieheriſchen Neuerungen, von unzähligen Geſchehniſſen, die alle auch unſere Schule berührt haben, und die ein ausführlicher Chroniſt nicht unberückſichtigt laſſen könnte. Aber äußerſte Knappheit der Mittel nötigt zu peinlicher Beſchränkung, und ſo geben wir auf dieſen Blättern lediglich Ueberſichten und Stichworte. Wer ſie zu vervollſtändigen wünſcht, findet wertvolle Hilfe in denBlättern des Vereins ehemaliger Schüler und Lehrer des Büdinger Gymnaſiums, die im letzten Jahre u. a. ein Verzeichnis der früheren und heutigen Schüler und Lehrer ſowie unſerer 100 Kriegsgefallenen enthalten.

Allgemeine Schulgeſchichte.

Nachdem im Winter 1918 der Lehrkörper ſich durch Rückkehr der eingezogenen Mitglieder und Zuwachs von neuen ergänzt hatte, traten größere Veränderungen im Anſtaltsbetrieb bis zum Jahre 1923 nicht ein. Dann aber brach unter dem Einfluſſe der Geldentwertung, der übrigens auch unſere alten Stiftungswerte zum Opfer fielen, die höhere Mädchenſchule zuſammen. Ihre Inſaſſen ſiedelten ins Gymnaſium über, und dieſes wurde gleichzeitig in ein Reformgymnaſium überzuführen begonnen. Ein gewaltiger Schülerzuwachs ſetzte ein, der große, auch heute noch beſtehende Raum⸗ und Lehr⸗ mittelnot zur Folge hatte. Die Reform erfüllte aber nicht die übertriebenen Hoffnungen, die beſonders die Eltern an ſie geknüpft hatten, und da Heſſen gleichartige Schulen ſonſt nicht kennt, kehrten wir Oſtern 1926 wieder zum humaniſtiſchen Lehrplan der übrigen Gymnaſien zurück, der allerdings ſeit dem genannten Zeitpunkte für das ganze Land neu geordnet iſt. Vorläufig ſtehen nun die drei Reformklaſſen Quinta, Quarta und Untertertia(1926) zwiſchen den anders unterrichteten mitten drin.

Das abgelaufene Jahr brachte unſerer ehrwürdigen Schule ein ſtolzes Jubelfeſt, das 325.! Es beſtätigte die Erfahrung, daß der alte Büdinger Gymnaſiaſt in unwandelbarer Treue an ſeiner Schule hängt; es brachte uns Jubelſpenden im Geſamtbetrag von 2238 R.⸗Mk.(darunter allein Stiftung eines Ungenannten 1500 R.⸗Mk., ſowie 300, bezw. 200 R.⸗Mk. der Häuſer Iſenburg⸗Birſtein und Menburg⸗Meerholz), die der Schulausſtattung dienen; es bereicherte endlich das Gymnaſial⸗ gebäude um ein würdiges Ehrenmal unſerer gefallenen Helden, errichtet vom Verein ehemaliger Schüler. An anderen Feſten und Feiern ſind Jugendfeſt, Verfaſſungsfeier, Vierhundertjahrfeier der Reformation, Gefallenengedenkfeier, Peſtalozzifeier und Beethovenfeier(dieſe öffentlich) zu erwähnen.

Für eine Anzahl von Geſchenken, beſonders von Büchern und Naturalien, ſind wir einer ganzen Reihe von Gönnern zu Danke verpflichtet; auch die Schäferſche Stiftung, die alljährlich einem Primaner ein wertvolles Buch ſichert, iſt von ihrem Urheber zu unſerer Freude erneuert worden.

Der Geſundheitszuſtand der Schüler war trotz Grippeepidemie nicht ſchlecht, weniger gut ſtand es um den der Lehrer, von denen mehrere ernſter unpäßlich waren. Die Vertretung übernahmen die Amtsgenoſſen, vor allem der Direktor, deſſen Dienſt ſich ſeiner Landtagstätigkeit halber ſonſt z. Zt. auf die Verwaltungsgeſchäfte beſchränkt.

Das Schuljahr ſchloß am 2. April, das neue beginnt mit den Aufnahmeprüfungen am 25. April.

Die Direktion des Wolfgang⸗Ernſt⸗Gymnaſiums: Dr. Keller.